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Buchbesprechung

Christine Hassler


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Hugh Aldersey-Williams: Das wilde Leben der Elemente. Eine Kulturgeschichte der Chemie.

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & CO. KG (29. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446426868
ISBN-13: 978-3446426863
Preis: 24,90 EUR

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Leuchtende Scheinchen

Hinter einem etwas irreführenden Buchtitel versteckt sich ein Sammelsurium unterhaltsam-witziger Alltagsgeschichten rund um die Chemie.

Wenn Sie das nächste Mal eine DNA-Bande ausschneiden, dann halten Sie doch mal einen Fünf-Euro-Schein ins UV-Licht. Sehen Sie, wie die Sterne auf der Vorderseite rot aufleuchten und sich auf der Rückseite eine grüne Brücke über einen blau strahlenden Fluss spannt? Dann können Sie ziemlich sicher sein, dass Sie keine Blüte in der Hand halten, denn dieses Leuchten kommt von Spezialtinte, die Euronoten fälschungssicher machen soll. Welche chemischen Komponenten dafür benutzt werden, hält die europäische Zentralbank streng geheim; dies hinderte zwei niederländische Chemiker aber nicht daran, ihre eigene kleine spektroskopische Analyse durchzuführen und herauszufinden, dass in ebendieser Spezialtinte ein chemisches Element enthalten ist, das für diesen Zweck einfach perfekt passt – und keineswegs nur in wissenschaftlicher Hinsicht.

Aber lassen Sie uns zuerst über das Buch reden.

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Produktives Pipettieren von 1 bis 384 Kanälen mehr

Bunte Bank

Wenn Sie hier unter UV-Licht rote Sternchen und grüne Brücken sehen, dann sollten Sie schleunigst einen Augenarzt konsultieren. (Foto: Bunte Bank)

„Kulturell sortierte“ Elemente

Das wilde Leben der Elemente ist kein Chemiebuch, sondern der über 400 Seiten starke Versuch einer Synthese von Natur-und Kulturwissenschaft, Kunst und Geschichte – mit den chemischen Elementen als zentralen Figuren. Wer könnte diese Herausforderung besser meistern als ein Journalist mit naturwissenschaftlicher Ausbildung und ausgeprägtem Interesse an Kunst und Kultur?

Der 53-jährige Brite Hugh Aldersey-Williams arbeitete zunächst als Technikredakteur, doch „after a string of increasingly disastrous editorial positions“ wagte er 1986 den Sprung in die Selbständigkeit und konnte dadurch „endlich über das schreiben, was mich an Wissenschaft und Technik wirklich interessierte“. In seinem neuen Buch stellt er nicht ein Element nach dem anderen vor oder folgt gar der Reihenfolge des Periodensystems; stattdessen ordnet Aldersey-Williams die Elemente kulturellen Themenkreisen zu, die die Menschheit seit jeher beschäftigten.

Nehmen wir zum Beispiel das Thema ‚Macht‘: Hier finden wir Elemente, die gerne angehäuft und dazu benutzt wurden, Kontrolle auszuüben: Gold, Kohlenstoff, Eisen und Plutonium. Während das Kapitel ‚Feuer‘ von Elementen handelt, die mit Verbrennung und der Erzeugung von Licht zu tun haben, begegnen wir im Kapitel ‚Schönheit‘ einer Reihe von Elementen, die wunderbar gefärbte, teils hochgiftige Verbindungen bilden. Hierzu gehört Arsen, das auch in der Beseitigung unliebsamer Verwandtschaft Verwendung findet und sich so den Spitznamen ‚Erbschaftspulver‘ redlich verdient hat.

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Rostende Zinnmänner?

Die Geschichten, die uns Aldersey-Williams über die Entdecker, kulturelle und literarische Bedeutung, Verwendung und Mythologie der Elemente erzählt, sind informativ und vielfältig. Wir erfahren zum Beispiel, dass die Entdeckung des Palladiums der Welt per Flugblatt verkündet wurde, und dass der Nobelpreisträger Fritz Haber versuchte, im Meerwasser gelöstes Gold zu gewinnen, um Deutschlands Kriegsschulden zu begleichen.

Hochinteressant wird es auch, wenn der Autor die Rolle der Elemente in der Literatur analysiert: So beschrieb Agatha Christie in Das fahle Pferd die Symptome eine Thalliumvergiftung korrekt, während Frank Baum offensichtlich schlecht recherchierte und seinen Zinnmann im Zauberer von Oz ungeniert rosten ließ. Auch andere Branchen bedienen sich des Glanzes der Elemente, wenn auch nur beim Namen; oder wollen Sie nicht auch statt Ihrer Blech- lieber eine Gold- oder gar Platin-Kreditkarte?

Aber auch der eingangs erwähnte Fünf-Euro-Schein hat es in sich. Der enthält nämlich in seiner Spezialtinte ein Element mit Namen Europium. Dazu muss man wissen, dass Europium bereits 1901 entdeckt und benannt worden ist, und zur großen Gruppe der Seltenen Erden gehört, deren andere Mitglieder sehr ähnliche Eigenschaften aufweisen und wohl ebenfalls für Spezialtinte getaugt hätten. Aldersey-Williams hat nach eigenen Angaben ausführlich recherchiert und es trotzdem nicht geschafft, das clevere Kerlchen hinter dem Europium-Einsatz im Euro ausfindig zu machen – schade.

Fazit: Launiger Streifzug

Auch wenn der englischsprachige Originaltitel Periodic Tales: The Curious Life of the Elements den Flair dieses Buchs noch etwas besser wiedergibt: Die von Friedrich Griese übersetzten Geschichten sind gut verständlich, unkompliziert, humorvoll und nur gelegentlich etwas blumig. Diverse Anekdoten seiner eigenen Elemente-Sammlung, dazu Experimente und Reisen, die er um des Buches Willen unternommen hat, verleihen seinem Werk einen erfrischend persönlichen Anstrich. Und dann noch all die spannenden, unterhaltsamen und erstaunlichen Geschichten rund um die Elemente ...

– Na, schon den Trick mit dem Fünf-Euro-Schein ausprobiert?




Letzte Änderungen: 31.05.2012


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