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Buchbesprechung

Daniel Weber


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Ed Yong:
Winzige Gefährten: Wie Mikroben uns eine umfassendere Ansicht vom Leben vermitteln

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann; Auflage: 1 (7. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3956142322
ISBN-13: 978-3956142321
Preis: 28,80 Euro (gebunden), 21,99 Euro (E-Book)

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„Jeder von uns ist sein eigener Zoo“

Leiden Sie an Mysophobie? Dann ist das Buch „Winzige Gefährten“ von Ed Yong vielleicht eine Möglichkeit, Ihre Angst vor Ansteckung durch Bakterien zu lindern. Denn der Wissenschaftsjournalist gibt in seinem empfehlenswerten Buch eine populärwissenschaftliche Herangehensweise an das allgegenwärtige Thema Mikrobiologie.

Nahezu überall auf der Welt existieren Mikroorganismen, sie widerstehen Temperaturen von über 80°C (Thermophile), unter -10°C (Kryophile) oder sie leben einfach in Steinen (Endolithe). Einfacher erscheint da schon das Leben auf und in anderen Lebewesen – wie dem Menschen.

Besteht ein Mensch aus Billionen menschlicher Zellen, trägt er noch mal Billionen von Mikroorganismen mit sich herum, wenn er sich morgens an den Frühstückstisch setzt. Das Frühstück landet schließlich im Darm und eine Vielzahl von Bakterien beginnt, die aufgenommene Nahrung zu verwerten. Allgemein bekannt ist, dass Babys die ersten Bakterien für ihre Darmflora bei der Geburt aufnehmen. Was viele nicht wissen: Das anschließende Stillen mit Muttermilch dient in erster Linie dazu, die Darmbakterien des Babys zu ernähren (ab Seite 124).

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Das aber kann der aufmerksame Leser unter anderem bei der Lektüre von „Winzige Gefährten“ des Wissenschaftsjournalisten Ed Yong erfahren. Denn solche interessanten Aspekte tauchen immer wieder in den zehn Kapiteln des Buches auf. Überhaupt spielen die Darmbakterien des Menschen für Yong eine wichtige Rolle, sodass er immer wieder zu ihnen zurückkehrt. Beispielsweise haben Mikrobiologen ein Gen von ausschließlich im Wasser lebenden Bakterien der Art Zobellia galactanivorans auch in menschlichen Darmbakterien entdeckt (Seite 253). Aber auch Tiere haben überraschende Mitbewohner: So ist das Bakterium Epulopiscium fishelsoni, das im Darm von Goldtupfen-Doktorfischen lebt, so groß wie der Punkt am Ende dieses Satzes (Seite 39). Ein echter mikrobiologischer Riese also!

Yong zählt diese und weitere interessante Informationen aber nicht nur einfach auf, sondern erklärt auch die dazugehörigen Hintergründe ausführlich. Dabei gelingt ihm ein beachtenswerter Spagat. Einerseits überfordert er den interessierten Laien nicht, und andererseits ist auch für den Fachmann genug Spannendes dabei. „Winzige Gefährten“ liest sich nicht nur wie ein Sachbuch, sondern gleichzeitig wie ein spannender Roman. Genau das erhofft sich der Leser von einem populärwissenschaftlichen Buch, diese Erwartung wird aber nur selten erfüllt. Yong scheint sich Gedanken um seine potenziellen Leser gemacht zu haben und setzt diese hervorragend um. Das ist lobenswert und vorbildlich! So wird schließlich auch dem Laien klar, dass Bakterien und Archäen so unterschiedlich sind wie die „Betriebssysteme von PC und Mac“ (Seite 15).

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Wenn Autor Ed Yong nicht recherchiert oder schreibt, kuschelt er gerne mit Greifvögeln – so zumindest präsentiert sich der Wissenschaftsjournalist auf seiner Homepage. Foto: edyong.me
Unterhaltsame Anekdoten

Der Autor lockert die Geschichten auf den 480 Seiten immer wieder mit äußerst unterhaltsamen Off-Topic-Anekdoten auf: Die Tse-Tse-Fliege ist beispielsweise lebendgebärend (Seite 197), Brüllaffen synchronisieren ihre Darmentleerung (Seite 237) und Geparden-Urin riecht nach Popkorn (Seite 361). Das hält zumindest den Rezensenten bei bester Laune. Selbst wenn Yong über die Transplantation von Stuhl berichtet, bei der bestimmte Darmerkrankungen therapiert werden sollen, liest sich dies höchst interessant.

Das Werk ist umfassend und gut recherchiert und steht damit zu Recht auf der Auswahlliste zum Wissensbuch des Jahres der Zeitschrift Bild der Wissenschaft – in der Kategorie „Überblick – Das Buch, das den Hintergrund eines Themas am besten ausleuchtet“.

Aber auch für den täglichen Bedarf bietet die Lektüre viele Informationen. Beispielsweise führt der Autor aus, dass die in der Werbung vielgepriesenen probiotischen Nahrungsmittel nur wenig sinnvoll sind, da sie einerseits viel zu wenige der Mikroorganismen enthalten – und andererseits im Darm nichts nutzen, weil sich die Bakterien nicht dauerhaft ansiedeln können. Außerdem wählten Lebensmittelproduzenten den mikrobiellen Zusatz nicht aus wissenschaftlichen, sondern rein praktischen Gründen: „Sie lassen sich leicht züchten, kommen in vergorenen Lebensmitteln ohnehin bereits vor und überleben den Weg durch eine kommerzielle Abfüllfabrik und den Magen des Verbrauchers“ (ab Seite 289).

Das Geld für teure Joghurts kann man sich somit zukünftig sparen und es stattdessen lieber in den Kauf von Ed Yongs „Winzige Gefährten“ investieren. Die Bakterien auf dem Schutzumschlag sind übrigens inklusive.





Letzte Änderungen: 06.12.2018

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