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Buchbesprechung

Florian Fisch


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Severin Schwendener: Schein & Heilig
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Edition 8; Auflage: 1., Auflage (6. Oktober 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3859901605
ISBN-13: 978-3859901605
Preis: 20,80 EUR

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Tote an der Hochschule

Tote Doktoranden und ein toter Professor am Institut. Das ist harte Wirklichkeit am Standort Schwerzenbach der ETH Zürich. Natürlich nur im Kriminalroman Schein & Heilig. Dass die ETH glücklich ist, ihren eigenen Krimi zu haben, ist zu bezweifeln. Im Buch verpackt ist eine Generalkritik am Filz der ETH. Man merkt, dass der Autor, Severin Schwendener, selbst Doktorand an der ETH war. Sein profundes Wissen über die Struktur, die Institutionen und die täglichen Probleme der in Zürich tätigen Wissenschaftler ist offensichtlich.


Kampf für Gerechtigkeit

Obwohl Schwendener beteuert, dass die Figuren und Ereignisse keinen Zusammenhang mit der Wirklichkeit hätten, schreibt er: „Leserinnen und Leser, die sich streckenweise dennoch an die Wirklichkeit erinnert fühlen, werden wohl einen Grund haben.“

Es gibt tatsächlich einige Personen, auf die Schwendener in seinem Buch anspielt. Offensichtlich hat er seine persönlichen ETH-Erlebnisse in Form eines Romans verarbeitet (siehe auch „Seltsames Verhalten von Verhaltensbiologen“ ab Seite 28 dieser Ausgabe).

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In der Fiktion ist der Polizeihautmann der Kriminalpolizei Zürich, Thomas Hilvert, mit der Lösung von drei Morden beauftragt. Zwei Doktoranden und ein Professor wurden tot aufgefunden. Während Hilvert Einsicht in die Intrigen der Hochschule erhält, kämpft er mit denen seiner eigenen Institution. Er erlaubt sich dabei einiges, was viele nur in Gedanken wagen. Im Grunde ist Hilvert ein liebenswürdiger Haudegen, der ganz zur Freude des Lesers, nicht einem typischen Polizisten entspricht.

Hilvert kommt mit einem Doktoranden und dessen Betreuer am ETH-Institut für Verhaltensneurobiologie in Kontakt und interessiert sich dabei für die Wissenschaft. Während er gleichzeitig die Ungerechtigkeiten der ETH-Welt entdeckt, besinnt sich der dicke Querulant auf seine Wurzeln und mausert sich zum Helden des Krimis. Um wahre Gerechtigkeit herzustellen, behindert er am Schluss sogar die Auflösung des Falles. Aber keine Angst, die grausigen Beschreibungen der Toten waren nicht umsonst und die Leserinnen und Leser erfahren, wer die Wissenschaftler ermordet hat.


Who dunnit?

Wer hat zwei Doktoranden und einen Professor auf dem Gewissen? Die Ermittlungen im akademischen Milieu laufen auf Hochtouren...

Biologie statt Kriminalistik

Einschübe in der Geschichte erklären den Einsatz von Adeno-assoziierten Viren für eine Gentherapie zur Bekämpfung von Glioblastomen (Hirntumoren). Sehr lebendig und verständlich geschrieben. Was für einen großen Teil der Laborjournal-Leser nichts Neues ist, bringt den Laien an seine Grenzen. Für die Geschichte sind diese Einschübe, so schön sie geschrieben sind, überflüssig und stören den Fluss.

Weil der wissenschaftliche Teil des Buches so akkurat ist, fällt auf, dass die Arbeitsweise der Polizei sehr oberflächlich abgehandelt wird. Schwendener konzentriert sich auf die Intrigen und Persönlichkeiten statt auf Abläufe. Kennern der Zürcher Polizei wird auch auffallen, dass die Berufsbezeichnungen nicht korrekt sind. So gibt es zum Beispiel kein Polizeipräsidium in Zürich, sondern eine Kantonspolizei, und deren „Präsident“ heisst in der Wirklichkeit Kommandant. Auch werden Gerichtsmediziner in der Schweiz Rechtsmediziner genannt. Aber das ist eher Stoff für Pedanten.


Grob, aber spannend

Unpassender ist die teils grobe Sprache Schwendeners. Da „breitet sich das Fegefeuer einer Entzündung aus“, nachdem Gene im Genom der Glioblastomzellen integriert sind, und der Assistent wird „von einer rasenden Dampflokomotive überrollt“, als er dem Hauptmann etwas entgegenhalten will. Es gibt auch den einen oder anderen Stilfehler: Ein Bild eines Blauwals an Hilverts Bürotüre passe zu seinem Charakter. „Doch de facto hatte Hilvert das Bild eigenhändig an seine Türe geklebt [...]“

Plakativer Unsinn ist natürlich auch, dass ein Polizeihauptmann mal schnell alle 344 Artikel, Vorträge, Referenzen und Projektgutachten durchliest, die der ermordete Professor in Jahrzehnten angehäuft hat, sich nebenbei noch im Internet informiert und so in Windeseile realisiert, wie es in der Wissenschaft läuft. In solchen Passagen wirkt die Handlung doch recht naiv gesponnen.

Trotzdem ist die Lektüre spannend, die Charaktere sind liebevoll dargestellt und man wird oft zum schmunzeln verleitet. Die Wissenschaft ist erfrischend echt dargestellt und besteht nicht aus den üblichen Alleskönner-Geräten und Alleswisser-Datenbanken. Für die Biowissenschaftler, ETH-Angehörigen und Zürcher ist es zudem schön, eine Geschichte zu lesen, die an vertrauten Orten spielt. Das ist mal was anderes.



Letzte Änderungen: 24.04.2012


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