Info

Buchbesprechung

Winfried Köppelle


Info

Info

Optimiert in Form & Funktion. epT.I.P.S. ® Box 2.0! mehr



Diana Preston: In den eisigen Tod. Robert F. Scotts Expedition zum Südpol.
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (22. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3421044546
ISBN-13: 978-3421044549
Preis: 22,99 EUR



Robert Falcon Scott: Letzte Fahrt – Auszug Scotts Tagebuch.
Taschenbuch: 164 Seiten
Verlag: tredition (6. Dezember 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3842493398
ISBN-13: 978-3842493391
Preis: 12,90 EUR

Info

Info

Info

Tipps zur Lösung der häufigsten Probleme bei der Fehlersuche in der LC, um Ausfallzeiten zu minimieren. mehr

Scott 1

Ernüchterung am Pol: Die Südpolarforscher Henry Bowers, Robert Scott, Edward Wilson (hinten), Edgar Evans und Lawrence Oates (vorne).

100 Jahre Südpoleroberung: In den eisigen Tod & Scotts Tagebuch
Klatschnass in Rentierfellsäcken

Ist es Forschergeist oder Wahnsinn, wenn man im polaren Winter bei minus 61 Grad Celsius zum Pinguineier-­Sammeln loszieht und sich im Angesicht des baldigen Erfrierungs­todes schwere Gesteinsbrocken auf den selbstgezogenen Schlitten lädt?

Der 9. Februar des Jahres 1912 war für die fünf wackeren Naturforscher ein höchst erfolgreicher Tag: Wir befanden uns unter senkrecht abfallenden Klippen aus Beacon-Sandstein, der rasch verwitterte und wirkliche Kohlensäume aufwies. Hier hat Wilson mit seinen scharfen Augen verschiedene Abdrücke dicker Pflanzenstengel ausgemacht, die ihre Zellstrukturen erkennen ließen. An einer Stelle sahen wir den Abdruck kleiner Wellen auf dem Sand. Heute Abend hat Bill eine Kalksteinprobe mit Archäozyathiden gefunden [...] Insgesamt verlebten wir einen hochinteressanten Nachmittag.

Info

Info

Info

Produktives Pipettieren von 1 bis 384 Kanälen mehr

Die fünf stapften in knapp 3.000 Metern Höhe umher, am oberen Teil des Beardmore-Gletschers inmitten der antarktischen Eiswüste, gut 500 Kilometer vom geografischen Südpol und fast 1.000 Kilometer vom Basiscamp am Rande des Ross-Eisschelfs entfernt. Die miserabel vorbereiteten und unzureichend ausgerüsteteten Forscher hatten wenige Tage zuvor ihr eigentliches Missionsziel deutlich verfehlt; ausgemergelt, erschöpft und enttäuscht schleppten die Männer ihren schwerbeladenen Lastschlitten durch die Eiswüste zurück in Richtung Norden. Alle litten an Skorbut, einer an Schneeblindheit, einen weiteren behinderte eine Sehnenzerrung am Bein. Der vermeintlich Kräftigste hatte eiternde, nicht heilende Schnittwunden an den Händen. Und sein Kollege hinkte seit Tagen: Sein Fuß war erfroren. Dazu kamen alle daher wie Klappergestelle. Seit Wochen hungerten sie.

Ihr Expeditionsleiter, der 43-jährige Marine-Offizier Robert Falcon Scott, fasste in seinem Tagebuch die aktuelle Lage seines Trupps wie folgt zusammen:

Wir haben unsere siebenwöchige Reise mit den Zelten auf dem Eis durchgestanden, und die meisten von uns sind fit. (...) Wir werden es mit Gottes Hilfe schon schaffen. Wir sind keinesfalls ausgelaugt.


Info

Info

Wagen Sie einen Blick über die Schulter von Experten und registrieren Sie sich jetzt kostenlos! mehr

Scott 2

Der britische Parasitologe Edward Atkinson in seinem Labor im Basislager bei Kap Evans. Er war der einzige Mediziner, der die Leichen Scotts und seiner Begleiter noch zu Gesicht bekam.

