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Buchbesprechung

Juliet Merz


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Peptide: A Protein Building Game
Genius Games (2016)
Spieler: 2-5
Sprache: Englisch
Preis: 19,99 US-Dollar zuzüglich circa 5 US-Doller Versand

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Neues Spiel, neues Peptid

Warum den Zellen die Protein-Synthese überlassen und nicht selbst einmal die Ribosom- und Aminosäuren-Keule schwingen? Mit dem Kartenspiel Peptide baut sich der Spieler ein schickes Peptid nach eigenen Wünschen zusammen und erkennt, dass in den vermeintlich einfachen Dingen der größte Spaß liegt.

Klar, nicht jeder hat Lust, den ganzen Abend mit einem zweieinhalb Stunden andauernden Brettspiel zu vertrödeln. Dann doch lieber ein zwangloses, unkompliziertes Kartenspiel. Etwa eine schnelle Runde Mau-Mau oder Uno. Für all diejenigen, denen die Klassiker zu langweilig sind, gibt es Peptide – A Protein Building Game. Ein Strategiespiel für alle Molekularbiologie-Fans.

Inspiriert von der Natur dreht sich beim Kartenspiel von Genius Games alles (man mag es kaum glauben) um den Zusammenbau von Peptiden. Ziel ist es, eine möglichst lange Peptidkette zu knüpfen und dadurch am Schluss die meisten Punkte einzuheimsen. Die Spielbestandteile und -züge sind dabei den zellulären Komponenten und Mechanismen nachempfunden.

Ohne ATP nix los

Zu Beginn startet jeder Spieler mit seinem eigenen Start-Codon AUG, welches für die Aminosäure Methionin codiert. Um daran weitere Aminosäuren anzuknüpfen, braucht der Spieler Aminosäure- und RNA-Karten, die er durch Organellen-Karten erhält. Für den Erwerb einer Aminosäure ist die Aminoacyl-tRNA-Synthetase-Karte notwendig; die RNA-Karten bekommt der Spieler derweil beispielsweise durch die Nukleus-Karte. Als Währung dienen kleine ATP-Plättchen, die mit der Mitochondrien-Karte ausgeschüttet werden.

Der Spieler kann nur dann Aminosäuren anbauen, wenn er eine Aminosäure-Karte, drei RNA-Karten mit den passenden Basen und ein ATP-Plättchen hat sowie die Ribosom-Karte ausspielt. Sobald die Aminosäure-Karte UAG, also das Stopp-Codon erscheint, beginnt die finale Runde. Danach werden die Punkte gezählt.

Peptide ist ein Spiel, das sich erstaunlich nahe an den Peptidsynthese-Prozessen in der Zelle orientiert. So sind etwa bei den RNA-Karten der Aufbau der Basen sowie die Anzahl der Wasserstoff-Brücken korrekt illustriert. Für Biologen und Mediziner ist diese Detailtreue zwar immer wieder nett anzusehen, ob aber jemand, der von der Proteinsynthese keine Ahnung hat, viel von Peptide lernt, bleibt fraglich.

Dabei will das Genius-Games-Team genau das: Spiele (und auch Bücher) entwickeln, die nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich sind. „Simultaneously demystify intimidating Concepts in the Sciences and engage the Players in a lifelong Process of Inquiry“.

Etwas schade ist, dass die Aminosäure-Karten im Laufe des Spiels durch Umdrehen dauerhaft mit der wachsenden Peptidkette verknüpft werden und deshalb nicht mehr sichtbar sind. So rücken die Aminosäuren, um die es ja bei der Peptidsynthese primär geht, etwas in den Hintergrund.

Geiz ist nicht geil

Nach ein paar Zügen geht Peptide sehr flüssig von der Hand – was viel Spaß macht. Natürlich sind die Möglichkeiten für unterschiedliche Spielzüge durch das recht simple Design limitiert. Dennoch ist ab und an strategisches Denken gefragt, um zum Beispiel taktisch klug die nächste Organellen-Karte zu wählen.

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Bunt und sparsam: Peptide glänzt zwar mit schönen Spielkarten, es hätten aber ein paar mehr davon sein können (hier nur eine Auswahl). Bild: Genius Games

Ein recht unnötiges Manko hat das Spiel dennoch: die geringe Anzahl an Organellen-Karten. Davon gibt es nämlich nur 29 Stück. Warum sich der Hersteller für diese auch noch ungerade Anzahl entschieden hat, bleibt ein Rätsel. Sogar bei zwei Spielern müssen die verworfenen Organellen-Karten viel zu häufig neu gemischt werden. Das bremst den Spielfluss und stört. Besonders brenzlig wird es bei den angegebenen maximal fünf Spielern. Denn hier müssen pro Runde zwei Organellen-Karten pro Spieler gelegt werden, also insgesamt zehn. Bei nicht mal dreißig Karten müssen die Spieler also alle zwei Runden neu mischen. Das nervt.

Etwas schwieriger zu mischen sind die RNA-Karten. Denn die sind zwar genau wie alle anderen Karten angenehm beschichtet, jedoch recht klein. Das Riffeln, bei dem die Karten mithilfe der Daumen ineinander verzahnt werden, ist gar nicht möglich. Und das Stripping, bei der kleinere Gruppen von Karten von oben oder unten von einem Kartenstapel in der Hand auf einen anderen hinzugefügt werden, nur bedingt. Tipp: Machen Sie es wie die Kindergartenkinder und bedienen Sie sich der oft als laienhaft angesehenen Durchwühlen-Methode.

Leuchtend, liebevoll und lustig

Peptide ist ein liebevoll gestaltetes Kartenspiel, bei dem der Spaß an erster Stelle steht. Dabei plätschert der Spielverlauf nicht einfach vor sich hin, sondern fordert auch taktisches Denken. Die schöne Optik und Haptik sowie die leuchtenden Farben der Karten sind ansprechend und klar.

Wer Lust auf ein ganz zwangloses Kartenspiel hat, kann unbesorgt zu Peptide greifen. Aber Vorsicht: Die angegebene Spieldauer von 30 bis 45 Minuten werden Sie besonders als Anfänger nicht einhalten können. Rechnen Sie also lieber mit der doppelten Zeit – dann haben Sie auch doppelt so viel Spaß.





Letzte Änderungen: 09.05.2019


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