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Blut und Wasser

Publikationsanalyse 2005-2008: Klinische Chemie & Labormedizin
von Lara Winckler, Laborjournal 01/2012

Die meistzitierten Artikel Die meistzitierten Reviews Die meistzitierten Köpfe

Bild der meistzitierten Köpfe (ca. 130 kb)



Foto: istock/cookelma, Montage: lw

Starke Themen – Herz, Kreislauf, Stoffwechsel und Krebs – und starke Österreicher: Wien ist Hotspot der Labormedizin.

Natürlicher Lebensraum der Klinischen Chemiker und Labormediziner sind die gleichnamigen Institute und die Zentrallaboratorien der Krankenhäuser (zumindest bis auf weiteres, es sei denn, das Aachener Modell der Auslagerung der Labordiagnostik aus den Kliniken macht weiter Schule). Sie sind Spezialisten für Körperflüssigkeiten. Aus diesen (und aus Stuhlproben) lesen sie Diagnose, Therapieerfolge und Krankheitsursachen ab – chemisch, mikrobiologisch und per Mikroskop. Geheimnisträger sind Enzyme und deren Substrate, Elektrolyte, Parameter der Infektionsserologie usw., an denen etwa Leber- und Nierenwerte, Blutfette, Herzfermente, Tumormarker, Faktoren für den Eisenstoffwechsel und der Blutzucker untersucht werden. Und sie führen auch immunologische Analysen, wie die Bestimmung des Antikörpertiters, durch.


Diabetes und Atherosklerose

Die Klinischen Chemiker und Labormediziner mischen bei den meisten medizinischen Projekten mit, ihre Forschungsthemen sind entsprechend breit gefächert. Dabei arbeiten sie vor allem mit Hämatologen und Nierenkundlern zusammen, ebenso mit Herz- und Kreislaufforschern. Aber auch Biochemiker, Molekularbiologen, Immunologen und Pathologen sind in den Autorenlisten vertreten.

Bei aller Vielfalt gab es in den Jahren 2005-2008 eine Handvoll Themen, bei denen ein Großteil der 50 bis heute meistzitierten deutschsprachigen Klinischen- Chemiker und Labormediziner mit von der Partie war. Allen voran die Herz- und Gefäßerkrankungen. Rund 20 der Top 50 forschten über kardiovaskuläre Probleme, auch in Zusammenhang mit Übergewicht und assoziierten Erkrankungen wie Diabetes. Unter ihnen die Nummer 1 in diesem Vergleich, Winfried März (1.), seit 2006 in Karenz als Vorstand des Grazer Klinischen Instituts für Medizinische und Chemische Labordiagnostik und Leiter der synlab Akademie in Mannheim und assoziierter Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin. März ist zwar auch Experte für das metabolische Syndrom, Thrombophilie und Demenz, sein Topartikel jedoch behandelt ein Herz-Kreislauf-Thema – er stellt die Wirkung von Statinen bei Diabetespatienten in Frage. Die Community teilte offenbar die Bedenken und votierte ihn auf Platz 1 der bis heute meistzitierten Artikel der Jahre 2005-2008. Der zweitplatzierte Artikel, mit Michael Kiehntopf (16.), Klinische Chemie und Labordiagnostik, Uniklinikum Jena, unter den Autoren, beleuchtet ebenfalls kritisch eine gefährliche Behandlungsmethode: Insulingabe bei schwerer Sepsis. Mit weitem Abstand folgen die Tumorforscher: Thomas Müller (12.) zeichnet für einen Artikel (Platz 3) als Mitautor verantwortlich, in welchem der Zusammenhang zwischen Rauchen, Lungenkrebs und peripheren vaskulären Erkrankungen analysiert wird.

Einige der Top 50 untersuchen Störungen des Fettstoffwechsels, wie der Direktor der Regensburger Klinischen Chemie, Gerd Schmitz (9.). Wieder andere erforschen Oberflächenrezeptoren auf Thrombozyten und deren Rolle bei der Blutstillung, wie Bernhard Nieswandt (4.), Klinische Biochemie und Pathobiochemie Würzburg, und sein ehemaliger Mitarbeiter Thomas Renné (25.), der 2008 zusammen mit seinen berühmten Mäusen ans Karolinska-Institut nach Stockholm wechselte. Den Mäusen, die Renné 2005 gezüchtet hatte, fehlte ein Koagulationsfaktor, sie bildeten daher keine Thromben.

