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Der kreative Nonkonformist

Winfried Köppelle


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Rätsel

(03.12.2015) Obwohl er eine gänzlich neue systematische Klasse entdeckte, verweigert ihm das wissenschaftliche Establishment bis heute jegliche Anerkennung.

Ob die folgende, geradezu unglaubliche Geschichte und deren Hauptfigur real sind oder fiktiv, möge jeder Leser selbst entscheiden. Es finden sich eine Menge Anekdoten über diesen japanischen Forscher und seine kuriose wissenschaftliche Domäne im Netz; ja, selbst ein Wikipedia-Eintrag über den Gesuchten existiert. Doch was heißt das schon; ein solcher existiert auch über die Steinlaus und die Rhinogradentia.

Unterstellen wir mal, es habe ihn wirklich gegeben, diesen japanischen Geologen und Paläontologen, der sich anfangs auf die Fossilien von Wirbellosen und Algen spezialisiert hatte. Ende der 1970er Jahre jedoch entdeckte er, so die Legende, ein geradezu unglaubliches Relikt: die Überreste eines bis dato unbekannten Exemplars aus der Familie der Anatidae, Ordnung Anseriformes, sprich: eine versteinerte Ente. Quak.

Problem Nummer eins: unser Mann war nicht gerade ein Wirbeltier-Experte. Doch wer mag leugnen, dass schon so manche sensationelle Entdeckung der Wissenschaftsgeschichte von Fachfremden gemacht wurde? Man erinnere sich etwa an den Meteorologen Alfred Wegener und seine Theorie der Kontinentalverschiebung, die professionelle Geologen zu Wegeners Lebzeiten nahezu einhellig als „Phantasiegebilde“ und „Fiebertraum“ diffamierten.

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Problem Nummer zwei: das mutmaßliche Entenfossil war, unter Berücksichtigung der umgebenden Gesteinsschichten, stattliche 430 Millionen Jahre alt. Bislang jedoch datieren die ältesten, zweifelsfrei überlieferten Fossilfunde von Gänsevögeln aus dem unteren Eozän, sind also kaum 50 Millionen Jahre alt.

Das Fossil einer uralten Winzlings-Ente

Problem Nummer drei: Der Fund des Gesuchten maß vom Schnabel bis zur imaginären Schwanzspitze lediglich wenige Millimeter. Die kleinste bekannte rezente Entenart, die asiatische Coromandel-Zwergente, erreicht mit knapp 30 Zentimetern die etwa sechzigfache Körperlänge.

Kurzum: Unser Mann hatte die fossilen Überreste einer Miniatur-Ente entdeckt, die im Silur lebte und damit in einer erdgeschichtlichen Epoche, in der nach geltender Lehrmeinung höchstens primitive kiefertragende Wirbeltiere (Gnathostomata) lebten und in der es noch jahrmillionenlang keine Dinosaurier und erst recht keine Vögel gab.

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Elektrisiert suchte er weiter und fand prompt weitere Anachronismen: winzige Kamele, Eisbären, Hunde, Gorillas – ein wahrer fossilierter Miniaturzoo tat sich vor unserem Forscher auf. Er entdeckte zudem längst ausgestorbene Spezies, etwa die Überreste eines Mini-Brontosaurus und eines Mini-Pterodactylus, sowie Arten, die bis dahin unbekannt oder fiktiv waren: eine Mini-Giftschlange, „die in keinem Buch abgebildet ist“, sowie eine ganz neue Gruppe: die der Drachen („Draconae“).

Nein, auf Vergleichbares war bis dahin kein anderer Wissenschaftler gestoßen. Und noch während er diese offenbar gänzlich ausgestorbene Miniaturfauna klassifizierte, charakterisierte und mit Artnamen versah, stieß er auch schon auf die Krönung seiner Karriere: den heute ausgestorbenen Minimenschen – mit nur 0,3 Prozent der Körpergröße moderner Homo sapiens-Individuen nur ein Zwerg, doch vom äußeren Habitus diesen nicht unähnlich. Selbst Werkzeuge, teils aus Metall, sollen die Winzlinge aus dem Silur einst benutzt haben! Unser Mann fand spektakuläre Hinweise auf eine vor 430 Millionen Jahren bestehende, anthropogene Gesellschaft: einfache Behausungen, kunstvolle Skulpturen, einen polytheistischen Religionskult, und das Wissen um die Porzellanherstellung. Das Ende der Minimenschen-Epoche war wohl besiegelt, als zuviele von ihnen in den Mägen der gefräßigen Minidrachen landeten. Wie heißt der inzwischen spurlos verschollene Japaner, der seine aufsehenerregenden Funde erstmals 1980 publizierte?




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Der gesuchte, kreative Nonkonformist ist der japanische Paläontologe Chonosuke Okamura (Geburts- bzw. Sterbedatum unbekannt). Okamura entdeckte Ende der 1970er Jahre in Silur-Gestein eine 430 Millionen Jahre alte, fossilierte Mini-Ente; eine zielgerichtete mikroskopische Suche förderte daraufhin jede Menge weiterer Miniaturwesen zutage: Minigorillas, Minibrontosaurier, ja sogar Minimenschen („Homo sapiens minilorientales“) – teils als Beute im Verdauungstrakt von Minidrachen befindlich. Der Habitus all dieser Funde ähnelt den rezenten Riesen-Spezies des Holozäns in verblüffender Weise; die „Far Eastern Minicreatures“ müssen somit als die ältesten Vorfahren der Wirbeltiere angesehen werden. 1996 verlieh man dem originellen Forscher aus Nagoya für seine aufsehenerregenden Leistungen den Ig Nobelpreis für Biodiversität.





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