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Buchbesprechung

Winfried Köppelle


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Philip Rowe:
Statistik für Mediziner und Pharmazeuten

Taschenbuch: 306 Seiten
Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH; Auflage: 1. Auflage (22. August 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3527331190
ISBN-13: 978-3527331192
Preis: 24,90 Euro.



Deborah Rumsey:
Statistik für Dummies.

Taschenbuch: 355 Seiten
Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA; Auflage: 3 (7. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3527711562
ISBN-13: 978-3527711567
Preis: 19,99 Euro.



Deborah Rumsey:
Übungsbuch Statistik für Dummies.

Taschenbuch: 396 Seiten
Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA; Auflage: 1. Auflage (5. März 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 352770390X
ISBN-13: 978-352770390
Preis: 19,95 Euro.



Walter Krämer:
So lügt man mit Statistik.

Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 4 (1. April 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492264131
ISBN-13: 978-3492264136
Preis: gebraucht ab 3,60 Euro.



Björn & Sören Christensen:
Achtung: Statistik.

Taschenbuch: 319 Seiten
Verlag: Springer Spektrum; Auflage: 2015 (26. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 366245467X
ISBN-13: 978-3662454671
Preis: 15 Euro (Softcover), 10 Euro (eBook).

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Tipps zur Lösung der häufigsten Probleme bei der Fehlersuche in der LC, um Ausfallzeiten zu minimieren. mehr

Die Qual der Zahl - Statistik für Anfänger

Allgegenwärtig und doch gering geschätzt: Statistik hat eine miserable Reputation. Ob es daran liegt, dass sich nur wenige mit der wissenschaftlichen Datenanalyse auskennen?


„Zwei mal drei macht vier, widde widde witt und drei macht neune. Ich mach‘ mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt…“ (Pippi Langstrumpf)

Statistik? Darüber gibt’s viele spöttische Sprüche – am beliebtesten wohl jener, man möge nur jener vertrauen, die man selbst gefälscht habe, üblicherweise gefolgt vom selbstgefälligen Hinweis, dass man in Mathematik schon immer schlecht gewesen sei (beifälliges Nicken der Zuhörerschaft). Kollektiv ist man sich einig, dass Statistik nur etwas für zahlenverliebte Spezialisten sei; gebraucht als probates Mittel, um den Bürgern Lügen aufzutischen. Dabei enthält diese Verschwörungstheorie einen immanenten Widerspruch: Wozu brauchte es denn Spezialisten, wenn ohnehin notorisch getrickst würde? Schummeln kann jeder Trottel (die Kunst ist vielmehr, es so zu tun, dass es keinem auffällt).

Was Statistik-Verächter ferner notorisch ausblenden: Jene, die statt auf fundierte Daten lieber auf Anekdoten aus dem Bekanntenkreis vertrauen, fallen zwangsläufig häufiger auf Scharlatane und Verschwörungstheoretiker herein. Kurios ist auch, dass sich ausgerechnet unter Statistik-Verweigerern verblüffend viele Akademiker finden. Man sollte meinen, die wüssten es besser.

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Errungenschaft der Aufklärung

Dabei ist seriöse, moderne Wissenschaft ohne ein solides, statistisch untermauertes Fundament gar nicht möglich. Wie sollte das auch gehen, angesichts der Computer- und Hochdurchsatz-bedingten Datenflut der letzten Jahrzehnte? Natürlich wird mit Statistiken oft Schindluder getrieben, aus Unwissenheit und auch aus Berechnung; doch ohne Statistik lebten wir noch in der Gedankenwelt des Mittelalters, inmitten von Geistheilern und Inquisitoren – und würden absurde Dinge glauben, etwa dass eine Zwiebel Schnupfenkranke kurieren kann, weil sie bei Gesunden die Schleimhäute reizt.

Abwegig? Keineswegs – das gesamte Gedankengebäude der Homöopathie beruht auf derlei statistisch abwegigen und seit mehr als 200 Jahren unbewiesenen Hirngespinsten (googeln Sie mal „China­rindenversuch“ und „Similia similibus“!). Rein statistisch ist die Homöopathie längst widerlegt und ein klarer Fall für die Müllhalde der Wissenschaftsgeschichte, auf der bereits Horoskope, Galens Viersäftelehre, das Wasserader-Aufspüren mittels Wünschelruten und die Heilsteintherapie „gegen Kratzzwang am After und sonstige Beschwerden“ liegen. Der Mehrheit der Bevölkerung ist das aber wurst: Sie vertraut lieber auf Kuschelpraktik als auf faktenbasierte Realität.

