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Wissenschaftler als Videostars

Videopublikationen

Björn Brembs


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Videopublikation

Videodreh statt Paper schreiben. In Video-Journalen wie JoVE erscheint der Methoden-Teil als Video.

Jeder kennt Video-Plattformen wie YouTube oder Facebook. Aber die wenigsten Wissenschaftler wissen, dass sie in Video-Journalen veröffentlichen können.

"Was haben die denn da gemacht?" Jeder kennt (und hasst) das mühsame Lesen von schlecht geschriebenen Material & Methoden-Abschnitten. Besonders ärgerlich ist es, wenn man die Publikation früh am Morgen im Literaturseminar vorstellen soll und am Abend vorher immer noch nicht verstanden hat, was genau die Leute eigentlich gemacht haben. Wie schön wäre es, wenn man die Autoren herzaubern könnte damit sie einem ihr Wirrenglisch erklären. Ob Sie es glauben oder nicht: Man kann die Autoren tatsächlich herzaubern, zumindest dann, wenn die Ergebnisse in JoVE publiziert wurden. JoVE steht für Journal of Visualized Experiments: Ein begutachtetes Fachjournal, das sich nach Jahrhunderten Druck-Publikation anschickt, die größte Life Science Video-Bibliothek der Welt aufzubauen. Die Ursprünge von JoVE gehen auf das Harvard Stem Cell Institute (HSCI) in Boston zurück.

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In dem gut zwei Jahre alten Online-Journal publizieren Wissenschaftler ihre Methoden als Video zusammen mit einem schriftlichen Protokoll. Die Durchführung wird verbildlicht und der Leser hat alle Details auch schriftlich. JoVE ist ohne Abonnement zugänglich, erlaubt Kommentare und Diskussionen zu den einzelnen Beiträgen und verbessert sowohl Transparenz als auch Reproduzierbarkeit biomedizinischer Methoden. JoVE ist als einzige solche Publikationsform in PubMed gelistet (als J. Vis. Exp.). JoVE hat bislang über 270 Video-Protokolle publiziert, die im Durchschnitt von ca. 3.000 Nutzern pro Tag etwa 300.000 Mal im Monat aufgerufen werden - Tendenz steigend. Unter den deutschen Autoren finden sich Namen wie Wolf Singer, Joachim Hauber, Frank Buchholz und Rudolf Jänisch.

Wie publiziert man in JoVE? Promovierte Angestellte von JoVE erstellen mit den von den Wissenschaftlern gelieferten, schriftlichen Protokollen ein Drehbuch für ein professionelles Kamerateam. Das nimmt dann vor Ort das Experiment auf. Um einen einheitlich hohen Standard zu gewährleisten wird das Filmmaterial anschließend in Boston gesammelt und die endgültige Videopublikation produziert. Diese Qualität gibt es nicht umsonst. Für ein Video fallen Kosten etwa in der Höhe einer üblichen, hochrangigen Open Access Publikation an. Nicht alle Autoren können diese Kosten aufbringen. Daher bemüht sich JoVE industrielle Partner und Verlagshäuser als Kooperationspartner zu gewinnen. Mit ihrer Hilfe will man die Preise niedrig und flexibel gestalten.
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Oft verbrät ein Doktorand sein erstes Jahr dafür, publizierte Methoden zu reproduzieren. Video-Instruktionen verkürzen diese Anlaufzeit. Dies auch deswegen, weil man Fragen, die sich aus Video und Protokoll ergeben, direkt am Video stellen und über das JoVE Commenting System vom Autor beantworten lassen kann. Das Schreiben der Methoden-Teile in den Publikationen wird durch Zitieren der Video-Publikation vereinfacht und vervielfältigt den Effekt der Publikation. Wenn die Gefahr besteht, dass mit einem Wissenschaftler wertvolle Expertise das Labor verläßt, kann eine Video-Publikation, die jeden Schritt aufzeigt, den Erfahrungs-Verlust verhindern. Auch der Autor profitiert: je verständlicher seine Methode ist, desto häufiger wird sie angewendet und umso öfter wird der Autor zitiert. Die Kommunikation direkt an der Publikation spart dem Autor zudem Zeit bei der Beantwortung von Anfragen. Durch Video Publikationen gewinnen also Leser wie Autoren. Neben diesen nüchternen Erwägungen gibt es auch sentimentale Gründe, ein Video zu drehen: wer sieht die eigene, selbst entwickelte Methode, sein Baby, nicht gerne in einem Video verewigt?


Labortricks als Videos

Ähnliche Gefühle veranlassen wohl die Autoren der Laborjournal "Ich kenne da einen Trick"-Kolumne, ihre Tipps und Tricks an die Redaktion zu schicken. JoVE hat begonnen, zunächst in einem Pilotversuch, mit einigen Autoren dieser Kolumne Videos zu drehen und die besten Tricks zu veröffentlichen. Sollte dies erfolgreich sein, könnte daraus eine laufende Serie von Laborjournal-Video-Tricks entstehen. In weiteren Pilotprojekten will JoVE Protokolle, die Grundfertigkeiten im Labor vermitteln, oder ein Repositorium von Praktikums-Versuchen ins Netz stellen. Hochschullehrer können dieses Angebot für ihre Vorlesungen nützen.

