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Knackfrisch – das muss ein Leibniz sein!

Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz
Ralf Schreck, Laborjournal 05/2019


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Der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz ist nicht nur Namenspate der bekannten Keksmarke, sondern auch der gleichnamigen Wissenschaftsgemeinschaft. Diese gehört heute mit 93 Einrichtungen und über 19.000 Beschäftigten neben der Helmholtz-Gemeinschaft sowie Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft zu den größten deutschen außeruniversitären Forschungsorganisationen. Mit Mitteln aus dem Pakt für Forschung und Innovation von Bund und Ländern fördert die Leibniz-Zentrale seit kurzem in ihrem Programm „Leibniz – Beste Köpfe“ sowohl Nachwuchsgruppen als auch Professuren für Frauen mit Tenure-Track-Option.

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Blaue Liste

Die ursprüngliche Bezeichnung „Blaue Liste“ beziehungsweise „Blaue-Liste-Institute“ geht auf das Jahr 1977 zurück. Ein Abkommen, das die gemeinsame Finanzierung von 46 Forschungseinrichtungen von überregio­naler Bedeutung durch Bund und Länder regelte, war damals tatsächlich auf blauem Papier gedruckt. Nach der Wiedervereinigung wurden zahlreiche Einrichtungen aus den neuen Bundesländern in die bundesrepublikanische Forschungslandschaft mit eingegliedert, wodurch sich die Zahl der Blaue-Liste-Institute nahezu verdoppelte. 1991 schlossen sich zunächst 32 Einrichtungen zur „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“ zusammen, die nachfolgend in der „Wissenschaftsgemeinschaft Blaue Liste“ aufging und 1997 in „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz“ (WGL) umbenannt wurde.

Als Verein fördert die Leibniz-Gemeinschaft mit Geschäftsstelle in Berlin heute Wissenschaft und Forschung an ihren Mitglieds­einrichtungen – unter Wahrung von deren wissenschaftlicher, rechtlicher und wirtschaftlicher Selbstständigkeit. An deren Spitze steht seit 2014 der Maschinenbauer und langjährige DFG-Präsident Matthias Kleinert. Das Gesamtbudget von Leibniz beträgt rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Davon stammt mehr als die Hälfte aus der Grundfinanzierung von Bund und Ländern sowie ein Viertel aus eingeworbenen Drittmitteln.

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Bunte Mischung

Aufgrund der Historie der WGL verwundert es nicht, dass sie Einrichtungen unterschiedlichster inhaltlicher Ausrichtung umfasst. Grob eingruppiert sind sie in fünf Sektionen – darunter die Sektion C für Lebenswissenschaften, Sektion D für Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Sektion E für Umweltwissenschaften. Von den heute knapp hundert Leibniz-Einrichtungen seien hier beispielhaft das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und das Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie, beide in Hamburg, das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf, die Deutsche Primatenzentrum GmbH in Göttingen oder das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut in Jena genannt. Daneben gehören Forschungsmuseen wie das Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt dazu. Oder auch das TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften.

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Leibniz-Schriftzug auf Glas Foto: WGL /Peter Himpsel

Ähnlich heterogen wie die an den jeweiligen Einrichtungen verfolgten Themen gestalten sich auch deren Größe und Budget. Die kleinste Einrichtung umfasst gerade mal dreißig, die größte rund achthundert Beschäftigte. Der jährliche Budgetrahmen pro Einrichtung reicht dabei von drei bis knapp neunzig Millionen Euro.

Zusammenarbeit forciert

In den letzten Jahren wurde die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Leibniz-Einrichtungen sowie deren externe Anbindung stark forciert. So dienen Leibniz-Forschungsverbünde der überregionalen thematischen Schwerpunktbildung in der Leibniz-Gemeinschaft. Neben dem Anspruch auf hohe wissenschaftliche Qualität haben sie sich dabei auch gesellschaftliche Wirksamkeit auf die Fahnen geschrieben. So gibt es beispielsweise die Leibniz-Verbünde „Gesundes Altern“, „Biodiversität“ oder „INFECTIONS’21“.

