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Buchbesprechung

Sigrid März

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Robert Hofrichter:
Im Bann des Ozeans: Expeditionen in die Wunderwelt der Tiefe

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Gütersloher Verlagshaus (26. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783579086781
ISBN-13: 978-3579086781
ASIN: 3579086782
Preis: 20,– Euro (gebunden) 15,99 Euro (eBook)

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Buntes Meeresgetier

Immerhin (geschätzt) 1,3 Milliarden Kubikkilometer Wasser wabern in den irdischen Ozeanen – reichlich Platz und damit auch Stoff für ein Buch über das mehr oder weniger salzige Nass. Das dachte sich auch Robert Hofrichter, österreichischer Zoologe und Buchautor, und trug auf 240 Seiten Fakten und Anekdötchen aus seinem offensichtlich umfangreichen Erfahrungsschatz zusammen. Beispiele gefällig?

Mit dem Vorkommen von flüssigem Wasser nimmt unser Planet eine Sonderstellung ein, findet sich Wasser im Weltall doch sonst nur im kristallinen oder gasförmigen Aggregatzustand. Welche Kräfte in den unglaublichen Wassermassen stecken, beschreibt Hofrichter beispielhaft an Monsterwellen wie Tsunami oder „Kaventsmännern“. Nicht ganz unschuldig an diesen Phänomenen sind die geologischen Besonderheiten der Erde, einer „Potsdamer Erdkartoffel“ voller Dellen und gravimetrischer Beulen. Von wegen rund.

Das Gros des kurzweiligen Buches jedoch widmet sich den kleinsten bis größten Bewohnern der Ozeane. Sie sorgen – wie die mikroskopisch kleine Alge der Gattung Emiliania – dafür, dass das Meer mitnichten immer blau erstrahlt.


Foto: Pixabay

Bunt sind nicht nur die Gewässer-Farbpalette und tropische Fische, sondern auch die vielfältigen Geschlechtertypen und zeitweise äußerst grotesken Fortpflanzungsstrategien.

So gibt es zum Beispiel selbstständig durch die Gegend schwimmende Sexualorgane. Oder: Das nur drei Zentimeter lange Zwergmännchen des Löwenkraken buhlt um seine etwa 40.000-mal schwerere Angebetete. Aber es gibt auch Pragmatiker: Weil die Tiere nun einmal in verdammt viel Wasser schwimmen, ist die Suche nach einem passenden Sexualpartner nicht immer einfach. Das oftmals gelebte Zwittertum verdoppelt mit einem Schlag die Chance auf Fortpflanzung.

Dabei hat das Leben im Ozean mit dem „Urknall der Evolution“ recht unspektakulär angefangen. Anhand von evolutionsbiologischen Schlussfolgerungen erklärt der Autor unter anderem, wie es kam und kommen musste, dass sich die Ozeanbewohner im Zeitalter des Ediacariums (vor etwa 600 Millionen Jahren) von Lebewesen, die „am schleimigen Grund des Ozeans herumrutschte[n&'93;“ zu solchen entwickelten, „die sich Nahrung aktiv beschaffen konnten“, also zu Jägern. Spoiler: Es hat etwas mit Sauerstoff zu tun. Apropos Nahrungsbeschaffung: „Meeresschwalben“, kleine Putzerfische, die auch gern die Mundhygiene neugieriger Taucher übernehmen, treffen auf betrügerische Säbelzahnschleimfische, die in Putzerfisch-Gestalt ahnungslose Fische anbeißen. Weitaus gefährlicher sind Kreaturen wie Seewespe (eine Würfelquallenart), Krustenanemonen oder Stein- und Kugelfische. Sie kommen scheinbar harmlos daher, bieten aber tödliche Giftcocktails auf, die „Ergebnisse von Millionen Jahren biochemischer Experimente im endlosen Labor der Ozeane“ zu sein scheinen.

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Monster der Meere

Selbstverständlich finden auch die unvermeidlichen „Monster“ der Meere ihren Platz im vorgestellten Aqua-Zoo. Der obligatorische Weiße Hai zum Beispiel, oder Riesenkalmare bis hin zu längst ausgestorbenen räuberischen Plattenfischen, gigantischen Fischsauriern und dem legendären Megalodon.

Hofrichter ist jedoch bemüht, zu entmystifizieren und bricht insbesondere eine Lanze für die Haie. Die ach so niedlichen Delfine hingegen, die sich gern auf Kugelfischen „rumkauend zudröhnen“, kommen weniger gut weg. Dass sie nicht lächeln, sondern „bloß ein krummes Gebiss [haben]“, gehört noch zu den netteren Feststellungen.

Ein letzter Weg führt in die Tiefsee, wo sich Koloss-Kalmar und Pottwal „Gute Nacht“ sagen. Der Autor bemerkt, dass auf dem 385.000 Kilometer entfernten Mond bereits mehr Menschen waren als am „nur“ elf Kilometer tiefen Tiefstpunkt des Marianengrabens. Kälte und Dunkelheit sind sicherlich problematisch, weitaus existenzbedrohender für gasgefüllte Kreaturen wie Mensch und andere Lungenatmer ist allerdings der dort herrschende Druck. Einige Knochenfische schaffen es dank Proteinstabilisator Trimethylamin-N-oxid auf immerhin acht Kilometer unter der Wasseroberfläche. Hut ab.

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Der Ozean ist ein grandioser Lebensraum, aus welchem sich die Menschheit schon seit Urzeiten zwecks Nahrungsbeschaffung und Medikation diverser Leiden bedient. Das geht nicht immer gut, und so appelliert der Gründer und Präsident der Meeresschutzorganisation MareMundi Hofrichter: „Auch heute kann man noch Neues entdecken, doch wesentlicher ist es jetzt zu bewahren, was vom Meer und Küsten noch zu bewahren ist.“

„Im Bann des Ozeans“ ist ein unterhaltsames Werk mit allerlei – für durchschnittlich Interessierte größtenteils bekannten – Fakten, übersichtlich in leicht konsumierbare Häppchen unterteilt, welches sich durchaus zur Lektüre am Strand eignet und Gesprächsstoff für die nächste Cocktailparty liefert. Aufgrund der Fülle unterschiedlicher Informationen kratzen diese nur an der Oberfläche, aber der Klappentext verspricht „Geschichten“, keine wissenschaftliche Abhandlung und genau das liefert der ozeanbegeisterte Hofrichter.



Letzte Änderungen: 10.10.2018


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