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Gekaufte Biologie
Produktübersicht: Molekularbiologische Dienstleistungen

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Illustration: EMBO

Immer mehr akademische Labore lagern Teile ihrer molekularbiologischen Arbeiten an externe Dienstleister aus. Die bieten längst nicht mehr nur Sequenzierungen und Oligo-Synthesen an.

Was in Pharmaindustrie und klinischer Diagnostik schon seit langem üblich ist, boomt zunehmend auch in akademischen Forschungslaboren: Das Auslagern der Laborarbeit an Dienstleister, die lästige Laborroutinen ab-nehmen – oder auch knifflige Probleme lösen, die Spezialwissen und/oder teure Geräte erfordern.

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In biowissenschaftlichen Laboren fällt der Löwenanteil dieser Arbeiten naturgemäß an Dienstleister, die praktisch das komplette molekularbiologische Methodenspektrum als Serviceleistung anbieten. Von Plasmidkonstruktionen, Klonierungen, Expressionsanalysen, Sequenzierungen, Genotypisierungen bis zu Gensynthesen, Genome Editing und Bioinformatik – beinahe jede Laborarbeit lässt sich an einen Dienstleister auslagern oder auf Neudeutsch outsourcen.

Spötter sprechen deshalb bereits von der Verwandlung der Biologie in eine Buy-ologie. Im Grunde ist es schon heute möglich, eine experimentelle molekularbiologische Doktorarbeit anzufertigen, ohne ein einziges Mal eine Pipette in die Hand zu nehmen: Die Studienobjekte besorgt sich der Doktorand bei einer Organismen- oder Zellkultursammlung, die in vielen Fällen auch gleich noch die Kultur der Zellen übernimmt sowie lästige Routinen wie Nukleinsäure- oder Protein-Extraktionen erledigt.

Die restlichen Experimente muss er dann nur noch an entsprechende Contract Research Organisationen (CROs) delegieren, die ihm die Arbeit an der Bench abnehmen. Oder er lädt die Daten für die Versuchsprotokolle gleich auf die Server eines Cloud-Labors, die sie an entsprechende Labor-Roboter weiterleiten. Die Auswertung, etwa von Sequenzier-Daten, übergibt er dann an die Sequenzanalyse-Abteilung eines Bioinformatik-Dienstleisters, und für das Schreiben des Papers engagiert er einen wissenschaftlichen Schreibservice.

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Noch ein Wunschtraum

Für viele Doktoranden, die sich nur allzu gerne von der drögen Handarbeit im Labor verabschieden würden, dürfte dieses Szenario aber noch ein Wunschtraum sein. Die wenigsten Gruppenleiter sind so spendabel und finanzieren ihren Doktoranden das komplette Auslagern der Bench-Arbeit. Wobei die Organisation einer virtuellen Doktorarbeit, bei der sämtliche Experimente von externen (Cloud)-Labors ausgeführt werden, ein reizvolles Dissertations-Thema wäre. Schließlich ist die Befreiung von lästigen und zeitfressenden Routinearbeiten eines der Hauptargumente dafür, CROs auch in der akademischen Forschung verstärkt einzusetzen. Der eigentliche Sinn der Forschungsarbeit besteht ja nicht aus der meditativen Versenkung in Pipettier-Routinen, sondern im Ausdenken intelligenter Experimente.

Statt seine Zeit mit der Etablierung von Methoden zu vergeuden, die am Ende doch nur mehr schlecht als recht funktionieren, ist es in vielen Fällen zielführender, die Arbeit einem Dienstleistungs-Labor mit entsprechender Erfahrung zu überlassen. Zumal dies unter dem Strich oft sogar die günstigere Variante ist. Auch Postdocs und Doktoranden arbeiten in der Regel nicht für lau. Jeder Tag, den sie damit verplempern, eine Methode zum Laufen zu bringen, kostet bares Geld, das in das Ausdenken intelligenter Versuche sinnvoller investiert wäre.

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So lauten zumindest die Argumente der Outsourcing-Befürworter. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die in der immer stärker

um sich greifenden Entwicklung zum Auslagern der Laborarbeit eine Gefahr für die akademische Forschungskultur sehen. Wie sollen Nachwuchswissenschaftler zum Beispiel Lösungsstrategien für das Troubleshooting und Optimieren von Versuchen und Protokollen lernen, wenn sie immer weniger Experimente selbst durchführen? Die Fehlersuche in einem nichtfunktionierenden Routineprotokoll erfordert mitunter genauso viel Grips, Kreativität und Beharrlichkeit wie das Austüfteln eines cleveren Experiments. Und woher sollen die nötige praktische Erfahrung und die vielen kleinen Tricks und Kniffe kommen, die im Labor oft darüber entscheiden, ob ein Versuch funktioniert oder nicht? Arbeitsgruppen, die Laborarbeiten im großen Stil auslagern, gewinnen hierdurch zwar Zeit, sie verlieren aber auch viel experimentelles Know-how – und am Ende bleibt dann tatsächlich oft nur noch der Weg zum molekularbiologischen Dienstleister.

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Sitzen Biologie-Doktoranden bald nur noch vor ihren Computern und steuern ihre Experimente via Mausclick in Cloud-Laboren? Foto: Waseda University

Voll im Trend

Trotz dieser Bedenken liegen CROs voll im Trend. Das sieht man nicht zuletzt auch an der ziemlich langen Firmenliste auf den nächsten Seiten. Offensichtlich versuchen viele Unternehmen noch auf den Zug aufzuspringen, um sich ein Stück aus dem Milliarden-Geschäft mit molekularbiologischen und anderen Labordienstleistungen zu sichern. Eine nahezu komplette Auflistung mit mehr als hundert in Deutschland operierenden CROs finden Sie in der Broschüre Guide to Contract Research in Germany, die auf der Webseite der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zum Download bereitsteht.

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(Erstveröffentlichung: H. Zähringer, Laborjournal 06/2018, Stand: Mai 2018, alle Angaben ohne Gewähr)




Letzte Änderungen: 05.06.2018


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