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Buchbesprechung

Winfried Köppelle


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Isaak Asimov:
Experiment mit dem Tod

Broschiert: 178 Seiten
Verlag: n/a (1987)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3502511047
ISBN-13: 978-3502511045
Preis: in Antiquariaten und zum Beispiel bei www.booklooker.de zwischen 1,- und 5,- Euro

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Kleinode der Wissenschaftsliteratur (1): Tod im Abzug

Vor einem halben Jahrhundert veröffentlichte Isaak Asimov eine knapp 200-seitige Charakterstudie aus dem akademischen Milieu. Die mysteriöse Story um einen vergifteten Doktoranden besticht durch realistische Details und einen gelungenen Spannungsaufbau.

Und da liegt er nun, mausetot und auf ewig ohne akademischen Grad: der Doktorand Ralph Neufeld. Sein Oberkörper ist auf die Specksteinplatte des Abzugs gesackt, das erkaltete Gesicht der Labortüre abgewandt. Neufelds Professor Louis Brade sitzt derweil grübelnd am Tatort und hat den tausendfachen Tod vor Augen:

Er konnte ihn [...] lauern sehen, in einem halben Hundert Flaschen aus braunem Glas. Jede Flasche war deutlich etikettiert, jede mit einer speziellen Art von feinen, reinen Kristallen angefüllt. Die meisten sahen wie Salz aus. Salz konnte natürlich töten. [...] Aber die meisten Kristalle in diesen Flaschen besorgten das noch viel rascher [...] ob mit oder ohne Schmerzen – jede dieser Substanzen war ein ausgezeichnetes Heilmittel gegen irdisches Elend.

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Der Biochemiker Isaak Asimov im Jahre 1965 (noch ohne Koteletten). Sieben Jahre zuvor schrieb er das hier vorgestellte Buch. Foto: US Library of Congress

Der Chemiker Brade hat Neufelds Leichnam gefunden, und er ist auch der Hauptverdächtige. Denn sein Ex-Schützling, der unsympathische Neufeld, war ein Pedant: Dass er versehentlich Natrium­acetat mit Natriumcyanid verwechselt haben soll und beim Erhitzen des vermeintlich harmlosen Essigsäure-Salzes unerwartet an giftigen Hydrogencyanid-Dämpfen starb, ist nur schwer vorstellbar.

Nein, der Tod des Doktoranden kann kein Unfall gewesen sein. Auch wenn dies die Arbeitshypothese des ermittelnden Kriminalpolizisten zu sein scheint.

Assistenzprofessor Brade glaubt nicht daran, auch nicht an einen Selbstmord. Doch er schweigt. Denn seine ehrgeizige Gattin hält nichts davon, dass sich ihr Mann mit scheinbar abwegigen Spekulationen endgültig aus dem Rennen um die lang erhoffte Dauerstelle katapultiert. Brade möge gefälligst den Mund halten, legt sie ihm ans Herz – und sich stattdessen endlich um seine Karriere kümmern. Sonst... Mrs. Brade lässt die Konsequenzen vorerst offen. Doch man ahnt: Es steht nicht gut um unseren von ständigen Zeitverträgen zermürbten Chemie-Dozenten, der im täglichen „Veröffentliche-oder-stirb“-Rennen längst auf der Verliererseite ist.

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Unfall oder Mord?

Aber gibt es überhaupt einen Mörder? Und falls ja: wer ist es? Bereits nach knapp 40 Seiten erscheinen mindestens vier Figuren des Verbrechens höchst verdächtig: Brades smarter Chef und Institutsleiter Little­by; die eifersüchtige Lehrstuhlsekretärin; und auch die karrieregeile Gattin unseres Protagonisten. Sowie Brade selbst natürlich, der kein Alibi hat und vor dem – wie er nach und nach erfährt – sein nun mausetoter Doktorand eine panische Angst gehabt haben muss. Doch warum?

Der Kreis der Verdächtigen vergrößert sich weiter, und es wird immer deutlicher, dass der Tote ein heimliches Doppelleben als Frauenheld geführt haben muss. Als dann in Neufelds Laborbüchern auch noch gefälschte Daten gefunden werden und Brade beinahe durch die Explosion einer manipulierten Gasflasche umkommt, mündet das akademische „Hasch-den-Mörder“ in einen nervenzerreißenden Höhepunkt mit überraschender Auflösung.

Isaak Asimov dürfte den meisten als Autor von Romanen der gehobenen klassischen Science-Fiction-Literatur bekannt sein. Doch der Mann mit dem markanten Koteletten hat neben rund 500 Erzählungen und populärwissenschaftlichen Werken auch zwei Krimis geschrieben. Experiment mit dem Tod ist einer davon. Als Naturwissenschaftler, der 1948 mit 28 Jahren in Bio­chemie promoviert hatte und später als Professor an die medizinische Fakultät der Universität Boston berufen wurde, war das Schreib­talent Asimov natürlich prädestiniert dafür, einen raffinierten Mord (Mord?) im Chemielabor zu ersinnen – zumal es sich hier ja um „Science Fiction“ (= Wissenschaftsdichtung) im ureigensten Wortsinne handelt.

Wissenschaftsdichtung in Reinkultur

Das englischsprachige Original dieser Erzählung ist 1958 in Amerika als The Death Dealers erschienen. Verglichen mit dem grotten­schlecht recherchierten, weltfremden Ramsch, den amerikanische Bestsellerautoren rund um Dan Brown und David Baldacci heutzutage ihren Lesern zumuten, ist es eine wahre Freude, sich in Asimovs Charakterstudie eines universitären Instituts der 1950er Jahre zu vertiefen. Geändert hat sich nicht allzuviel seitdem – weder die Ränkespiele der Ordinarien und ihrer Untergebenen noch die für Außenstehende trist und farblos anmutende Atmosphäre, in der sich akademische Forschung gerne abspielt. Zudem fesselt die Geschichte durchweg. Beinahe jedem Kapitelende hat Asimov einen raffinierten Cliffhanger verpasst, der zum Weiterlesen zwingt.

In den letzten fünf Jahren ist dem Rezensenten lediglich ein vergleichbar realistischer Thriller aus dem akademischen Milieu untergekommen: das 2010 von der Kritik enthusiastisch gefeierte Nobelpreisträger-Drama Solar von Ian McEwan (siehe Laborjournal 1-2/2011, Seite 85). Doch Asimovs immerhin 57 Jahre alter Roman ist wesentlich spannender – und in Antiquariaten für sehr wenig Geld zu erstehen.

Nutzen Sie die Gelegenheit! Und finden Sie heraus, warum der Student Ralph Neufeld starb.




Letzte Änderungen: 02.09.2015


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