Bislang entstanden die meisten Beiträge bei JoVE auf Einladung. Inzwischen werden auch von Autoren unaufgefordert eingereichte Protokolle berücksichtigt. Für Veröffentlichungen in JoVE gibt es Richtlinien für Autoren. Selbstverständlich veröffentlicht JoVE neuartige, bahnbrechende Methoden. Jedoch müssen nicht alle eingereichten Methoden neu und jungfräulich sein. Ein wesentliches Kriterium für die Publikation ist der Vorteil den eine Methode durch Video-Dokumentation erhält. Komplizierte Präparationen, die es seit Jahren gibt, die aber so anspruchsvoll sind, dass nur wenige auf der Welt sie beherrschen, sind eher für JoVE geeignet als neuartige Methoden, die nur aus Pippetiervorgängen bestehen, aber die Mehrzahl der biomedizinisch forschenden Labors interessieren. Auch Methoden, die bereits in vielen Labors etabliert wurden, können bei JoVE publiziert werden, denn dies trägt zur Standardisierung der Methode bei. Ein Beispiel sind Verhaltensexperimente, bei denen schon kleinste Variationen in der Durchführung zu großen Schwankungen in den Resultaten führen. Wenn also eine Methode von der Video-Dokumentation profitiert und es noch kein Video-Material zu dieser Methode gibt, ist JoVE das richtige Publikationsorgan.

Methoden-Drehbuch

Der Prozess des Einreichens verläuft ähnlich wie bei Druckzeitschriften. Zunächst registriert man sich auf der JoVE-Website (http://jove.com). Dort erhält man einen Vordruck mit Anweisungen, wie das schriftliche Protokoll erstellt werden soll. Es dient zwei Zwecken. Zum einen wird es zusammen mit dem Video veröffentlicht und kann Details enthalten, die im Video nicht angesprochen werden. Zum anderen dient es als Vorlage für das Drehbuch. Dazu später mehr. Im Prinzip wird das Protokoll wie der Material und Methoden-Teil eines experimentellen Manuskripts geschrieben. Es werden jedoch zwei Abstracts verlangt: Ein kurzes als Bildunterschrift unter der Videovorschau und ein längeres für die schriftliche Version. Das Protokoll enthält auch eine kurze Diskussion mit entsprechenden Referenzen am Ende. Nachdem der oder die Autoren das Protokoll eingereicht haben, findet ein erster Begutachtungsprozess statt (Editorial Review): JoVE-Angestellte erstellen ein Drehbuch. Hier bekommen die Autoren auch die erste direkte Rückmeldung von den Editoren, sie besprechen mit ihnen den Inhalt des Videos.

Sind alle Fragen geklärt und die erste Peer-Review Runde überstanden, geht das Protokoll in die Produktion. Das Drehbuch wird den Autoren zur Kontrolle vorgelegt und erste Drehtermine vorgeschlagen. Die Autoren sollten das Drehbuch gründlich studieren, um Fehler zu finden oder wichtige Aspekte hervor zu heben. Der Vorgang ist flexibel und richtet sich nach den Autoren und ihrem Protokoll. Diese ständige Wechselwirkung zwischen den Autoren und JoVE macht den Publikationsvorgang transparenter und persönlicher als bei traditionellen Journalen. Ist das Drehbuch fertig, wird ein Drehtermin festgelegt. Das Kamerateam kommt in das Labor der Autoren und filmt das Experiment. JoVE Filmteams decken zurzeit die USA, Europa und Japan ab. Vorteile des professionellen Drehs liegen in der Qualität und darin, dass das Video nicht aus der Sicht der Autoren gedreht wird, sondern aus der Sicht der Zielgruppe. Ist alles im Kasten, wird das Video nachbearbeitet, geschnitten, vertont und schließlich mit Kapiteln, Titeln und Graphiken versehen. Normalerweise sprechen die Autoren nur zu Beginn und Ende des Beitrags, die Arbeiten selber werden von professionellen JoVE Sprechern vertont.

Nach Abschluss der Nachbearbeitung findet eine letzte Prüfung durch die Autoren statt. Danach wird die Arbeit einem traditionellen akademischen Peer Review mit mindestens zwei Gutachtern zugeführt. Schlagen die Gutachter Änderungen vor, werden diese in Text und Video berücksichtigt. Sagen die Gutachter dann OK, wird die Arbeit publiziert. Gegenwärtig durchlaufen zu jedem Zeitpunkt rund 60 Arbeiten gleichzeitig diesen Prozess. Eine Besonderheit von JoVE ist, dass sämtliche Arbeiten die Versuchstiere zeigen, einem weiteren - restriktiven - Begutachtungsverfahren durch Veterinärmediziner zugeführt werden. Die-se zusätzliche Begutachtung garantiert, dass alle publizierten Arbeiten höchsten Standards im Umgang mit Versuchstieren folgen und als Referenz heran-gezogen werden können. Bei strittigen Fragen zum Einsatz von Versuchstieren kann die video-basierte Wissensvermittlung Klarheit schaffen und helfen, die Zahl der verwendeten Tiere zu reduzieren. Der Publikationsvorgang ist - von Einreichen bis Veröffentlichung - frühestens in acht bis zehn Wochen abgeschlossen. Er bringt den Autoren eine vollwertige, begutachtete, PubMed gelistete Publikation ein.

Nach der erfolgreichen Umsetzung in der biologischen Forschung beginnt mit der Kategorie "Medicine" und dem Start von "JoVE Neurosurgery" als erstem klinischen Journal die inhaltliche Erschließung von "bench" zur "bedside". Der leichte Zugang zur Videokommunikation soll den Austausch und das Verständnis zwischen "bench" und "bedside" Forschern erleichtern. Für JoVE bedeutet das: Weg vom Einzeljournal und hin zu einer Marke die synonym ist mit "Video-Kommunikation in der biomedizinischen Forschung."








Letzte Änderungen: 06.03.2009


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