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Buchbesprechung

Juliet Merz

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Jan-Peter Hildebrandt, Horst Bleckmann, Uwe Homberg:
Penzlin – Lehrbuch der Tierphysiologie, 9. Auflage
Herausgeber: Springer Spektrum; 9. Aufl. 2021 Edition (12. April 2021)
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe: 1169 Seiten
ISBN-10: 3662615940
ISBN-13: 978-3662615942
Preis: 99,99 Euro (Hardcover + Digital Flashcard), 79,99 Euro (E-Book)

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Vom Einzeller bis zum Elefanten

(12.10.2021) Die Tierwelt ist bunt – und das spiegelt sich auch in ihrer Physiologie wider. Um da den Überblick nicht zu verlieren, lohnt der Blick in ein umfassendes Standardlehrbuch der Tierphysiologie.

Fünfzig Jahre ist es her, dass das „Lehrbuch der Tierphysiologie“ in erster Auflage erschienen ist. Damals noch unter dem Namen „Kurzes Lehrbuch der Tierphysiologie“ von Heinz Penzlin, dem emeritierten Zoologie- und Tierphysiologie-Professor der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von dem Adjektiv „kurz“ musste sich das Lehrwerk jedoch verabschieden, die neunte Auflage hat mittlerweile mehr als doppelt so viele Seiten wie zu Beginn, knapp über eintausend.

Und auch auf der Autorenliste hat sich einiges getan: Verfasser ist nicht mehr Penzlin selbst, sondern ein Team aus dem Abteilungsleiter des Zoologischen Instituts und Museums der Universität Greifswald, Jan-Peter Hildebrandt, dem Marburger Tierphysiologen Uwe Homberg sowie dem emeritierten Bonner Zoologen und Neurobiologen Horst Bleckmann. Der Name des Urvaters ist geblieben und so heißt das Werk „Penzlin – Lehrbuch für Tierphysiologie“.

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Naturwissenschaftlicher Crash-Kurs

In den knapp über tausend Seiten steckt das geballte Wissen der Tierphysiologie. Unterteilt ist dieses in sechs große Überkapitel: Grundlagen der Physiologie, Stoffaufnahme und -verteilung, Homöostase, Informationsverarbeitung und Verhalten, Rezeption von Signalen sowie Effektorsysteme.

Um dem Inhalt des Lehrbuches folgen zu können, sollten die biologischen Basics bekannt sein. Für alle, die sich daran nicht mehr en détail erinnern, hilft „der Penzlin“ gleich zu Beginn auf die Sprünge. Der erste Teil des Buches widmet sich entsprechend den wichtigsten Grundlagen. Egal ob der Entropiesatz, Aufbau von Zellmembranen oder der Citratzyklus – das Autorentrio gibt auf den ersten über hundert Seiten einen Crash-Kurs zu den jeweiligen Themen, um das Wissen des Lesers noch einmal aufzufrischen. Anschließend tauchen die Verfasser tiefer in die physiologischen Prozesse ein. Dabei streifen sie Themen, die den Menschen direkt betreffen – zum Beispiel wie ein Organismus an den lebensnotwendigen Sauerstoff gelangt, wie die Exkretion funktioniert, wie neuronale Systeme verschaltet sind und welche Strukturen das Hören ermöglichen. Gleichzeitig besprechen Hildebrandt und Co. Funktionen, die diversen anderen Tieren vorbehalten sind, etwa der magnetische Sinn, Farbwechsel oder die Produktion von Giften.

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Den Autoren gelingt es, die einzelnen Systeme zwischen den Tiergruppen umfangreich zu vergleichen und dabei Wissen gebündelt zusammenzufassen. Wer zum Beispiel die essenziellen Aminosäuren beim Menschen noch vorbildlich aufsagen kann, kommt bei anderen Tieren sicherlich ins Stocken. „Der Penzlin“ klärt auf und trägt fleißig zusammen, was die Wissenschaft in Form von Fachliteratur hergibt. Das wirkt manchmal fast etwas willkürlich, sind die Informationen teils doch sehr spezifisch. Aber wer auf Vollständigkeit Wert legt, sollte eben auch erwähnen, dass der Insekten parasitierende Flagellat Strigomonas offenbar nur die Zugabe einer einzigen Aminosäure zum Überleben benötigt, nämlich Methionin (Seite 124).

Lern-App inklusive

Jedes Kapitel schließt mit einer weiterführenden Literaturliste ab sowie mit Fragen über den gerade behandelten Stoff. Passend zu Letzterem können Käufer des Buches kostenlos die Flashcard-App nutzen. Unter flashcards.springernature.com können sie ihr Wissen auf den Prüfstand stellen. Es stehen drei Lernmethoden zur Verfügung: Power-, Langzeitgedächtnis- oder Prüfungsmodus. Die richtigen Antworten sind verborgen, können aber angezeigt und mit der eigenen Eingabe verglichen werden. Sollten die vorgefertigten Fragen nicht reichen, können Nutzer selbst Fragekarten erstellen (zum Beispiel in Form einer Multiple-Choice-Aufgabe) und sogar Eselsbrücken notieren. Eine Statistikrubrik zeigt außerdem, wie fleißig die Nutzer beim Lernen waren und wie erfolgreich sie die Fragen beantworten konnten.

Zurück zum Buch und einem kleinen Kritikpunkt: Im Serviceteil befinden sich auf neun Seiten Kurzbiografien von einfluss­reichen Wissenschaftler-Persönlichkeiten – die hätte man sich schenken können. Ansonsten bietet das Lehrbuch in der Jubiläumsausgabe den Lesern einen umfangreichen Überblick und Einblick in die vergleichende Tierphysiologie. Als Lehrbuch ist es voraussichtlich für fortgeschrittene Bachelor- oder Master-Studierende der Biowissenschaften gedacht, als Nachschlagewerk eignet es sich sicher für alle Lebenswissenschaftler.

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