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Buchbesprechung

Kay Terpe


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Irene Pepperberg:
Alex und ich: Die einzigartige Freundschaft zwischen einer Harvard-Forscherin und dem schlausten Vogel der Welt.

Broschiert: 208 Seiten
Verlag: mvg Verlag (September 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3868820264
ISBN-13: 978-3868820263
Preis: 17,90 Euro (broschiert).



Josef Reichholf:
Rabenschwarze Intelligenz: Was wir von Krähen lernen können.

Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch; Auflage: 8 (1. März 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492259154
ISBN-13: 978-3492259156
Preis: 9,99 Euro (Taschenbuch), 8,99 Euro (Kindle Edition).



Immanuel Birmelin:
Von wegen Spatzenhirn! Die erstaunlichen Fähigkeiten der Vögel.

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Franckh Kosmos Verlag; Auflage: 1 (5. März 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3440130223
ISBN-13: 978-3440130223
Preis: 19,95 Euro (Gebundene Ausgabe), 16,99 Euro (Kindle Edition).

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Unterschätzte Piepmätze - Drei empfehlenswerte Sachbücher über Vögel

Vögel sind schlauer, als Mensch denkt: Sie können zählen, sprechen und buchstabieren, und sie nutzen eine Vielzahl an Werkzeugen.

Lange wurde die Intelligenz von Vögeln unterschätzt. Man ging davon aus, dass die geflügelten Dinosauriernachkommen im Wesentlichen von Instinkthandlungen gesteuert würden. Neueste Experimente in der Verhaltensforschung sowie neuro­bio­logische Erkenntnisse belegen: Vögel sind intelligent! Sie scheinen Gefühle zu besitzen, können komplexe Aufgaben lösen und besitzen ein Bewusstsein. Obwohl sich die Entwicklung der Gehirne von Säugern und Vögeln vor 180 Millionen Jahren getrennt hat, besitzen Vögel Zelltypen, die sonst nur in unserer eigenen Großhirnrinde vorkommen. Die im Folgenden vorgestellten Bücher setzen sich mit dem Thema „Vogelintelligenz“ auf recht unterschiedliche Art und Weise auseinander.

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Unterhaltsam: Alex und ich

Die herzergreifende Geschichte der Verhaltensbiologin Irene Pepperberg und dem Graupapagei Alex hat schon viele Leser zum Lachen und Staunen gebracht. Alex ist das Kürzel für Avian Language Experiment. Der Papagei konnte weit mehr als nur Wörter nachplappern. Er lernte zu zählen, konnte komplexe Mengenkonzepte wie „mehr oder weniger“, „größer oder kleiner“ verstehen und hatte ein Vokabular von mehr als 100 Wörtern, das er emotional einsetzte. Er erlernte die Wörter für Farben und konnte so die Zahl von farbigen unbekannten Objekten bestimmen. Interessant ist, wie der kleine Graupapagei seinen Wortschatz nutzte, um seine Interessen durchzusetzen. Da wird denn auch schon mal ein Wort buchstabiert, wenn der Trainer es nicht versteht.


In der Mitte: Irene Pepperberg – aber wer ist Alex? Foto: WUTC

Der Weg dorthin war allerdings mühsam. Jahrelanges tägliches Training war notwendig. Zum Teil seien die Arbeitsbedingungen erbärmlich gewesen, erzählt Pepperberg, und Gelder für die Untersuchung kognitiver Eigenschaften von Vögeln zu beschaffen, sei ohnehin extrem schwierig. Als gelernte Chemikerin hatte Pepperberg einen schweren Stand und regelmäßig wurden ihre Ideen als Spinnerei abgetan. Diese herben Rahmenbedingungen von nicht stromlinienförmiger Forschung in den USA werden in Pepperbergs Buch erläutert und kritisiert.

Die vielen Geschichten über Alex lockern das Buch dann immer wieder auf. Alex galt als „Einstein unter den Papageien“. Seine letzten Worte vor seinem Tod waren angeblich: „Ich liebe dich.“ Die Autorin glaubt, dass der Papagei über ein gewisses Bewusstsein verfügte. Alex starb 2007. Das Buch, 2009 erschienen, war viele Wochen lang auf der New-York-Times-Bestsellerliste vertreten.

Lehrreich: Rabenschwarze Intelligenz

Raben und Krähen sind die intelligentesten Vögel, schreibt der Evolutionsbiologe Josef Reichholf. Sie schwindeln, unterscheiden Freund und Feind und passen sich erstaunlich gewitzt an die Menschenwelt an. Sie sind Singvögel, singen aber nicht. Dennoch können sie die Menschenstimme nachahmen. Der Autor erklärt dem Leser den Unterschied zwischen Rabe, Krähe und Rabenkrähe. Man erfährt, dass die „Schwarzen“ in ihrer Familie 115 Arten umfassen und dass der Eichelhäher, die Elstern und die Dohlen dazugehören. Die Rabenvögel sind wie die Menschen Allesfresser und haben sich über die ganze Welt ausgebreitet. Ihr Ursprung liegt in Australien. Der dort lebende Paradiesvogel ist ihr nächster Verwandter. Die Zusammenarbeit der Eltern bei der Brutaufzucht und eine verstärkte Paarbildung fördern das Überleben der Nachkommen.

