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Filmbesprechung

Winfried Köppelle


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More Than Honey

Senator-Film, 91 Minuten, 2012.
Regie: Markus Imhoof;
Produktion: Thomas Kufus, Pierre-Alain Meier, Helmus Grasser und Markus Imhoof;
Kamera: Jörg Jeshel;
Makrokamera: Attila Boa.
Kinostart: 8. November 2012
(DVD/Blu-ray erscheint im Frühjahr 2013).



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Apokalypse Bien

Industrielle Massenbienenhaltung in Kalifornien (Szenenfoto aus More Than Honey). Foto: Senator Entertainment

Das neue James-Bond-Abenteuer „Skyfall“ lockte bisher sechs Millionen Zuschauer in deutsche Kinos, die Umwelt-Dokumentation „More Than Honey“ keine 50.000. Zu Recht?

Wie es scheint, sind den deutschen Programmkinomachern die miserablen Zuschauerzahlen peinlich. Während wöchentlich mit viel Tamtam bekanntgegeben wird, wie viele Kinogänger in aktuelle Blockbusterproduktionen wie Skyfall strömten, sucht man bei den Arthouse-Leuten lange vergeblich nach konkreten Zahlen.

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Ruft man zum Beispiel bei Hermann Thieken an, seines Zeichens Chefredakteur der verbandseigenen Filmkunstplattform Programmkino.de, so wird man rüde abgewimmelt. Konkrete Zahlen möchte er nicht herausrücken, der herrisch auftretende Kunstkinoexperte aus Osnabrück; stattdessen legt er mitten im Gespräch den Hörer auf. Im Filmgeschäft sind nachfragende Journalisten wohl nicht erwünscht. Vielleicht fürchten die am Dauertropf der Filmförderung hängenden Qualitätsfilmer ja auch, die mickrigen Zahlen könnten künftige Unterstützungsgelder aus der Staatskasse negativ beeinflussen.

Dabei gibt es doch gar keinen Grund, sich zu schämen. Massengeschmack ist eben nicht kunstkompatibel, und mit 41.450 Zuschauern, die laut Senator-Filmverleih binnen zwei Wochen das Bienendrama More Than Honey besuchten, ist dem Schweizer Filmregisseur und Drehbuchautor Markus Imhoof sogar ein regelrechter Erfolg gelungen. Imhoof ist ein Promi unter den sogenannten Arthouse-Filmern und war 1981 sogar mal für einen Oscar nominiert. Zu den Bienen kam der Hobby-Imker über seine Familie: Seine Großvater war Großimker und ging später pleite, und Imhoofs Tochter und Schwiegersohn betreiben in Australien Bienenforschung mit dem Ziel, robustere und weniger Parasitenanfällige Arten zu züchten (in More Than Honey behandeln die letzten zehn Minuten die vergangene und aktuelle Familiengeschichte des Regisseurs).

Fünf Jahre habe er an diesem Film gearbeitet, so Imhoof. Hat es sich für die Zuschauer gelohnt?

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Fünf Jahre Drehzeit

Der Würzburger Bienenprofessor Jürgen Tautz war als einer der Ersten im Kino und er hatte viel Platz. Besonders viele zahlende Gäste seien es nicht gewesen, erzählte er dem Laborjournal-Redakteur am Telefon; vielleicht acht, höchstens zehn Zuschauer. Der Redakteur wiederum besuchte zwei Wochen später in Regensburg eine samstägliche 16:30 Uhr-Vorstellung mit seinem Sohn, und überraschenderweise war das Kino mit über 80 Zuschauern gut gefüllt. Offensichtlich haben die bisher wohlwollenden Kritiken die Leute neugierig gemacht.

Dem Redakteur und auch dem ihn begleitenden Zweitklässler gefiel der Film gut. Die Nahaufnahmen aus dem Bienenstock und im freien Flug sind beeindruckend, auch wenn die Kameraleute gelegentlich mit einem Stückchen Draht oder ähnlichen Tricks nachgeholfen haben (dies verriet uns übrigens Tautz, der aus eigener Erfahrung weiß, dass Aufnahmen etwa einer Königinnenbegattung im Freiflug unmöglich sind; bei genauem Hinsehen erkennt man in der Tat die „Fesselung“ der Königin).

Hauptthema des Films ist die abartig wirkende Massenbienenhaltung in den USA, die zur Bestäubung gigantischer, pestizid-besprühter Mandelbaumplantagen nötig ist. Per LKW und in vielen hundert Körben wird eine halbe Milliarde Bienen von Monokultur zu Monokultur gekarrt – sind die Mandeln verblüht, geht‘s weiter zu den Kirschplantagen. Später reisen wir in die Schweiz, wo beim scheinbar ökologisch imkernden Alm-Öhi die Welt auch nicht mehr wirklich in Ordnung ist, und nach China, wo Wanderarbeiter mit Pollenpinseln die während der Kulturrevolution ausgerotteten Bienen ersetzen müssen. Und es geht, natürlich, ums Bienensterben, um die Varroamilbe und um mögliche weitere Ursachen.

Bisweilen reisst der rote Handlungsfaden; auch wirken die einzelnen Episoden etwas zu willkürlich aneinandergereiht – und dennoch: Der Besuch lohnt sich.




Letzte Änderungen: 27.12.2012


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