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Buchbesprechung

Diana Maier


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William Purves, David Sadava, Gordon Orians & Craig Heller: Biologie

Gebundene Ausgabe: 1780 Seiten
Verlag: Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: 9 (2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3-8274-2650-2
ISBN-13: 978-3-8274-2650-5
Preis: 69,95 EUR

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Mit einem neuen Layout steigt „der Purves“ in den Ring, um den Kampf um das beste Grundlagenlehrbuch der Biologie erneut anzufachen.

Es ist ein riesiger Wälzer, der sich da auf dem Tisch breit macht. Allein durch seinen Umfang wirkt er furchteinflößend. Mit den Dimensionen 27 x 21 x 8 Zentimeter und einem Gewicht von vier Kilogramm ist Biologie kein Buch, das man ständig als Nachschlagewerk mit sich herumträgt. Auf dem Sofa oder im Bett hat man das Gefühl, von der Masse des Buches erdrückt zu werden, und das vergnügliche Lesen wird schnell zu einem körperlichen Kraftakt. Lohnt sich die Lektüre trotzdem?

Die einzelnen Kapitel starten jeweils mit einer kurzen, mehr oder weniger gut verständlichen Geschichte, die einen roten Faden zum Lehrstoff spinnt: Ereignisse aus der Vergangenheit werden wieder aufgerollt, Entdeckungen großer Forscher dargestellt und an einer Stelle zollen die Autoren sogar Steven Spielbergs Kinoklassiker „Jurassic Park“ Tribut. Begegnet einem im Text ein Fremdwort, so wird es oft direkt dahinter in Klammern erklärt. Man erspart sich dadurch das leidige Nachschlagen in anderen Büchern oder im Internet.

Am Kapitelende steht nicht nur eine kurze Zusammenfassung, sondern auch einige Fragen, um das Gelesene zu festigen und zu überprüfen. Heutzutage ist das ja Standard bei derartigen „Super“-Lehrbüchern.

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Produktives Pipettieren von 1 bis 384 Kanälen mehr

Dick aufgetragen?

Dick aufgetragen ist nicht immer die reine Freude. Hält die Biologie von Purves et al., was ihr Umfang verspricht? Foto: Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz

Die Autoren geben darüber hinaus Anregungen zu Diskussionen und ermuntern den Leser, eigene experimentelle Ansätze zu finden, um diverse biologische Hypothesen zu belegen. Hierbei wird der Leser mit „Sie“ angesprochen; dies mag für ein aus den USA stammendes Lehrbuch gewöhnungsbedürftig sein. Aber man gewöhnt sich daran.

Etwas unglücklich gewählt sind die Kapitelüberschriften. Wenn man nach einzelnen Tiergruppen sucht, gibt es keinen Hinweis darauf, dass und gegebenenfalls wo sie im Buch auftauchen. Stattdessen springen einem Überschriften wie „Protostomier“ und „Deuterostomier“ ins Auge. Für einen Anfänger ist nicht unbedingt ersichtlich, was sich dahinter verbirgt. Die ein paar Seiten später auftauchende Unterteilung mit Hilfe von Unterkapiteln macht die Sache auch nicht wirklich einfacher. Die Titel sind zu lang und lassen einen darüber rätseln, was im betreffenden Kapitel behandelt werden könnte.

Zäher, redundanter Beginn

Das erste Kapitel des Buches startet mehr schlecht als recht. Die Autoren versuchen, alle Facetten der Biologie in einen logischen Zusammenhang zu bringen, was an sich eine gute Idee ist. Leider werfen sie innerhalb kürzester Zeit mit zu vielen Begriffen und Informationen um sich und behandeln die Materie teilweise so ausschweifend, dass der Anfänger geradezu erschlagen wird: Die Folge ist Kopfchaos statt Verständnis.

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Ein weiterer Kritikpunkt: Die Autoren greifen in den ersten Kapiteln mehrfach und ausführlich dem vor, was im hinteren Buchteil ohnehin ausführlich zur Sprache kommt. So etwa in Kapitel 31 „Die Entstehung der Tiere und die Evolution ihrer Körperbaupläne“; dort geht es zum Beispiel um die Frage „Wie erlangen Tiere ihre Nahrung?“. Statt aber nur kurz zu erwähnen, wie sie das tun, folgt eine langatmige und weitläufige Auseinandersetzung mit dem Thema, die jedoch andererseits auch wieder unzureichend ist. Daher wird das Gesagte in Kapitel 51 „Ernährung, Verdauung und Resorption“ wiedergekäut, nochmal beschrieben und noch näher erläutert. So etwas nennt man Redundanz.

Gut gefallen haben die vielen farbigen Graphiken, die für die aktuelle neunte Ausgabe überarbeitet wurden. Das Buch erhält mit ihnen einen frischen Charakter und das im Text vermittelte Wissen wird adäquat bebildert. Weniger anfreunden kann sich dieRezensentin mit den vor Jahren eingeführten Sprechblasen. Stellenweise verleihen sie dem Buch den Charakter eines Comic-Hefts. Naja, wem‘s gefällt...

Starke Online-Vernetzung

In den einzelnen Kapiteln wird immer wieder auf die hervorragende Internet-Anbindung dieses Biologielehrbuchs hingewiesen. Und diese darf man mit Fug und Recht ein Highlight nennen: Beispielsweise ist es möglich, mittels „Flashcards“ die Definitionen verschiedener Begriffe zu rekapitulieren (diese werden natürlich zunächst nicht angezeigt, so dass man erst einmal seinen eigenen Kopf anstrengen muss).

Unter dem Menüpunkt „Activities“ findet man chemische Formeln, biologische Strukturen oder Prozesse und vieles mehr, dem man die entsprechenden vorgegebenen Begriffe zuordnen muss. Hat man die Aufgabe erfüllt, erscheint eine kurze Erläuterung dazu. Man glaubt es kaum, aber dieses Lernen macht enorm Spaß und ermuntert zum Weitermachen.

Der Purves Biologie ist kein Ersatz für ein tiefer gehendes Spezial-Lehrbuch; diesem Anspruch kann er trotz 1780 Seiten Umfang angesichts der Themenfülle nicht gerecht werden. Jedoch ist er bestens geeignet für einen spannenden Einstieg in die Biologie.

Doch wer wird den Kampf um das beste Grundlagenlehrbuch gewinnen? Das entscheiden nicht zuletzt Sie – als Leser und potenzieller Käufer.




Letzte Änderungen: 11.07.2012


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