Last but not least seien die Genetiker genannt. Wilfried Renner (7.) etwa bestimmt genetische Polymorphismen und Mutationen, die das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen oder auch Krebs erhöhen.

Überschneidungen gibt es mit den Pharmazeutischen Chemikern, die in den selben Journals publizieren. Da bei ihnen jedoch die Wirkung von Arzneimitteln ganz oben auf dem Plan steht, ziehen wir hier die Grenze und rechnen sie zu den Pharmakologen, in deren Analyse sie denn auch betrachtet werden (siehe LJ 7/2009).

Bei diesem Vergleich springen drei Dinge sofort ins Auge. Zum einen die große Zahl österreichischer Wissenschaftler – mit 15 fast ein Drittel der Top 50, vier unter den Top 10. Nur sechs der Top 50 arbeiteten im Analysezeitraum in der Schweiz. Zum anderen die hohe Dichte an Präsidiumsmitgliedern der Gesellschaften für Klinische Chemie und Labormedizin. Allein vier sind von der Österreichischen OEGLMKC: Christine Mannhalter (22.), Meinhard Haltmayer (17.), Oswald Wagner (3.) und Thomas Szekeres (33.). Von der Schweizerischen SSCC sind Arnold von Eckardstein (18.) und Martin Hersberger (32.) mit dabei. Die Deutsche Gesellschaft (DGKL) wird gar durch den Präsidenten, Joachim Thiery (11.), und seinen Vorgänger Karl Lackner (6.) vertreten.

Und schließlich die starke Präsenz von Institutsdirektoren, immerhin knapp die Hälfte der Top 50, mit hohen Artikelzahlen und hohem Hirsch-Index: Die Top 10 liegen alle bei 20, die anderen sinken kaum unter 12.

Unterdessen wächst der Kostendruck auf die Krankenhäuser, ein Zentrallabor zu betreiben ist für viele kaum noch tragbar. Ein Umstand, der Markus Exner (13.), Susanne Spitzauer (50.) und fünf weiteren Labormedizinern zugute kommt. Sie leiten in Wien die Gruppenpraxis „Labors.at“, die sich vor Analysen kaum retten kann – täglich kommen Proben von 7.000 Patienten, Tendenz steigend.

Vielleicht können die Fachärzte schließlich auch die Bedenken, die Qualität könne bei Auslagerung der Labordiagnostik sinken, aus der Welt räumen.



Wie die Tabellen entstanden

Berücksichtigt wurden Artikel mit Erscheinungsjahr zwischen 2005 und 2008 sowie mindestens einem Autor mit Adresse im deutschen Sprachraum. Die „Köpfe” arbeiteten von 2005 bis 2008 zumindest zeitweise an einem Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, publizierten zu einem großen Teil in Zeitschriften für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin oder arbeiteten in erster Linie an für die Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin bedeutsamen Projekten.

Für die Berechnung der Zitierungen zählen wir zusammen, wie oft jeder der in Frage kommenden Originalforschungsartikel, der in den Jahren 2005 bis 2008 veröffentlicht wurde, bis heute zitiert wurde. Reviews zählten für die „Köpfe“-Wertung nicht.

Der Hirsch-Index (h-Index) bezieht sowohl die Anzahl der Publikationen eines Forschers als auch deren Zitierhäufigkeit mit ein. Einen hohen h-Index kann man als Maß des wissenschaftlichen Einflusses des Autors ansehen. Der h-Index wird folgendermaßen ermittelt: Alle veröffentlichten Artikel eines Autors werden nach der Zahl ihrer Zitierungen absteigend aufgelistet: Der h-Index ist die Nummer in der Rangliste, an der die Zahl der Zitierungen noch mindestens dem Rang des Artikels entspricht. Ein Wissenschaftler hat zum Beispiel einen h-Index von 20, wenn 20 seiner Veröffentlichungen mindestens 20-mal zitiert wurden.

In unserer Publikationsanalyse berechnen wir den h-Index eines Teils der Originalforschungsartikel, nämlich jenen aus dem betrachteten Veröffentlichungszeitaum (2005 - 2008).

Die Zahlen für Zitierungen und Artikel lieferte die Datenbank „Web of Science“ des Thomson-Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia. Stichtag war der 24.1.2012.