Die sogenannten Leibniz-Netzwerke, mit Fokus auf einer Schlüsseltechnologie oder einem übergeordneten Thema, bilden hingegen Kommunikationsplattformen für den inhaltlichen oder methodischen Austausch unter den Instituten. Beispiele hierfür sind das Leibniz-Netzwerk „Immunvermittelte Erkrankungen“ oder der Leibniz-Research-Cluster zur Wirkstoffentwicklung.

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Im Mittelpunkt der Leibniz-Wissenschafts­Campi stehen wiederum externe Kooperationen mit der jeweiligen Region, in der die Leibniz-Institute angesiedelt sind. Sie dienen der Vernetzung mit Hochschulen und weiteren Forschungseinrichtungen oder Unternehmen der lokalen Wirtschaft. So gibt es zum Beispiel den Campus „Chronische Entzündung“ in Berlin als Kooperation zwischen dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum mit der Charité-Universitätsmedizin und dem Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.

Prima Klima – aber noch Luft nach oben

Als Interessenvertretung der Promovierenden an allen Leibniz-Einrichtungen fungiert das Leibniz PhD Network. Erst kürzlich stellten dessen Vertreter die Ergebnisse einer Umfrage vor, die das PhD Network in Eigenregie durchgeführt hatte. Mehr als 1.000 der 3.800 durch Leibniz-Wissenschaftler betreuten Promovierenden hatten sich an der Studie beteiligt. Dabei zeigten sich rund zwei Drittel mit der Betreuung ihrer Promotion zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Jedoch nahm diese Zufriedenheit bei vielen Befragten im Laufe der Promotion ab. Verbesserungsbedarf wurde insbesondere hinsichtlich des Mentorings sowie der Unterstützung bei Forschungsanträgen signalisiert.

Da Promotionen bei Leibniz durchschnittlich 3,8 Jahre dauern, Arbeitsverträge in der Regel aber nur für zunächst 3 Jahre ausgestellt werden, war die „Endfinanzierung“ von Promotionen ebenfalls ein Thema. Heterogen auch die Bezahlung bei gleicher Arbeitszeit: Neben Stipendien wurde ein Drittel der Promovierenden mit einer halben Stelle (50 % TV-ÖD), ein weiteres Drittel zwischen 51 und 65 % TV-ÖD und ein Zehntel mit 76 bis 100 % TV-ÖD entlohnt.

Rund ein Drittel aller Promovierenden bei Leibniz kommen aus dem Ausland oder verfügen über einen ausländischen Pass. Aus dieser Gruppe beklagten sich mehr als 40 % über das Fehlen ausreichender Unterstützung sowie über Sprachbarrieren in den einzelnen Leibniz-Einrichtungen. Unabhängig von der Nationalität sahen zudem viele Leibniz-Promovierende Defizite in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie in der Vorbereitung auf eine Karriere außerhalb des akademischen Umfeldes.

Kluge Köpfe gesucht

Doch welche Karrieremöglichkeiten bietet Leibniz dem wissenschaftlichen Nachwuchs nach einer erfolgreichen Promotion? Im Jahr 2017 waren rund 2.400 Postdocs an Leibniz-Instituten angestellt. Zusätzlich waren an Leibniz-Instituten dreißig Juniorprofessuren durch gemeinsame Berufung mit Hochschulen sowie rund 170 selbstständige Nachwuchsgruppen angesiedelt.

Zur Bindung besonderer Forschertalente gibt es nicht erst seit 2018 eine zentrale Nachwuchsförderung durch die Leibniz-Gemeinschaft. In diesem Jahr jedoch etablierte sie darin zusätzlich den Wettbewerb „Best Minds“, oder „Leibniz – Beste Köpfe“. Dies klingt nicht ganz so langweilig wie „Nachwuchsgruppen-“ oder „Professorinnenprogramm“ und lässt sich überdies auch im Ausland gut verkaufen. In der ersten Runde von „Best Minds“ waren Leibniz-Junior Research Groups zur Förderung der frühen wissenschaftlichen Unabhängigkeit sowie das Leibniz Programme for Women Professors, das die Berufung von Frauen auf W2/W3-Professuren unterstützt, ausgeschrieben. Sechs Nachwuchsgruppen sowie fünf Professuren für Frauen wurden am Ende eingerichtet.