Fünf tote Helden

Das nennt sich dann wohl britisches Understatement. Acht Wochen später waren Scott und seine Weggenossen mausetot. Verhungert und erfroren, nur 18 Kilometer vom rettenden Nahrungs- und Brennstoff-Hauptdepot entfernt. Ein halbes Jahr später fand ein Suchtrupp der im Basiscamp zurückgebliebenen Kameraden die Leichen von Scott und zwei seiner Begleiter. Sie liegen noch heute am Fundort. Die anderen beiden fand man nie.

Das britische Empire feierte einen toten Helden, das junge Königreich Norwegen in Person des erfolgreicheren Südpol-Bezwingers Roald Amundsen allerdings sogar einen lebenden. Fünf Wochen früher war er am Südpol gewesen. Die Wissenschaft allerdings war den fünf Toten dankbar, bewiesen die gesammelten Gesteinsproben doch erstmals, dass Antarktika früher einmal mit Vegetation bedeckt und Teil eines großen halbtropischen südlichen Erdteils – des sogenannten Gondwanalandes – gewesen war, das man bis dahin nur für einen Mythos gehalten hatte.

Und Mitglieder des British Antarctic Survey lobten:
Die Pflanzenfossilien [...], die auf dem Beardmore-Gletscher gesammelt und zusammen mit ihren Leichen gefunden wurden, waren von besonderer Bedeutung. [...] Amundsen gewann zwar den Wettlauf, aber seine Anstrengungen waren im Hinblick auf wissenschaftliche Erkenntnisse praktisch ergebnislos.


Bizarres Eis-Drama

Die britische Schriftstellerin Diana Preston hat das britische Expeditionsdrama der Jahre 1911/1912 im antarktischen Eis anhand zahlreicher Originalquellen minutiös und fesselnd nachgestellt. Als Hauptquelle diente ihr Scotts Tagebuch, das der unglückliche Polarpionier bis zu seinem Erfrierungstod (wahrscheinlich am 29. oder 30. März 1912) führte, sowie die von ihm und seinen Kameraden an ihrer letzten Ruhestätte, dem zugeschneiten Zelt, hinterlassenen Briefe und sonstigen Aufzeichnungen.

Wollen Sie einen Eindruck davon erhalten, wie Entdecker und Naturforscher wenige Jahrzehnte nach Darwin dachten, fühlten und handelten und mit welch vorsintflutlichen Hilfsmitteln sie ihre Entdeckungen – zumeist unter Lebensgefahr – bewerkstelligten? Lesen Sie dieses Buch! Wollen Sie ein Gefühl bekommen für die typisch britische Lebens- und Wesensart (die snobistisch-schmerzfreie, grotesk-sportliche „Britishness“)? Lesen Sie dieses Buch! Wollen Sie einfach nur entspannen und ein hochdramatisches Abenteuer miterleben, das anrührt, mitreißt, Staunen macht und das sich kein Drehbuchautor besser hätte ausdenken können? Lesen Sie dieses Buch!

Obwohl die Autorin streng sachlich und quellengestützt vorging, kennt der Rezensent keine Nacherzählung der gescheiterten britischen Südpol-Expedition unter Robert F. Scott, die so nah am Geschehen ist und derart unter die Haut geht wie die vorliegende (und er hat so manche gelesen). Prestons nüchterner Stil eignet sich perfekt, um den oftmals bizarren Gedankengängen und Unternehmungen der Protagonisten Leben einzuhauchen; gelegentlich erinnert das Geschehen an einen mit todernster Miene dargebotenen Monty-Python-Klamauk. Dabei ist das alles so passiert!


Scott 3

Angewandte Verhaltensforschung: Das scheinbar spaßige Fotomotiv hat ernsten Hintergrund. Scott und seine Männer waren blutige Anfänger und mussten den Umgang mit Schlittenhunden von Grund auf erlernen.

Groteske Szenen

Erfreulicherweise beschränkt sich das Buch nicht „nur“ auf den entscheidenden Vorstoß zum Südpol ab November 1911 (dieser wird vergleichsweise knapp abgehandelt). Denn dadurch kommt der Leser in den Genuss, die forscherischen Tätigkeiten der britischen Polar-Nerds mitzuerleben – und die sind mal streng wissenschaftlich, aber auch allzuoft grotesk-clownesk. Das bloße Erreichen des Südpols – schon vor hundert Jahren für die britischen Medien der beinahe einzige Zweck der Scottschen Expedition – wurde von den Teilnehmern selbst eher als nebensächlich betrachtet. Zumindest nach offizieller Diktion.

