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Stütze, Form und noch ein wenig mehr

Zitationsvergleich 1999 bis 2001: Knochen, Knorpel, Bindegewebe
von Ralf Neumann, Laborjournal 11/2004

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Bild der meistzitierten Köpfe (ca. 100 kb)


An Knochen, Knorpel und Bindegewebe arbeiten Forscher aus erstaunlich vielen Disziplinen.

Knochen, Knorpel und Bindegewebe gelten als die Stützstrukturen unseres Körpers. Nun sind Knochen und Knorpel dabei eine relativ klare Sache. Und auch deren Verbindung zum Bindegewebe ist gegeben, gehen doch beide - wie zudem noch etwa Organkapseln oder Fettzellen - aus embryonalem Bindegewebe, dem sogenannten Mesenchym, hervor.

Doch damit ist nur ein kleiner Teil der Aufgaben und Fähigkeiten des Binde- und Stützgewebes beschrieben. Nicht umsonst gilt das Bindegewebe als das "Chamäleon" der Grundgewebearten.

Im allgemeinen setzt sich das Bindegewebe aus Zellen und Interzellularsubstanz zusammen. Erstere nennt man Fibrozyten oder Fibroblasten, je nach Form und Funktion, und synthetisieren vor allem die Moleküle für die "Grundsubstanz". Womit wir bei der Interzellularsubstanz wären: Diese wird auch Matrix genannt und besteht aus eben jener strukturlosen Grundsubstanz, sowie aus drei verschiedenen Typen von Fasern - elastische, retikuläre und Kollagenfasern. Durch Variation dieser Bestandteile entstehen jeweils die verschiedenen Bindegewebsarten.


Wichtige Signalgeber

Zur Matrix gehört auch die sogenannte Basalmembran, welche das Bindegewebe überall von benachbarten Zellen abgrenzt, und letzteren dabei als Verankerung dient. Dies bewerkstelligen in der Regel so bekannte Proteine wie Integrin, oder Laminin - Proteine, von denen man inzwischen weiß, dass sie als extrazelluläre Matrixproteine nicht nur Anker- und Stützfunktion haben, sondern wichtige Signal- und Steueraufgaben bei vielen Zell- und Entwicklungsprozessen spielen.


Martinsrieder Matrixspezialisten

Führt man sich zudem vor Augen, dass auch frei bewegliche Zellen wie Mastzellen, Plasmazellen oder Granulocyten auf einen bindegewebigen Ursprung zurückgehen, ahnt man langsam wie schwierig sich hier ein Zitationsvergleich gestalten muss. Auf diese Weise jedenfalls geschieht es, dass jemand wie Reinhard Fässler (3.), der die Rolle extrazellulärer Matrixproteine während der Entwicklung und bei der Entstehung von Krankheiten erforscht, neben dem Knochenexperten Michael Amling (6.) aus der Hamburger Unfallchirurgie auftaucht.

Grund genug also , die Liste ein wenig auseinander zu sortieren. Unter den ersten Zwanzig der meistzitierten Köpfe platzierten sich sieben Bindegewebsspezialisten, die allesamt nominell als Biochemiker geführt werden. Angeführt werden diese von Rupert Timpl vom MPI für Biochemie in Martinsried, dem langjährigen, im Jahre 2003 verstorbenen "Patron" der deutschen Matrixbiologie, auf Platz 2. Direkt dahinter sein Nachfolger als Direktor am Martinsrieder MPI seit 2001, der bereits erwähnte Reinhard Fässler. Auch die restlichen Bindegewebs- und Matrixspezialisten unter den Top 20 kommen aus Martinsried - bis auf einen: Mats Paulsson aus der Biochemie der Universität Köln auf Platz 13.


Bunte Knochenforschung

Bleiben noch 13 Knochen- und Knorpelforscher unter den ersten Zwanzig. Und da düften womöglich einige sich die Augen reiben über den Erstplatzierten: Erwin F. Wagner vom Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien. Dieser ist zwar allgemein vor allem als Entwicklungsbiologe und molekularer Tumorforscher bekannt. Allerdings veröffentlichte er mit seinem Team gerade im Bewertungszeitraum 1999 bis 2001 mehrere Artikel zur Steuerung der Knochenzell-Differenzierung. Und auch im jüngsten Forschungsbericht des IMP führt Wagner dieses Thema weiterhin explizit als Forschungsprojekt auf. Dennoch muss man seinen Spitzenplatz relativieren, da er die Mehrzahl seiner Zitate doch mit anderen Themen wie etwa Steuerung von Zellproliferation und Apoptose erzielte.

Wagner ist damit kein Einzellfall. Ähnliches gilt für Peter Angel, den Leiter der Abteilung "Signaltransduktion und Wachstumskontrolle" am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, der des öfteren mit Wagner kooperiert. So hatte auch er im Analysezeitraum einige Paper zur Kontrolle der Knochenzelldifferenzierung oder der Kollagenbildung. Auch er sammelte jedoch viele seiner Zitierungen mit anderen Themen.