Am besten untersuchen kann man einen Rabenvogel, wenn man ihn nach Konrad Lorenz auf den Menschen prägt: Das erste Lebewesen, das der Vogel erblickt, muss ein Mensch sein. Dieser wird dann zum Kumpel auf Lebenszeit. Mit ihm fährt man Auto oder geht Schwimmen. Reichholfs Geschichten von diversen geprägten Vögeln und ihren Menschenpartnern veranlassen den Leser zu manchem Schmunzeln. Man erfährt, dass Rabenvögel Knoten öffnen oder Werkzeuge benutzen; sie legen Nüsse unter Autoreifen und berücksichtigen dabei die Rot- und Grünphasen einer Ampel. Auch fliegen sie so lange vor einem Hund her, bis dieser entkräftet zusammenbricht. Stehen sie vor einer nicht lösbaren Situation, fangen sie erst an sich zu putzen und finden dann eine Lösung. Analogien zum Menschen scheinen offensichtlich, denn wer von uns hat nicht erst seine Bude aufgeräumt oder die Wäsche gewaschen, ehe er endlich anfing, für die nahende Klausur zu lernen?

Trotz ihrer Intelligenz, oder vielleicht gerade deswegen, sind die Rabenvögel bei Jägern und Teilen der Bevölkerung nicht hoch angesehen und werden immer noch abgeschossen. Reichholfs Sachbuch dient somit auch zur Aufklärung, damit die Raben­vögel nicht weiter verfolgt werden.

Erstaunlich: Von wegen Spatzenhirn

Der Verhaltensforscher Immanuel Birmelin berichtet in Von wegen Spatzenhirn! über die erstaunlichen Fähigkeiten der Vögel. Er erklärt, warum Wellensittiche Geburtshilfe leisten, Graugänse Freunde brauchen und Webervögel kunstvolle Nester bauen. Man erfährt, dass schwarze Milane in Afrika Brötchen aus den Händen der Parkbesucher erbeuten, dass Reiher mit Krabben Fische angeln und Drosseln Schneckenhäuser aufhämmern. Andere Vögel hämmern nicht, sondern werfen: Raben schmeißen Nüsse auf Straßen, Möwen Muscheln und Steinadler Schildkröten, die netter Weise beim freien Fall im Sturzflug begleitet werden. Birmelin glaubt, dass die Möglichkeit des Lernens bei den Vögeln unterschätzt wurde. Ältere Vögel scheinen intelligenter zu sein als Junge. Und wie bei den Menschen macht Not erfinderisch, nach dem Motto: Kommt man an das einfache Essen nicht heran, muss man kreativ werden. Dies gipfelt in dem Bau von Werkzeugen, ursprünglich ein Alleinstellungsmerkmal der menschlichen Intelligenz. Jedoch nicht nur Menschen bauen Speere und Angelhaken!

Birmelin geht der Frage nach, wie das Vogelhirn aufgebaut ist und wo der Verstand sitzt. Wie bei Säugern gibt es bei Vögeln Phasen der Entwicklung, in der bestimmte Lern- und Denkprozesse günstig sind. Vom Autor erfährt man, was Liebe auf den ersten Blick ist und wie diese sowohl zwischen Vögeln als auch zwischen Mensch und Vogel entsteht. Laut Birmelin besitzen Vögel Gefühle wie Angst, Trauer und Freude. Allerdings seien diese schwer zu erkennen, da Vögel keine Mimik haben.

Vögel erkennen Gefühle

Überraschenderweise scheinen Vögel aber die Gemütsschwankungen bei ihrem Partner, egal ob Mensch oder Vogel, zu erkennen und in ihrem Verhalten zu berücksichtigen. Vögel, die klauen, trauen dies auch anderen zu, selbst wenn alle anderen ehrlich sind. Und einige Vögel sind Kandidaten für ein Ich-Bewusstsein – siehe Alex.

Vögel erkennen zudem Mengen, besonders gut tun dies die Kolkraben, Elstern, Graupapageien und Amazonen, gefolgt von den Wellensittichen und Dohlen. Gerade die schlauen Vögel besitzen ein ähnliches Körpermasse-/Gehirngröße-Verhältnis wie der Mensch. An der Spitze steht der Kolkrabe.

Die Lernfähigkeit der Vögel macht sich der Mensch schon lange zunutze. Greifvögel wurden beispielsweise für die Jagd gezähmt; in vielen Ländern wurde die Falknerei gar in die UNESCO-Weltliste des immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen.

Birmelins Sachbuch eröffnet dem Leser Raum für Spekulationen. Die regelmäßigen Vergleiche mit der Intelligenz des Menschen sind höchst interessant. Die Lektüre bietet Stoff sowohl für den Vogelliebhaber als auch für den Verhaltensforscher. Lesenswert!




Letzte Änderungen: 14.02.2015


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