Auf den ersten knapp 200 Seiten des Buchs erfahren wir eine Menge über die „Anläufe zum großen Wettrennen“ (als das man es später hochstilisierte) zwischen Scott und Amundsen, über das Leben der Protagonisten („Scotts frühe Jahre“) – und über die unmittelbare Vorgeschichte. Denn es gab bereits neun Jahre zuvor eine erste, ebenfalls von Scott geleitete Reise in die Antarktis: die „British National Antarctic Expedition“ (auch als „Discovery-Expedition“ bekannt). Bei dieser kam es zu kuriosen Szenen, etwa als die damals gänzlich unerfahrenen britischen Polarkreis-Novizen erstmals mit Skiern, Schneeschuhen, Schlittenhundgespannen und Ähnlichem in Berührung kamen: Sie beschlossen, ihre Theorien einem Test zu unterziehen und jeder stellte ein Hundeteam zusammen. Zunächst konnte keines der beiden Gespanne auch nur zum Start überredet werden. Nach einer Zeit wilden Durcheinanders mit sich überkreuzenden Spuren im Schnee und einigen brutalen Rangeleien gelang es Bernacchi endlich, die Tiere in einen Trott zu versetzen, der aber beim Aufstieg an einem steilen Schneehang in eine so wilde Raserei ausartete, dass er nur noch keuchend hinterher rennen konnte. Das andere Team weigerte sich, sich auch nur in Bewegung zu setzen. [...] Aber wenn der Vorfall irgendeinen Beweis lieferte, dann dafür, dass Scott und seine Leute über die Arbeit mit Hunden noch viel lernen mussten.

Umso skurriler wirken solche Szenen, als die norwegischen Polarforscher um Fridtjof Nansen und Roald Amundsen zu diesem Zeitpunkt bereits teils jahrzehntelange Erfahrung mit Skiern, Hundeschlitten, dem Iglubau und der Kleidungsherstellung vor Ort hatten – alles Dinge, in denen Scott und seine Leute sich wie blutige Anfänger aufführten. Den Start eines antarktischen Erkundungstrupps etwa beschreibt die Autorin so: Er [Scott] sah sie mit einer gewissen Verzweiflung losziehen, denn er war sich der sehr begrenzten Erfahrung seiner Männer bewusst – sie wussten nicht, wie ihre Kocher funktionierten, wie sie mit ihren Hunden umgehen, ja nicht einmal, wie sie sich richtig anziehen sollten.


Schmerzfrei und naiv

Logischerweise schlitterten die Hobbypolarforscher von einem lebensbedrohlichen Schlamassel in den nächsten, etwa bei einem eigentlich harmlosen Ausflug ins Umland, dem prompt auch gleich ein Teammitglied zum Opfer fiel (der Bemitleidenswerte rutschte mit seinen profillosen Fellschuhen einen Steilhang hinunter ins offene Meer und ward nie mehr gesehen). Scotts engster Vertrauter, der Arzt und Ornithologe und spätere Kaiserpinguin-Experte Edward Wilson, stellt in seinen Notizen deprimiert fest:

Mit der einzigen Ausnahme von Hodgson [Thomas Vere Hodgson, dem damaligen Direktor der Meeresbiologischen Laboratorien von Plymouth] sind wir alle in allen Dingen entsetzlich unbeleckt, bis auf elementare Kenntnisse in unseren jeweiligen Tätigkeitsbereichen.

Mit anderen Worten: Die Expeditionsmitglieder hatten Ahnung davon, wie man ein Schiff steuert, Pinguin-Parasiten mikroskopiert oder einen Kuchen backt. Vom Überleben in Eis und Schnee wussten sie nichts. Dies hinderte den erwähnten Wilson jedoch nicht daran, mit dem unverbrauchten Eifer der Jugend wie ein zweiter Charles Darwin eine Unmenge zoologischer Beobachtungen zu machen, Tierpräparate herzustellen und zahllose Zeichnungen der von ihm beobachteten Objekte und Landschaften anzufertigen.