Im Nachwuchsgruppenprogramm wird eine Grundausstattung aus Gehalt des Gruppenleiters samt Mitteln für maximal zwei bis drei Doktoranden, ausnahmsweise auch Postdoktoranden, sowie Sachmittel im Umfang von bis zu 1,7 Millionen Euro gewährt. Innerhalb der fünfjährigen Laufzeit wird die Nachwuchsgruppe die ersten drei Jahre durch die Leibniz-Zentrale und die folgenden zwei Jahre durch die aufnehmende Leibniz-Einrichtung finanziert.

Diese Art der Mittel-Aufteilung sowie die Förderdauer gelten auch für das Professorinnenprogramm. Hier wird eine W2/W3-Stelle mit angemessener Grundausstattung gefördert, die entweder unbefristet oder mit einer Tenure-Track-Option versehen ist. Spätestens ein Jahr vor Ende der fünfjährigen Förderperiode entscheiden Leibniz-Einrichtung und beteiligte Hochschule über die Entfristung der Professur.

No Pain, no Gain

Aber auch hier bekommen kluge Köpfe nichts geschenkt. Zunächst gilt es, eine Leibniz-Einrichtung zu finden, die eine Antragstellung unterstützt. Jede der Einrichtungen kann einen oder zwei Anträge mit einem Gesamtvolumen von maximal einer Million Euro pro Runde einreichen. Dies bezieht sich auf die Nachwuchsgruppen sowie zwei bisher nicht erwähnte zusätzliche Förderlinien des Wettbewerbs: „Leibniz-Kooperative Exzellenz“ sowie „Leibniz-Transfer“.

Im Professorinnenprogramm kann hingegen jede Leibniz-Einrichtung eine Kandidatin nominieren. Gemeinsam mit dem beteiligten Leibniz-Institut müssen diese bis zu zwanzig Seiten Antragsprosa auf Englisch sowie einige Anlagen wie Lebenslauf und Bibliographie einreichen. Hierzu gibt es auf der Leibniz-Webseite Vorlagen samt einem Leitfaden und einer FAQ-Seite. Fördervoraussetzungen sind eine Promotion, die nicht länger als fünf Jahre zurückliegen sollte, sowie „herausragende wissenschaftliche Leistungen“. Kinderbetreuungszeiten werden bei der Berechnung der Fünfjahresfrist berücksichtigt. Interne Bewerbungen aus den Leibniz-Einrichtungen sind möglich. Der Direktor der betreffenden Leibniz-Einrichtung reicht dann den Antrag ein.

Vier externe Gutachter können im Rahmen der Antragstellung angegeben werden. Durch diese werden zunächst die Qualifikation des Antragstellers sowie die Qualität des geplanten Forschungsvorhabens auf Herz und Nieren geprüft. Eine geringere Rolle spielen dabei der Finanzplan sowie die strukturelle Wirkung der Nachwuchsgruppe auf die aufnehmende Einrichtung. Die Einreichungsfrist in diesem Jahr war der 30. April, wobei bis Ende März eine Interessensbekundung abzugeben war. Die Auswahlsitzung des Senatsausschusses Wettbewerb ist auf Mitte September, die Bekanntgabe der Gewinner durch den Leibniz-Senat auf Ende November 2019 terminiert. Die Aufnahme der Tätigkeit bei der Leibniz-Einrichtung erfolgt frühestens 8 bis spätestens 14 Monate nach Antragseinreichung.

Weitere Auskünfte zum Programm erteilt die Referatsleiterin des Leibniz-Wettbewerbs Karin Effertz unter effertz@leibniz-gemeinschaft.de.

Dezentrale und zentrale Nachwuchsförderung

Für den wissenschaftlichen Nachwuchs verfügt Leibniz zwischenzeitlich über Karriereleitlinien für jede Karrierestufe, in denen allerdings auch viel Selbstverständliches steht – wie auch über zentrale Maßnahmen zu deren Förderung. Ein Beispiel sind die jährlich stattfindenden Leibniz-Kollegs for Young Researchers. Die zweitägigen Veranstaltungen dienen dem intensiven fachlichen Austausch und der Vernetzung zwischen Postdocs und fortgeschrittenen Doktoranden, aber auch der Vermittlung von Informationen hinsichtlich Karrieremöglichkeiten und -planung. So standen 2018 in Karlsruhe die Themen Open Science und Datenmanagement im Vordergrund, im Juli diesen Jahres wird sich das Kolleg mit der Durchlässigkeit zwischen wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Karrieren beschäftigen.