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„Achtung: Statistik“

Wer über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen vermag, sich jedoch bislang nicht näher mit der „Lehre von den Methoden zum Umgang mit quantitativen Informationen“ beschäftigt hat, für den bietet sich das populärwissenschaftliche Taschenbuch Achtung: Statistik der Brüder Sören und Björn Christensen als unkomplizierter Einstieg an.

Sören arbeitet als Wahrscheinlichkeitstheoretiker an der Uni Kiel, Björn lehrt Statistik an der benachbarten Fachhochschule. Seit 2012 bestücken die beiden eine Kolumne im Wochenend-Magazin Schleswig-Holstein-Journal, in der sie alltägliche statistische Sachverhalte dem mathematisch-naturwissenschaftlich unbewanderten Leser nahebringen, so dass sie „auch am Frühstückstisch gut zu verdauen sind“. Für alle behandelten Themen reiche der gesunde Menschenverstand, beruhigen sie in ihrem Vorwort. Und Formeln fehlen in ihrem Buch gänzlich.

150 ihrer Wochenend-Kolumnen haben die Christensens für ihr Buch zweitverwertet und zum Teil mit zusätzlichen Erläuterungen und Abbildungen versehen. In den jeweils ein bis zwei Seiten langen Fallbeispielen geht es um Fahrradfahrer, die scheinbar umso sicherer unterwegs sind, je alkoholisierter sie sind; um das Mysterium der 890 Meter dicken Müllschicht auf der Nordsee, und um Ärzte, die laut eigener Aussage 18 Stunden täglich arbeiten.

Wir erfahren ferner, warum in der Marktforschung die „magische“ Zahl von mindestens 1.000 Befragten oft nicht ausreicht; wie man mit nur elf Stimmen trotz 70 Millionen (!) Gegenstimmen ganz legal US-Präsident werden kann; und wieviele Panini-Sammeltütchen man kaufen muss, bis das Album voll ist (es sind 3.710).

Das Buch vermittelt in meist kurzweiliger Form ein ansatzweises Gefühl für statistische Zusammenhänge und Fallstricke. Der Leser wird künftig die mediale Berichterstattung öfter mal hinterfragen beziehungsweise anzweifeln – in manchen Fällen allerdings auch grundlos, da man nach der Lektüre genausoviel beziehungsweise genausowenig Ahnung von der mathematischen Disziplin „Statistik“ hat wie zuvor, doch nun womöglich überall „Verschwörungen“ hinter veröffentlichten Schaubildern wittert. Für die fundierte Analyse von Statistiken oder gar die selbständige Auswertung empirischer Daten reicht das Büchlein bei weitem nicht; dies liegt aber auch nicht in der Absicht der Autoren.

Etwas tiefer gräbt Walter Krämers Klassiker So lügt man mit Statistik. Die darin benutzten Fallbeispiele sind ebenfalls anschaulich und kurzweilig zu lesen, doch ist man als unbescholtener Leser weit weniger hilflos der Argumentation der Autoren ausgeliefert als beim eingangs vorgestellten Werk der Christensen-Brüder. Warum?

Nun, Krämer, ein Wirtschaftsstatistiker an der TU Dortmund, nimmt seine Leser ernst; er serviert ihnen nicht nur witzige Fallbeispiele, sondern animiert sie, selbst aktiv mitzumachen und die Gedankengänge des Autors nachzuvollziehen. Um dies zu gewährleisten, packt er (selten) eine Formel oder eine einfache Berechnung ins reichhaltig bebilderte Buch. Das fordert den Leser zwar mehr, als wenn er nur über statistische Fehl­interpretationen schmunzelte, ohne diese wirklich zu verstehen. Unmerklich aber verinnerlicht er auf diese Weise etliches an Basiswissen, egal ob es um „Trügerische Trends“ (Kapitel 6) oder um manipulativ-suggestive Fragestellungen geht, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen („Darf man beim Beten rauchen?“, Kapitel 10).

Was ist sicherer: Bahn oder Flugzeug?

Beispielhaft sei hier das Kapitel „Manipulierte Mittelwerte“ genannt. Darin hinterfragt der Autor den Mythos des angeblich „sichersten“ Verkehrmittels Flugzeug: Nach jedem Absturz und jedem Attentat wird uns in Radio und Fernsehen versichert, Flugzeuge lägen dennoch mit Abstand an Nummer eins in der „Statistik der sichersten Verkehrsmittel“.