Auch der Rest der Knochen- und Knorpelforscher unter den ersten Zwanzig bietet ein buntes Bild, welche Disziplinen sich mit diesen Strukturen beschäftigen. Natürlich ist dieses Feld vor allem die Domäne von Orthopäden. Unter die ersten Zwanzig schafften es allerdings nur zwei nominelle Vertreter dieser Zunft: der Züricher Christian Gerber auf Platz 18 und der Hamburger Christoph Lohmann auf Platz 20. Weiter vorne konnten sich dagegen mit dem Kieler Claus-Christian Glüer (4.) sowie dem Berliner Dieter Felsenberg (8.) Knochenexperten aus der Radiologie platzieren. Beide repräsentieren zugleich ein weiteres Top-Thema der Knochenforschung: Osteoporose. Diese wiederum ist bisweilen auch ein Thema für die Endokrinologie - wie etwa Helmut Minne und Reinhard Ziegler auf den Plätzen 16 und 17 dokumentieren.

Bleiben noch der Humangenetiker Bernhard Zabel von der Mainzer Kinderklinik (10.), der Münchner Anatom Felix Eckstein (11.) - sowie drei Hamburger Unfallchirurgen, angeführt von dem bereits erwähnten Michael Amling (6.). Und hinter Platz 20 finden sich noch Biomedizin-Techniker, Biomechaniker, Histologen, Physiologen und Pathologen.

Eine Disziplin, die sich aus ihrer Perspektive bisweilen sehr eingehend mit Knochen und Knorpel beschäftigt, haben wir indes aus diesem Vergleich heraus gelassen: Die Rheumatologie. Deren Vertreter hatten "ihren" Zitationsvergleich bereits in LJ 05/2003 (S. 44).



Wie die Tabellen entstanden

Berücksichtigt wurden Papers mit Erscheinungsjahr zwischen 1999 und 2001 sowie mindestens einem Autor mit Adresse im deutschen Sprachraum. Die Zahlen für Zitate und Artikel lieferte die Datenbank "Web of Science" des Thomson-Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia. Stichtag war der 21. Oktober 2004. Die "Köpfe" publizierten während des Bewertungszeitraums überwiegend in Journals mit Schwerpunkt in der Knochen-, Knorpel- oder Bindegewebsforschung, oder sie arbeiteten vorrangig an eindeutigen Projekten zu diesen Themen. Reviews zählten für die "Köpfe"-Wertung nicht.

Wichtig: Fehler, die bereits in den Datenbanken stecken, können wir nur selten erkennen.




Die meistzitierten Artikel

Rang Autoren Paper Zitierungen
1.Ettinger B, ..., Glüer CC, ..., Cummings SR (Group Multiple Outcomes Raloxifene Evaluation)Reduction of vertebral fracture risk in postmenopausal women with osteoporosis treated with raloxifene - Results from a 3-year randomized clinical trial JAMA-J. AM. MED. ASSOC. 282 (7): 637-645 AUG 18 1999 686
2.Schilling AF, Beil FT, Shen JH, Vinson C, Rueger JM, Karsenty G Leptin inhibits bone formation through a hypothalamic relay: A central control of bone mass. CELL 100 (2): 197-207 JAN 21 2000 264
3.Eastell R (Group Vertebral Efficacy Risedronate)Randomized trial of the effects of risedronate on vertebral fractures in women with established postmenopausal osteoporosis. OSTEOPOROSIS INTERNATIONAL 11 (1): 83-91 2000256
4.McClung MR, ..., Zippel H, ..., Chestnut CH (Group Hip Intervention Program Study Grp)Effect of risedronate on the risk of hip fracture in elderly women. NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE 344 (5): 333-340 FEB 1 2001245
5.Orwoll E, ..., Pietschmann P, ..., Felsenberg D, ...Valeriano J Alendronate for the treatment of osteoporosis in men. NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE 343 (9): 604-610 AUG 31 2000 174
6. Ducy P, ..., Priemel M, ..., Amling M, Karsenty GA Cbfa1-dependent genetic pathway controls bone formation beyond embryonic development. GENES & DEVELOPMENT 13 (8): 1025-1036 APR 15 1999161
7.Meier CR, Schlienger RG, Kraenzlin ME, Schlegel B, Jick HHMG-CoA reductase inhibitors and the risk of fractures JAMA-J. AM. MED. ASSOC. 283 (24): 3205-3210 JUN 28 2000153
8.Gong YQ, ..., Zabel B, ..., Warman ML (Group Osteoporosis Pseudoglioma Syndrome)LDL receptor-related protein 5 (LRP5) affects bone accrual and eye development. CELL 107 (4): 513-523 NOV 16 2001143
9.Pols HAP, Felsenberg D, ..., Stych B (Group Fosamax Int Trial Study Grp)Multinational, placebo-controlled, randomized trial of the effects of alendronate on bone density and fracture risk in postmenopausal women with low bone mass: Results of the FOSIT study. OSTEOPOROSIS INT. 9 (5): 461-468 1999136
10.Talts JF, Andac Z, Göhring W, Brancaccio A, Timpl RBinding of the G domains of laminin alpha 1 and alpha 2 chains and perlecan to heparin, sulfatides, alpha-dystroglycan and several extracellular matrix proteins. EMBO JOURNAL 18 (4): 863-870 FEB 15 1999132



