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Buchbesprechung

Daniel Weber


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Arthur Conan Doyle:
Heute dreimal ins Polarmeer gefallen: Tagebuch einer arktischen Reise

(im Original 2012 erschienen als „Dangerous Work: Diary of an Arctic Adventure“)
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Mare Verlag; Auflage: 5. (3. März 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866482094
ISBN-13: 978-3866482098
Preis: 28,00 Euro

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Wal, da bläst er

Den britischen Arzt und Autor Sir Arthur Conan Doyle, geboren 1859 in Edinburgh, kennen wohl die meisten durch die Erzählungen von Sherlock Holmes und dessen Freund Doktor Watson. Doch bevor sich Doyle als Schriftsteller einen Namen machte, entschied er sich im Jahr 1876 für ein Medizinstudium an der Universität von Edinburgh. Dort arbeitete er als Assistent von Doktor Graham Bell – der als reale Vorlage von Sherlock Holmes gilt (was übrigens in der lesenswerten Kriminalroman-Trilogie von David Pirie hervorragend in Szene gesetzt wurde).

Im Jahr 1880 bot ein Kommilitone dem jungen Medizinstudenten Doyle an, für sechs Monate als Schiffsarzt auf einem Arktis-Walfänger mitzureisen. Doyle nahm das Angebot an und so reiste er vom 28. Februar bis zum 11. August des Jahres auf der S. S. Hope und hielt seine Erlebnisse im Logbuch fest.

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Fleißiger Schreiber

Schnell stellte Doyle fest, dass seine wichtigste Aufgabe an Bord nicht die medizinische Betreuung der Mannschaft war, sondern „dem Kapitän Gesellschaft zu leisten“ (Seite 28). Zwar musste Doyle auch tatsächlich mal medizinisch tätig werden, beispielsweise litt der Kapitän unter „Blubberlosigkeit“ (Seite 99), doch mehr Zeit verbrachte er mit Boxen und in geselliger Runde mit den anderen Seeleuten. Sein Eintrag im Logbuch vom 29. Juli beispielsweise endet mit den Worten „Abends Gin und Tabak“ und beginnt am nächsten Tag reumütig mit den Worten: „Büßte für Gin und Tabak“.

Überhaupt schreibt Doyle sein Logbuch überraschend humorvoll und selbstironisch. So hält er fest, dass ihn der Kapitän „Großer Eistaucher“ nannte, nachdem er einige Male ins Polarmeer gefallen war. An einem Tag sogar drei Mal – Grund genug, die deutsche Ausgabe mit demselben Titel zu versehen.

Einen großen Teil der Zeit nahm die Jagd ein. Aber nicht nur auf Wale (welche die Besatzung eher selten traf), sondern besonders auf Robben und alle anderen Tiere der Polarregion. Selbst Doyle fand Gefallen daran und führte akribisch Buch über seine Jagderlebnisse. So erlegte er insgesamt mehr als siebzig Robben und diverse Vögel (Seite 144). Als die Crew endlich einen Wal gesichtet hatte, begann die eigentliche Jagd – was sich trotz aller vorherrschenden Ablehnung gegenüber dem Walfang aus Doyles Feder höchst spannend und interessant liest (Seite 117).

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In kalter Polarluft

Dabei schafft Doyle mit diesem Logbuch dasselbe, was ihm auch mit seinen späteren Sherlock Holmes Geschichten gelang: Er begeistert den Leser. Denn auch wenn tagelang Nebel herrschte, auf dem Walfänger nicht viel passierte und die Besatzung dementsprechend nur untätig herumsitzen konnte (Seiten 127 – 130), illustriert Doyle dies so lebhaft, als würde der Leser förmlich mit der Besatzung auf günstige Winde warten, während er die kalte Polarluft einatmet.

Auch die Wissenschaft kam auf der Reise nicht zu kurz: Doyle fand einen „eigenartigen Pilz auf dem Eis“ (Seite 134), den er leider nicht näher beschrieb, und kochte einen „roten Hering auf sehr wissenschaftliche Weise“ (Seite 121). Nur leider erfährt der Leser nicht, wie er schmeckte. Außerdem fing der Brite eine Meeresschnecke (Seite 100), nannte sie John Thomas und kümmerte sich um sie, bis sie schließlich nach kurzer Zeit verstarb. Daraufhin schrieb Doyle eine wahrscheinlich einmalige Trauerrede an eine Meeresschnecke (Seiten 105 – 106).

Allerdings erscheinen Doyles zoologische Angaben zu den Tieren nicht immer zuverlässig. „Arthur Conan Doyle war einer der besten Geschichtenerzähler seiner Generation, seine naturwissenschaftlichen Anmerkungen sollte man aber mit Vorsicht genießen“, schreibt Alexander Pechmann, der das Logbuch übersetzt hat, in seinem anschließenden Essay „Die Tierwelt der Arktis – Arthur Conan Doyles zoologische Liste“. Dieser Essay und die Einleitung von Jon Lellenberg und ­Daniel Stashower runden das gesamte Buch stimmig ab ebenso wie das Faksimile mit originalen Abdrucken des Logbuchs und Doyles Skizzen. Hingegen sind die übrigen Schriften Doyles über die Arktis im Anhang nach der Lektüre des Logbuchs eher redundant. Das Logbuch umfasst im Übrigen insgesamt 199 Fußnoten der Herausgeber, die zwar teilweise den Lesefluss hemmen, aber dafür viele Hintergrundinformationen geben und so schließlich doch die Lektüre bereichern. So wird als „Blubber“ die Fettschicht von Walen und Robben bezeichnet, was damit auch die seltsame Erkrankung des Kapitäns erklärt.

Insgesamt ist das Buch eine uneingeschränkte Empfehlung für jeden begeisterten Leser der Werke Sir Arthur Conan Doyles, die ein Vielfaches mehr umfassen als nur die Sherlock Holmes Geschichten (beispielsweise die Erzählungen über den exzentrischen Biologie-Professor Challenger). Aber auch alle, die sich für Abenteuer oder originelle Reiseberichte interessieren, werden von dem schreibenden Eisvogel nicht enttäuscht.





Letzte Änderungen: 04.02.2018


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