Man darf anzweifeln, ob jene, die dies seit Jahren unbeirrt vortragen, ihr Mantra vom sicheren Fliegen jemals hinterfragt haben. Es stimmt schon: Teilt man die Zahl der Verkehrstoten im Beobachtungszeitraum durch die gefahrenen Passagier-Kilometer, so sterben in Zügen dreimal soviele Menschen wie im Luftverkehr (9 beziehungsweise 3 Verkehrstote pro zehn Milliarden Passagier-Kilometer). Doch wäre es nicht sinnvoller, fragt der Autor, die Zahl der Verkehrstoten durch die Zeit zu dividieren, die wir im jeweiligen Verkehrsmittel verbringen – sprich: sie auf die Zeit zu beziehen, die man sich potenziell in Gefahr befindet? Immerhin geht es hier ums Leben, und dessen Dauer zählt in Stunden, nicht in Kilometern.

Und in der Tat: Sobald nicht mehr „die Passagier-Kilometer, sondern die Passagier-Stunden“ von Bedeutung sind, ist das Fliegen plötzlich, oh Schreck!, dreimal gefährlicher als das Eisenbahnfahren.

Denken Sie daran, wenn Sie zu ihrer nächsten Urlaubsreise aufbrechen.

Krämers Sachbuch ist kurzweilig zu lesen und der geistige Mitnahmeeffekt ist sogar wesentlich höher als beim Christensen-Werk. Das Bestehen einer universitären Statistik-Klausur jedoch ermöglicht keines der beiden – da müssen Sie schon tiefgründigeren Stoff durchackern.

„Statistik für Dummies“

Zum Beispiel die zweite, überarbeitete Auflage von Statistik für Dummies. Mit dem, was Deborah Rumsey dem Leser auf 352 übersichtlich angelegten Seiten anbietet, scheint man fürs Grundstudium hervorragend gerüstet – egal, ob man eher in der Biostatistik, der Chemometrik, der Epidemiologie oder der Populationsökologie zuhause ist. Rumsey ist Direktorin des „Mathematics and Statistics Learning Center” an der Ohio State University – und soviel sei vorab verraten: Ihr Buch aus der „Für Dummies“­Reihe des Wiley-Verlags ist in der Tat leicht verständlich, zumindest für all jene Dummies, die sich nicht zur Randgruppe der zahlenverliebten Mathematik-Nerds zählen.

Oder, um es in korrektem „Statistisch“ auszudrücken: Sofern die Grundgesamtheit aller Laborjournal-Leser ein unsymmetrischer Datensatz ist (dessen Mittelwert sich somit vom Meridian deutlich unterscheidet), so wird selbst eine große Stichprobe in diesem Datensatz nur ganz selten einen Sheldon Cooper oder einen Leonard Hofstadter zutage fördern.

Genug gescherzt! Wie eingangs erwähnt, ist plausible Wissenschaft ohne eine statistisch untermauerte Datenerhebung und -auswertung schwerlich machbar. Schafft es Statistik für Dummies, dem studentischen Leser das dafür nötige Rüstzeug beizubringen? Nur bedingt. Auf den ersten 50 Seiten bietet Rumsey viel Geschwätzigkeit, doch kaum akademisch Notwendiges (thematisch weist ihr Buch hier deutliche Parallelen mit den beiden oben vorgestellten Sachbüchern auf). Danach wird‘s fundierter. Zwar werden durchweg nur Grundlagen und nichts Vertiefendes geboten, dies aber immerhin verständlich und unterstützt durch ein klares Layout sowie hilfreiche Abbildungen. Dennoch ist Statistik für Dummies allenfalls eine oberflächliche Einführung ins Thema; die Autorin redet zu viel drumherum und wiederholt sich ständig, liefert aber zuwenig wissenschaftlichen Praxisbezug und vor allem: zu wenige Formeln. Doch ohne gelegentliches Rechnen geht‘s nun mal nicht in der Statistik. Das begleitende Dummies-Übungsbuch kann dieses Manko nur zum Teil beseitigen, da die darin befindlichen Übungsaufgaben zu eindimensional-simpel und damit fürs Bestehen einer typisch-verzwickten akademischen Prüfung eher untauglich sind.

Kommen wir zum letzten der gesichteten Einführungswerke: zu Statistik für Mediziner und Pharmazeuten, verfasst vom britischen Biostatistiker Philip Rowe. Die in der „Verdammt clever!“-Reihe erschienene Übersetzung besitzt das definitiv langweiligste Cover, unter dem sich jedoch der mit Abstand frischeste, lesenswerteste und hilfreichste Text befindet. Für elogische Lobeshymnen fehlt an dieser Stelle leider allmählich der Platz, doch seien Sie versichert: Rowes rundum gelungenes Grundlagenwerk ist das mit Abstand beste Statistikbuch für naturwissenschaftliche Anfänger, das dem Rezensenten bislang untergekommen ist. Es balanciert präzise auf jenem schmalen Grat zwischen (zu)komplizierter Mathematik und oberflächlichem Blabla. Folgerichtiger Ratschlag: Kaufen!




Letzte Änderungen: 05.12.2015


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