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Buchbesprechung

Juliet Merz

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Caroline Ring:
Botschafter des Lebens – Was Bäume in Städten erzählen
Verlag: Berlin Verlag; 2. Edition (12. Oktober 2020)
Sprache: Deutsch, 256 Seiten
ISBN-10 : 3827014190
ISBN-13 : 978-3827014191
Preis: 22 Euro (Hardcover), 18,99 Euro (E-Book)

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„Ich sehe die Stadt durch die Bäume darin“ *

(08.03.2021) Egal ob in der Nachbarschaft oder am anderen Ende Deutschlands – Bäume stehen überall und bergen mitunter spannende Geschichten. Autorin Caroline Ring hat diese aufgeschrieben.

Die Corona-Pandemie nervt. Zumindest die Rezensentin. Und während seit Wochen Restaurants, Kinos oder Theater weitestgehend geschlossen bleiben, sehnen sich die Menschen mit großer Wahrscheinlichkeit nach einem Alternativprogramm. Viele brechen auf in die Natur. Dort ist man an der frischen Luft, kann den nötigen Mindestabstand meist gut einhalten und die fiesen Aerosole verfliegen schneller.

Wer allerdings die immer gleichen Wanderrouten beschreitet oder auf immer demselben Spazierweg bummelt, könnte sich auf Dauer ganz schön langweilen. Und zu den hippen, gängigen Ausflugszielen sollte man aktuell ohnehin nicht pilgern. Doch bevor wir bei unserem nächsten Spaziergang wieder frustriert zu unseren Füßen hinabschauen, könnten wir unseren Blick zur Abwechslung mal heben und in die bald sprießenden Kronen der Bäumen werfen – zumindest wenn es nach Caroline Ring geht. Denn die studierte Biologin lenkt in ihrem Buch „Botschafter des Lebens“ die Aufmerksamkeit auf ebendiese heimlichen Stars unserer Nachbarschaft. Dabei zieren Bäume nicht nur unsere Landschaften und Städte, sondern erzählen gleichzeitig spannende Geschichten. Einen Auszug hat Ring aufgeschrieben.

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Foto: Pixabay/fietzfotos

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Dafür ist die Autorin durch ganz Deutschland gereist und hat sich mit Förstern, Botanikern sowie Mitarbeitern der Stadt getroffen, die ihr die Geheimnisse der grünen Riesen anvertraut haben. Zugegeben, auf eine Tour durch die Republik sollten wir gerade lieber verzichten, aber aufgeschoben ist ja nicht gleich aufgehoben. Außerdem nimmt Ring auf ihrer Entdeckungsreise auch Bäume aus unserem Alltag in den Fokus, die nahezu jeder in der unmittelbaren Umgebung finden dürfte – etwa an Straßenrändern, in Schrebergärten, Wäldern oder Parks. Dabei entsteht zumindest bei der Rezensentin automatisch die Frage, welche Bäume sich wohl vor der eigenen Haustür „verstecken“.

Ein Beispiel ist die Ahornblättrige Platane (ab Seite 99). Sie zählt, wie wir in „Botschafter des Lebens“ erfahren, zu den häufigsten Baumarten in Städten, denn sie ist robust, bildet tiefe Wurzeln und wächst schnell und hoch. Dabei galt sie einmal als exotisch und außergewöhnlich. Ein Blick aus dem Wohnzimmerfenster der Rezensentin bestätigt: Auch in Freiburg gibt es Ahornblättrige Platanen.

Wahre VIP-Bäume

Ebenfalls weit verbreitet ist die Rosskastanie, die nahezu jeden deutschen Biergarten schmückt (ab Seite 123). Ring erzählt, mit welchen Schwierigkeiten Bierbrauer damals zu kämpfen hatten und wie die Bäume Abhilfe schaffen konnten. Auch an anderer Stelle berichtet sie, wie es ausgerechnet die ansässige Baumart an den besuchten Schauplatz geschafft hat und wie sich die Pflanzungen in der Vergangenheit abgespielt haben. Sie verwebt immer wieder geschickt biologisches Hintergrundwissen mit Erzählungen und historischen Fakten, während sie den Leser in zwanzig Kapiteln lebhaft und bildlich zu den Stadtausflügen mitnimmt.

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Dabei berichtet sie auf den knapp 260 Seiten genauso von wahren VIP-Bäumen, wie die riesigen Mammutbäume in Stuttgart oder dem größten Baum Deutschlands, der Douglasie Waldtraut vom Mühlwald in Freiburg. Ring besucht auch die „sprechende“ Waldkiefer im Tennenloher Forst bei Erlangen, die Ökologen unter anderem von der ansässigen Universität komplett verkabelt haben, um die Vitalfunktionen der Pflanze zu überwachen: Wie viel Wasser zieht der Baum aus dem Boden, wie stark wächst er im Umfang und wie kommt er mit seiner Umwelt klar? Die ermittelten Werte gelangen schließlich an die breite Öffentlichkeit, indem Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonal die Daten vertwittern (@1Baytreenet).

All das und noch viel mehr schafft die Autorin zu vermitteln. Der Leser erfährt, wie die Douglasie zu ihrem Namen kam, welchem Kunstprojekt die Kasseler all ihre städtischen Stieleichen zu verdanken haben und welcher König im damaligen Preußen tausende weiße Maulbeeren pflanzte. Die historischen Erzählungen überlagern die Geschichte dabei nicht, sind aber dennoch informativ und spannend wiedergegeben.

Ring fängt die Umgebung und Atmosphäre stellenweise so gut ein, dass man das Gefühl bekommt, mit ihr auf der Wiese zu stehen. Und auch wenn viele auf den nächsten, zum x-ten Mal stattfindenden Wanderausflug gerne verzichten und lieber ins Stadion oder auf ein Konzert gehen würden, so schafft es „Botschafter des Lebens“ wenigstens ein bisschen, die Lust auf Spaziergänge in der Natur neu zu entfachen. Die deutschlandweiten Städtereisen zu den von Ring besuchten Bäumen lassen sich problemlos in die Post-Corona-Zeit verschieben. Wer dann immer noch Lust auf ein Abenteuer hat, sollte einen Blick in den Anhang des Buchs werfen. Dort hat die Autorin in Längen- und Breitengraden genau aufgelistet, wo alle vorgestellten Bäume zu finden sind. Und bis es so weit ist, können wir einfach mit Caroline Ring auf eine gedankliche Reise zu den grünen Riesen mitgehen – „Botschafter des Lebens“ bietet dafür die ideale Vorlage.

*Zitat von Steffie Soldan



Letzte Änderungen: 08.03.2021


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