Die meistzitierten Reviews

Rang Autoren Paper Zitierungen
1.Kanis JA, Glüer CCAn update on the diagnosis and assessment of osteoporosis with densitometry. OSTEOPOROSIS INTERNATIONAL 11 (3): 192-202 2000137
2.Chiquet MRegulation of extracellular matrix gene expression by mechanical stress. MATRIX BIOLOGY 18 (5): 417-426 OCT 1999 78





Die meistzitierten Köpfe

Rang Name Ort Zitierungen Artikel
1Erwin F. Wagner Inst. f. Mol. Pathol. (IMP) Wien197334
2Rupert Timpl MPI Biochem. Martinsried (_ 2003)168946
3Reinhard Fässler MPI Biochem. Martinsried157548
4Claus-Christian Glüer Diagn. Radiol. AG Med. Physik Uni Kiel94611
5Takako Sasaki MPI f. Biochem. Martinsried87221
6Michael Amling Exp. Unfallchirurgie Uni Hamburg86214
7Peter Angel DKFZ Heidelberg80219
8Dieter Felsenberg Zentr. f. Muskel- u. Knochenforsch. FU Berlin72524
9Matthias H. Priemel Unfallchirurgie Uni Hamburg64911
10Bernhard Zabel Kinderklinik Uni Mainz64723
11Felix Eckstein Anat. Anstalt Uni München53240
12Attila Aszodi MPI f. Biochem. Martinsried (bis 2001 Lund)51315
13Mats Paulsson Biochem. Uni Köln49723
14Cord Brakebusch MPI f. Biochem. Martinsried49114
15Johannes Maria Rueger Unfallchirurgie Uni Hamburg4317
16Helmut W. Minne Klin. Osteol. Klinikum Bad Pyrmont4138
17Reinhard Ziegler Med. Klinik Uni Heidelberg41037
18Christian Gerber Orthopäd. Uniklinik Balgrist/Zürich39826
19Jan F. Talts MPI f. Biochem. Martinsried (seit 2001 Lund)3748
20Christoph Lohmann Orthopäd. Klinik Uni Hamburg (b. 02 Gött.)37324
21Peter Ruegsegger Biomed. Technik Uni und ETH Zürich (bis 2001)36218
22Peter Fratzl MPI f. Kolloid- & Grenzflächenforsch. Potsdam35028
23Markus J. Seibel Med. Klinik Uni Heidelberg (seit 01 Melbourne)34526
24Fabio Quondamatteo Histol. Uni Göttingen32316
25Walter Göhring MPI f. Biochemie Martinsried3129
26Rainer Herken Histol. Uni Göttingen30817
27Andres Laib Biomed. Technik Uni und ETH Zürich30613
28Arndt F. Schilling Exp. Unfallchirurgie Uni Hamburg3034
29Winfried Winkelmann Orthopäd. Klinik Uni Münster30032
30Hartmut Zippel Orthopäd. Klinik Charité HU Berlin2966
Ernst B. Hunziker ME Müller-Inst. f. Biomech. Uni Bern29615
32Günter Delling Osteopathol. Uni Hamburg28427
33Bernd Swoboda Orthopäd. Rheumatol. Uni Erlangen27623
34Stefan Mundlos MPI f. mol. Genet. Berlin2728
35Christian Wüster Endokrinol. Praxis Mainz (bis 2001 Heidelberg)26812
36Peter Pietschmann Pathophysiol. Uni Wien26713
37F. Timo Beil Exp. Unfallchirurgie Uni Hamburg2641
38Thomas Aigner Pathol. Uni Erlangen26220
39Nicolai Miosge Histol. Uni Göttingen23714
40Koichi Matsuo Inst. f. Mol. Pharmakol. (IMP) Wien (seit 03 Kejo/J)2286
41Kurt Weber Endokrinol. Med. Klinik Uni Graz2225
Ralph Müller Biomed. Technik Uni und ETH Zürich2155
43Reinhold Ganz Orthopäd. Inselspital Uni Bern21530
44Hanns Plenk Histol. & Embryol. Uni Wien20721
45Norbert P. Haas Unfallchirurgie Charité HU Berlin20626
46Rainer Kotz Orthopäd. Klinik Uni Wien18725
47Zeynep Andac MPI f. Biochemie Martinsried (s. 02 Kopenhagen)1842
Florian Otto Med. Klinik Uni Freiburg1843
Marius Kraenzlin Endokrinol. Kantonsspital Uni Basel1845
50Dieter Kohn Orthopäd. Klinik Uni Homburg16132






Letzte Änderungen: 04.02.2005


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