2017 wurde zudem das Leibniz Postdoc Network auf den Weg gebracht, in dem auch die Leiter der Nachwuchsgruppen verortet sind. Hier gab es zum Beispiel im letzten Jahr eine Veranstaltung zum Thema „Gute wissenschaftliche Praxis“.

Im Leibniz-Mentoring stehen pro Jahr maximal 26 Plätze für exzellente Wissenschaftlerinnen auf dem Weg zur Professur zur Verfügung. Neben der Bildung eines Mentor-Mentee-Gespanns werden hier unter anderem Kompetenzseminare angeboten.

Einzelne Leibniz-Einrichtungen bieten über­dies auch zusätzliche individuelle Fördermöglichkeiten an. So gibt es beispielsweise am Jenaer Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) bereits seit 2008 unabhängige Nachwuchsgruppen. Diese sind organisatorisch an eine der Forschungsabteilungen angegliedert und ermöglichen herausragenden Postdocs, ein eigenständiges Arbeitsgebiet zu etablieren. Nach sechsjähriger Förderung der Nachwuchsgruppe kann diese zum Beispiel als Forscher- oder Arbeitsgruppe innerhalb des Leibniz-IPHT verstetigt werden.

Viele frische Maßnahmen also. Die nähere Zukunft wird zeigen, ob sie ausreichen, damit am Ende für die Leibniz-Gemeinschaft das Gleiche gilt wie für die gleichnamigen Kekse: Vor allem dem Nachwuchs schmeckt’s!




Theoria cum Praxi – Wer war Gottfried Wilhelm Leibniz?
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Foto: gemeinfrei

Der Namenspatron der Leibniz-Gemeinschaft wurde 1646 in Leipzig geboren. Leibniz war zugleich Bibliothekar, Jurist, Historiker, Philosoph sowie Mathematiker und gilt als einer der letzten deutschen Universalgelehrten. Bereits im Alter von 8 Jahren erlernte er mittels illustrierter Bücher die lateinische und später auch die griechische Sprache. Mit 15 Jahren studierte er in Leipzig Philosophie, anschließend in Jena Mathematik und in Leipzig Jura. In Altdorf nahe Nürnberg promovierte er in Zivil- und Kirchenrecht. Mit 30 Jahren wurde er Hofbibliothekar in Hannover. Leibniz gilt als Pionier der Windkraft, entwarf ein Unterseeboot, erfand mit der Staffelwalze eine erste mechanische Rechenmaschine für die vier Grundrechenarten, beschrieb das nur auf 0 und 1 basierende binäre Zahlensystem und trug maßgeblich zur Integral- und Differentialrechnung bei. In der Abhandlung „Theodicée“ führte er aus, dass wir in der „besten aller möglichen Welten“ leben und die Existenz des Übels in der Welt nicht der Güte Gottes widerspreche. Leibniz war nicht nur externes Mitglied der Pariser Académie des Sciences und der Londoner Royal Society, sondern gründete auch mehrere wissenschaftliche Gesellschaften, darunter die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften, den Vorläufer der heutigen Berlin-Brandenburgerischen Akademie der Wissenschaften.

Auf den Internetseiten der Leibniz-Gemeinschaft wird Leibniz als Mensch geschildert, der „in der Wahrnehmung seiner Dienstpflichten lax bis zum Ungehorsam war und bei der Durchsetzung seiner Ziele weder Intrige noch Illoyalität scheute“. Ebenso galt er als taler- und titelsüchtig. So nutzte er geschickt seine Verbindungen, um auf die Erhöhung seines Salärs hinzuwirken oder Titel wie russischer geheimer Hofrat oder Reichshofrat in Wien zu sammeln. Seine angebliche Adelung zum Freiherrn durch Kaiser Karl VI. ist bis heute nicht urkundlich belegt. In der „Encyclopédie“ schrieb Denis Diderot 1765, dass Leibniz Deutschland so viel Ehre gebracht habe, wie Platon, Aristoteles und Archimedes zusammen für Griechenland und dass wohl kein Mensch so viel gelesen, so viel studiert, mehr gedacht und mehr geschrieben habe als Leibniz.





Last Changed: 09.05.2019


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