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Buchbesprechung

Darja Henseler


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Karl Fent:
Ökotoxikologie: Umweltchemie – Toxikologie – Ökologie.

Gebundene Ausgabe: 377 Seiten
Verlag: Thieme, Stuttgart; Auflage: 4., vollständig überarbeitete Auflage. (20. Februar 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3131099941
ISBN-13: 978-3131099945
Preis: 59,99 EUR

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Globale Wechselwirkungen

Trotz DDT-Belastung erfolgreich aus dem Ei gekrochen: junger Wanderfalke in Mittelfranken. Foto: LBV, Kreisgruppe Fürth

Der Verbleib menschgemachter chemischer Substanzen in der Umwelt geht uns alle an, lehrt uns dieses Buch.

Welche Auswirkungen haben neuartige Materialien aus Nanopartikeln auf Lebewesen? Was weiß man inzwischen über hormonell aktive Stoffe? Welche bio­aktiven Pharmazeutika und Chemikalienmischungen kamen in den letzten Jahren auf den Markt, und welche Konsequenzen sind zu befürchten?

Dies sind einige der Themen, die in Ökotoxikologie abgehandelt werden. Der Autor, Karl Fent, lehrt an der Fachhochschule Nordwestschweiz und den Universitäten Zürich und Basel. Sein Wunsch: Das Buch möge die Ökotoxikologie als faszinierendes multidisziplinäres Gebiet der Umweltwissenschaften sichtbar machen und damit auch den Umweltschutz in der Praxis fördern. Gelingt ihm dies?

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Der Wunsch des Autors

Zumindest das Cover ist schon mal recht anschaulich gestaltet; das Buch selbst mit knapp 400 Seiten noch einigermaßen handlich. Es gliedert sich in elf Kapitel. Die ersten drei sind einleitend und beschäftigen sich mit der Einführung und allgemeinen Prinzipien der Ökotoxikologie.

Das vierte Kapitel behandelt die verschiedenen gängigen Untersuchungsmethoden und Testsysteme, mit denen Ökotoxikologen zu tun haben. Da davon ausgegangen wird, dass drei Viertel aller Organismen Meere und andere Gewässer bewohnen, spielen neben diversen Bakterien vor allem Fische, Krebse und andere Wasser­organismen eine große Rolle bei diesen Toxizitätstests. In Kapitel 5 bis 7 geht es um das Schicksal von Umweltchemikalien im Organismus: Begriffe wie „Bioverfügbarkeit“, „Metabolismus“ und „Bioakkumulation“ sind es, um die sich die nicht einfach zu verdauenden Texte drehen.

Generell gilt, dass lipophile Substanzen stärker an Böden und Sedimentpartikel binden und deswegen eher von sedimentgebundenden Organismen, in fettreichen Organen, angereichert werden. So enthalten Aale aufgrund ihres hohen Lipidanteils, ihrer sedimentgebundenen Lebensweise und ihres langen Lebens- und Fortpflanzungszyklus heute noch PCB-Mengen von 1 bis 10 mg PCB/kg. Der Lebensmittelgrenz­wert von 1 bis 5 mg/kg wird damit häufig überschritten (PCB steht für „polychlorierte Biphenyle“, giftige/krebsauslösende Chlorverbindungen, die seit 2001 weltweit verboten sind). Gourmets sollten dies berücksichtigen, wenn sie auf der Speisekarte ihres Lieblingsrestaurants Anguilla alla Pescatora oder Räucheraalschnitten entdecken.

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Lieber keine Aale zum Dinner!

Kapitel 8 bis 10 beschäftigen sich mit der Wirkung der Stoffe auf die Zelle, auf Individuen und Populationen und auf Lebensgemeinschaften und Ökosysteme. Die Wirkungen verschiedener Chemikalien, Metalle und Herbizide auf die Zellmembran und in der Zellmembran befindlicher Strukturen (wie Ionenkanäle und Rezeptoren) werden erläutert. Zum Beispiel am Pestizid DTT, das bei gewissen Vogelarten, etwa Wanderfalken, zu abnorm dünnen Eischalen und damit langfristig zu einem starken Populationsrückgang führt. Kapitel 11 behandelt dann noch gesetzliche Regelungen durch die EU, ferner Risikoabschätzungen und -beurteilungen.

Inhaltlich wiederholt sich manches, was aber unvermeidbar ist, da einige Kapitel gemeinsame Schnittmengen haben. Was dem Buch jedoch gelingt: Es schafft ein Bewusstsein dafür, wie viele gesundheitsgefährdende Stoffe sich bereits in unserer Nahrungskette angesammelt haben und welche Toxizitätseffekte dies zur Folge haben kann. Gerade über einen langen Zeitraum in kleinen Dosen akkumulierte Stoffe können zu allerlei chronischen Schäden führen, die man zunächst gar nicht im Blick hat.

PCB längst global verbreitet

So sind zum Beispiel PCB ab einer bestimmten Akkumulationsdauer kanzerogen und zeigen zudem negative Auswirkungen auf das Immun-, Hormon- und Reproduktionssystem. Da sie chemisch-physikalisch und biologisch recht stabil sind, findet man sie längst überall, sogar in den Polar­regionen. Auch finden sich im „Fent“ viele interessante Informationen über akute und chronische Auswirkungen aktuell verwendeter Substanzen, wie sie auch bei Chemieunfällen in der Vergangenheit regelmäßig aufgetreten sind.

Ein großes Manko des Buches ist dessen trockene Sprache. Das Lesen gestaltet sich stellenweise zäh und anstrengend. Es gibt zwar genügend Bilder und Tabellen, die den Text auflockern, aber eben nur visuell. Schade, denn die Informationen wären geeignet, etwas lebendiger und lockerer aufbereitet, eine starke Faszination für die Ökotoxikologie zu wecken – und dies ist ja wie erwähnt ein Ziel des Autors. Wegen der mangelhaften didaktischen Umsetzung werden die vielen interessanten ökotoxikologischen Informationen somit nur ein paar Fachleute erreichen, und das ist schade.




Letzte Änderungen: 30.08.2013


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