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Buchbesprechung

Daniel Weber


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John Steinbeck:
Logbuch des Lebens

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Mare Verlag; Auflage: 1. (26. September 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866482590
ISBN-13: 978-3866482593
Preis: 32 Euro (Leineneinband mit Lesebändchen im Schuber)

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Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön

Die Neuübersetzung von John Steinbecks Logbuch des Lebens verspricht schon optisch eine wertige Lektüre – Leineneinband mit Lesebändchen im Schuber. Das Buch macht sich also schon mal gut auf dem Kaffeetisch im Empfangsbereich der heimischen Kemenate. Aber kann der Inhalt des im Original bereits 1941 erschienenen Buchs bei der edlen Aufmachung mithalten? Um erst gar keine künstliche Spannung aufkommen zu lassen, er kann. Schließlich erhielt der amerikanische Autor bereits ein Jahr zuvor den Pulitzer-Preis und 1962 sogar den Nobelpreis für Literatur.

Zu Steinbecks berühmtesten Büchern zählen Früchte des Zorns, Straße der Ölsardinen und natürlich Jenseits von Eden. Weniger berühmt aber ebenso lesenswert sind Steinbecks Reiseberichte Meine Reise mit Charly und das vorliegende Logbuch des Lebens. In Meine Reise mit Charly berichtet Steinbeck über seine Rundreise durch Amerika, die er zusammen mit seinem Hund Charly unternimmt.

Das Logbuch des Lebens handelt hingegen von einer Exkursion Steinbecks im Golf von Kalifornien, die er zusammen mit seinem Freund, dem Meeresbiologen Ed Ricketts, an Bord eines Sardinenkutters – der Western Flyer – im Jahr 1940 unternimmt, mit dem Ziel, das Leben der Uferzone zu erforschen. Aber der eigentliche Grund war viel einfacherer Natur und so fasst Steinbeck zusammen: „Es ging uns nicht um den Dienst an der Wissenschaft, nicht um die Benennung unbekannter Arten, sondern – es hat uns einfach Spaß gemacht!“ Und diese Aussage merkt man dem Buch mit jedem Satz an. Alleine die Auseinandersetzung mit der widerspenstigen Seekuh (dem Außenbordmotor der Western Flyer) zeigt Steinbecks unbestreitbares schriftstellerisches Talent gepaart mit seinem feinen Sinn für Humor (Seite 34 – 36). Denn für Steinbeck hatte der Außenbordmotor gar menschliche Züge: „Leben wurde erschaffen. Die Maschine ist endlich lebendig geworden. Eine Seele und ein boshafter Geist wurden geboren. Unsere Hansen-Seekuh war zwar kein Lebewesen, aber ein zickiges, verschlagenes, höhnisches, rachsüchtiges, hasserfülltes Ding.“ Bei diesen Worten könnte es sich ebenso gut um die Beschreibung des kommenden James-Bond-Bösewichts handeln.

Auch den Kauf von Lebensmitteln – genauer gesagt von Hühnern, die Steinbeck und Ricketts zusammen mit der Mannschaft verzehren wollen – beschreibt Steinbeck mit viel Humor (Seite 138 bis 139). Allerdings gibt es auf den 384 Seiten des Buches auch immer wieder Abschnitte, die sich beim Lesen in die Länge ziehen. Dies ist immer dann der Fall, wenn Steinbeck aufzählt, welche Lebewesen sie erbeutet haben. Zugegeben, das war ein Zweck der Reise, aber wenn beispielsweise Centrechinus mexicanus, Holothuria lubrica, Neothunnus macropterus, Chiton virgulatus, Acanthochitona exquisitus, Cliona celata, Padina durvillaei und Xanthodius hebes zwar erwähnt, aber eher selten näher erläutert werden, nur um zu zeigen, was Steinbeck und Ricketts auf ihrer Expedition entdeckten, ermüdet es den Leser doch schon. Insbesondere da sie bereits innerhalb weniger Tage „2160 Tiere und zwei Biersorten an Bord“ hatten und am Ende sogar über fünfzig unbekannte Arten sammelten. Der unglaubliche Artenreichtum dieser Region ist atemberaubend und so war die Exkursion wissenschaftlich gesehen ein voller Erfolg für Steinbeck und Ricketts.

Richtig gute Typen

Die Dokumentation ihrer Exkursion ist bis auf dieses Logbuch aber eher als dürftig anzusehen, so schreibt Steinbeck etwa auf Seite 25: „Die Fotoausrüstung war perfekter als perfekt, denn sie wurde nicht benutzt.“ Die Filmaufnahmen hingegen „[...] waren unfassbar schlecht – ein Filmlabor wollte unbedingt eine Kopie des Films haben, weil dieser demonstriere, was man mit einer Kamera falsch machen könne.“ Hingegen „[...] haben wir einige der besten Aufnahmen eines absolut leeren Himmels, die es auf Erden gibt“ (Seite 245).

Insgesamt ist Steinbecks Logbuch des Lebens ein Buch, das den bekannten Romanen des Autors in Nichts nachsteht. Abgerundet wird das Werk durch Steinbecks Nachruf auf seinen Freund Ed Rickkets, der 1948 nach einem Zugunglück verstarb, und eindrucksvoll Steinbecks Gefühl für Sprache und Freundschaft belegt.

Somit ist das Logbuch des Lebens für alle Freunde der guten Literatur aber auch der Naturwissenschaften geeignet. Insbesondere Biologen werden gerne lesen, „dass Biologen, diese Tenöre der wissenschaftlichen Welt, richtig gute Typen sind: temperamentvoll, launisch, liebestoll, kerngesund, mit schallendem Lachen“ (Seite 43).





Letzte Änderungen: 05.06.2018


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