Wichtig: Fehler, die bereits in den Datenbanken stecken, können wir in der Regel nicht erkennen.




Die meistzitierten Artikel

Rang Autoren Paper Zitierungen
1.Wanner C, ..., März W, ..., Ritz E.Atorvastatin in patients with type 2 diabetes mellitus undergoing hemodialysis. NEJM 2005, 353(3):238-48771
2.Brunkhorst FM, ..., Kiehntopf M, ..., Reinhart K.Intensive insulin therapy and pentastarch resuscitation in severe sepsis. NEJM 2008, 358(2):125-39725
3.Thorgeirsson TE, ..., Müller T, ..., Stefansson K.A variant associated with nicotine dependence, lung cancer and peripheral arterial disease. Nature 2008, 452(7187):638-42427
4.Dobnig H, ..., Scharnagl H, Renner W, ..., Weihrauch G, März W.Independent association of low serum 25-hydroxyvitamin D and 1,25-dihydroxyvitamin D levels with all-cause and cardiovascular mortality. Arch Intern Med 2008, 168(12):1340-9279
5.Shai I, ..., Thiery J, Fiedler GM, ..., Stampfer MJ.Weight loss with a low-carbohydrate, Mediterranean, or low-fat diet. NEJM 2008, 359(3):229-41 271
6.Wolf K, ..., Geiger J, ..., Friedl P.Multi-step pericellular proteolysis controls the transition from individual to collective cancer cell invasion. Nat Cell Biol 2007, 9(8):893-904202
7.Landmesser U, ..., Fauler G, März W, Drexler H.Simvastatin versus ezetimibe - Pleiotropic and lipid-lowering effects on endothelial function in humans. Circulation 2005, 111(18):2356-63198
8.Renné T, ..., Schuh K, ..., Nieswandt B.Defective thrombus formation in mice lacking coagulation factor XII. J Exp Med 2005, 202(2):271-81166
9.Lommatzsch M, ..., Zingler C, Schuff-Werner P, Virchow JC.The impact of age, weight and gender on BDNF levels in human platelets and plasma. Neurobiol Aging 2005, 26(1):115-23165
10.Doganci A, ..., Herz U, ..., Renz H, ..., Finotto S.The IL-6R alpha chain controls lung CD4(+)CD25(+) Treg development and function during allergic airway inflammation in vivo. J Clin Invest 2005, 115(2):313-25149



Die meistzitierten Reviews

Rang Autoren Paper Zitierungen
1.Cnop M, ..., Jörns A, Lenzen S, Eizirik DL.Mechanisms of pancreatic beta-cell death in type 1 and type 2 diabetes - Many differences, few similarities. Diabetes 2005, 54 Suppl 2:S97-107253
2.Gressner AM, Weiskirchen R.Modern pathogenetic concepts of liver fibrosis suggest stellate cells and TGF-beta as major players and therapeutic targets. J Cell Mol Med 2006, 10(1):76-99196
3.Marik PE, ..., Vogeser M.Recommendations for the diagnosis and management of corticosteroid insufficiency in critically ill adult patients. Crit Care Med 2008, 36(6):1937-49173
4.Filler G, ..., Hofmann W, ..., Grubb A.Cystatin C as a marker of GFR - history, indications, and future research. Clin Biochem 2005, 38(1):1-8152
5.Koerner A, Kratzsch J, Kiess W.Adipocytokines: leptin the classical, resistin the controversical, adiponectin the promising, and more to come. Best Pract Res Clin Endocrinol 2005, 19(4):525-46141