Scott 4

Die Polarwinter-Wanderer (von links) Edward Wilson, Henry Bowers und Apsley Cherry-Garrard nach ihrer Rückkehr ins Basiscamp am 1. August 1911. Der Assistenzbiologe Cherry-Garrard verlor auf dem Kurztrip im Dienste der Pinguin­forschung die meisten seiner Zähne.

Polare Dauerdiät

Auch die Frage der richtigen Ernährung der Teammitglieder war umstritten. Der offizielle Expeditionsarzt Reginald Koett­litz (von Zeitgenossen beschrieben als „gute, ehrliche Haut, aber außerordentlich arm an gesundem Menschenverstand“) offenbarte recht eigenwillige Ansichten zum Thema Skorbut.

Koettlitz glaubte, entgegen dem Kenntnisstand der damaligen Medizin, dass die gefürchtete Vitamin-C-Mangelkrankheit „durch Gift aus verdorbener Nahrung“ verursacht werde. Also lehnte er die schon damals übliche Zitronensaft-Prophylaxe ab. Dass dies der Gesundheit der Teilnehmer nicht zuträglich war, kann man sich denken – zumal auf den wochenlangen Wanderungen durchs ewige Eis ohnehin Schmalhans Küchenmeister war. Pro Tag kalkulierten Scott und seine Berater mit 4.200 bis 4.600 Kilokalorien pro Mann – bei Schwerstarbeit und arktischer Kälte. Heute weiß man, dass dies kaum mehr als die Hälfte der benötigten Nahrungsmenge war – kein Wunder, dass die Unternehmung letztlich im Desaster endete.


Zartbesaiteter Held

Vor hundert Jahren scheint es nicht einfacher gewesen zu sein als heute, Geld für aufwändige Forschungsprojekte aufzutreiben. Scotts jahrelange Hauptbeschäftigung bestand jedenfalls darin, bei potenziellen Sponsoren um Fördermittel zu betteln. Die Autorin beleuchtet auch ausführlich Scotts widersprüchliches, zartbesaitetes Wesen. Als Expeditionsleiter war dieser ja zuallererst verantwortlich für das Wohlergehen seiner menschlichen Untergebenen. Seltsamerweise aber hatte der Offizier entsetzliche Skrupel, als es in einer lebensbedrohlichen Notsituation 280 Kilometer vom Basislager entfernt – sein Begleiter Ernest Shackleton atmete kaum mehr und spuckte Blut – um die Frage ging, wie man mit den ebenfalls geschwächten und daher zur Last fallenden Schlittenhunden verfahren solle:

Diesen sentimentalen Engländern wäre es niemals in den Sinn gekommen, die Hunde aufzuessen, wie dies Amundsen tun sollte. Hätten sie das getan, hätten sie ihren Skorbut gelindert.

Am Ende war Scott zu seinem Leidwesen gezwungen, die kranken, erschöpften Hunde doch töten zu lassen:

Der Tod der Hunde löste bei Scott tiefe Betroffenheit aus: „Dies war die aller traurigste Szene; ich glaube, uns war allen zum Weinen zumute.

Seinen Landsmann und späteren Rivalen Shackleton schickte Scott übrigens wenig später aufgrund seiner fortwährenden gesundheitlichen Probleme nach Hause. Fünf Jahre später, 1908, kehrte Shackleton in die Antarktis zurück: als Leiter einer eigenen Expedition. Auf dieser erreichte um ein Haar er selbst als Erster den Südpol. Nur 180 Kilometer fehlten.


Die Pinguin-Eier-Episode

Die vielleicht skurrilste Unternehmung während Scotts zweiter Antarktis-Expedition in den Jahren 1911/12 ereignete sich unmittelbar vor der eigentlichen Haupt-Tour zum Pol: Drei seiner Mitstreiter begaben sich vorab, Ende Juni 1911, auf eine südpolare Vogelexkursion. Die Naturfreaks wollten unbedingt in einer 130 Kilometer entfernten Kaiserpinguin-Kolonie Eier sammeln – um herauszufinden, ob der Vogel eine Verwandtschaft zu den Reptilien aufweist.