Die meistzitierten Köpfe

Rang Name Ort Zit. Art. h-Index
1.Winfried MärzLabordiagn., Uni Graz & synlab Manhheim, Mannheimer Institut für Public Health26006923
2.Axel M. GressnerKlin. Chem. & Pathobioch., RWTH Aachen 12837021
3.Oswald F. WagnerMed. Chem. Labordiagn., Med Uni Wien12616721
4.Bernhard NieswandtKlin. Biochem. & Pathobiochem., Uni Würzburg 12003019
5.Harald Renz Labormed. & Pathobiochem., Uniklinik Gießen & Marburg 11735420
6.Karl J. LacknerKlin Chem. & Labormed., Uni Mainz 11305419
7.Wilfried RennerMed. & Chem. Labordiagn., Med Uni Graz10875017
8.Dietmar FuchsBiol. Chem., Med Uni Innsbruck & LBI Innsbruck10678118
9.Gerd SchmitzKlin. Chem. & Labormed., Uni Regensburg 10648618
10.Ulrich WalterKlin. Biochem. & Pathobiochem., DFG-Z. Uni Würzburg 10144319
11.Joachim ThieryLabormed., Klin. Chem. & Mol. Diagn., Uniklinik Leipzig9994316
12.Thomas MüllerLabormed., Konventhospital Barmh. Brüder, Linz 9712513
13.Markus ExnerLabors.at Wien (bis 2011 Labordiagn., Med Uni Wien)9514718
14.Jürgen KratzschLabormed. & Klin. Chem., Uniklinik Leipzig 9235218
15.Peter LohseMol.gen. Diagn., Klin. Chem., Großhadern, LMU München8924417
16.Michael KiehntopfKlin. Chem. & Labordiagn., Uniklinikum Jena 866136
17.Meinhard HaltmayerLabormed., Linz & Paracelsus Privat-Uni Salzburg8532112
18.Arnold von EckardsteinKlin. Chem., Uni Zürich8114016
19.Ralf WeiskirchenKlin. Chem. & Pathobiochem., RWTH Aachen 7903817
20.Benjamin DieplingerLabormed., Konventhospital Barmh. Brüder, Linz7731812
21.Knut Kleesiek Lab. & Transf.med., Uniklinik Bochum, Bad Oeynhausen 7676017
22.Christine MannhalterMed. & Chem. Labordiagn., Med Uni Wien 7605517
23.Gerd AssmannKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster7054416
24.Jan LüdemannKlin. Chem. & Labormed., Unimed. Greifswald 6992914
25.Thomas RennéKlin. Biochem., Uni Würzburg (seit 2008 Stockholm)6902214
26.Michael OellerichKlin. Chem., Uni Göttingen 6483816
27.Claus W. HeizmannKlin. Chem. & Biochem., Uni-Kinderspital Zürich 6422614
28.Hubert ScharnaglMed. & Chem. Labordiagn., Med Uni Graz 6371811
29.Nenad BlauKlin. Chem. & Biochem., Uni-Kinderspital Zürich6253714
30.Christian GöttingLab. & Transf.med., Uniklinik Bochum, Oeynhausen6205014
31.Wolfgang HerrmannKlin. Chem. & Labormed., Uniklinik Homburg6044514
32.Martin HersbergerKlin. Chem. & Biochem., Uni-Kinderspital Zürich5862214
33.Thomas SzekeresMed. & Chem. Labordiagn., Med Uni Wien5823514
34.Marianne Jochum Klin. Chem. & Klin. Biochem., LMU München 5793313
35.Georg M. FiedlerKlin. Chem., Inselspital Bern (bis 2011 Leipzig)56697
36.Georg EndlerMed. & Chem. Labordiagn., Wilhelminenspital Wien 5614114
37.Kai SchuhPhysiol., Uni Würzburg (bis 2007: Klin. Biochem., Uni W.)5461412
38.Peter Schuff-WernerKlin. Chem. & Labormed., Uniklinik Rostock536199
39.Peter QuehenbergerMed. & Chem. Labordiagn., Med Uni Wien 5302613
40.Michael VogeserKlin. Chem., LMU München 5243713
41.Michael M. HoffmannKlin. Chem., Uni Freiburg5132111
42.Victor W. Armstrong †Klin. Chem., Uni Göttingen (bis 2010)4703114
43.Manfred FobkerKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster4652212
44.Birgit Stoffel-WagnerKlin. Biochem., Uni Bonn4402512
45.Thomas LangmannHumangen., Uni Regensburg (b. ‘06 Klin. Chem., R)4403312
46.Beat W. SchäferKlin. Chem. & Biochem., Uni-Kinderspital Zürich 4151511
47.Holger GarnKlin. Chem. & Mol. Diagn., Uni Marburg4151911
48.Petra StieberKlin. Chem., Klinikum Großhadern, LMU München 4093611
49.Gisela WeihrauchMed. & Chem. Labordiagn., Med Uni Graz40775
50.Susanne SpitzauerMed. & Chem. Labordiagn., Uni Wien und Gruppenpraxis Labors.at Wien4022312






Letzte Änderungen: 20.02.2012


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