Mitten im antarktischen Winter, bei ständiger Dunkelheit, heftigsten Schneestürmen und Temperaturen zwischen minus 44 und 61 Grad Celsius tasteten sie sich also über klaffende Eisspalten, zwei selbst gezogene Schlitten mit insgesamt 325 Kilogramm Beladung hinter sich her schleppend und allem Anschein nach komplett ohne Plan. Der verständnislos im Winterlager zurückbleibende Scott vermochte es nicht, ihnen das auszureden, und es war offensichtlich auch kein purer Spaß, glaubt man, was der junge Brite Apsley Cherry-Garrard, offiziell als Biologe dabei, hinterher zu Protokoll gab:

Ich zum Beispiel hatte einen solchen Grad an Leiden erreicht, dass es mir wirklich nichts ausgemacht hätte, wenn ich nur ohne viel Schmerzen hätte sterben können. Die Dunkelheit war schuld. Ich glaube nicht, dass Temperaturen um minus 56 Grad bei Tageslicht schlimm wären – wenn man nur sehen könnte, wohin man tritt.


Die Zähne herausgeklappert

Immerhin: Die Aktion war ein voller Erfolg. Die drei wagemutigen Eiswanderer erbeuteten fünf Pinguin-Eier und schafften drei davon unversehrt ins Basiscamp zurück – nach einer 41-tägigen „heroischen Reise, der schrecklichsten Kälte und den heftigsten Stürmen in der Dunkelheit trotzend“, bei Tageswegstrecken von oft nur zwei Kilometern.

Der Jüngste im Bunde, Cherry-Garrard, hatte offensichtlich am meisten zu leiden. Die grausame Kälte machte dem tapferen Briten so zu schaffen, dass er sich – keine Legende! – durch fortwährendes Zähneklappern auf dem Rückweg die meisten seiner Zähne ausschlug. Sein 1922 als Buch veröffentlichter Reisebericht Die schlimmste Reise der Welt erlangte Kultstatus (auf deutsch ist er leider nur in einer katastrophalen Übersetzung erhältlich, daher empfiehlt es sich, das Original The Worst Journey in the World zu lesen).

Und die Eier? Die machten im Jahr darauf eine Weltreise bis ins naturhistorische Museum in South Kensington und endeten schließlich in der Asservatenkammer der Universität Edinburgh. Zwei der drei Natur­forscher (Wilson und Bowers) waren da längst zusammen mit Scott bei ihrer Rückkehr vom Pol erfroren, der dritte, Cherry-Garrard, wegen seiner Depressionen ein psychisches Wrack (ein physisches sowieso).


Besser im Original schmökern?

Ja, gegen solche Heldenstreiche erscheinen die Projekte moderner Forscher wie Kindergeburtstage. Für den Rezensenten ist „In den eisigen Tod“ eins der bes­ten Bücher des Jahres 2011.

Wer als adäquate Begleitlektüre Scotts Originaltagebuch lesen möchte, kann dies seit Kurzem tun: Im Tredition-Verlag ist ein ins Deutsche übersetzter, 159-seitiger Auszug der Notizen des unglückseligen Expeditionsleiters erschienen, beginnend mit dem Aufbruch der „Terra Nova“ in Neuseeland am 29. November 1910 und endend mit Scotts letzten Zeilen kurz vor seinem Tod am 29. oder 30. März 1912 (Letzte Fahrt – Auszug. Scotts Tagebuch).

Glauben Sie jetzt bloß nicht, es handele sich dabei um das dröge, altbackene Geschreibsel eines Hobbyliteraten! Scotts ungekünstelte, lakonische Schilderung der von ihm geleiteten Antarktisexpedition ist ähnlich packend, vielleicht sogar packender als Prestons brillante Nacherzählung – und um Welten spannender als beispielsweise die doch recht mühsam zu lesenden Reisetagebücher eines Charles Darwin.


Letzte Änderungen: 24.04.2012


Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie unsere Website benutzen, stimmen Sie damit unserer Nutzung von Cookies zu. Zur ausführlichen Datenschutzinformation