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Bluray-/DVD-Rezension

Winfried Köppelle


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Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster -
Die komplette vierte Staffel - 4 DVDs


Darsteller: Douglas Henshall, Lucy Brown, Andrew Lee Potts
Regisseur(e): Jamie Payne, Cilla Ware
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Erscheinungstermin: 30. März 2012
Produktionsjahr: 2010
Spieldauer: 585 Minuten
Preis: 18,99 EUR






Die Ahnen der Saurier - Im Reich der Urzeitmonster

Regisseur(e): Tim Haines
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG Erscheinungstermin: 27. Mai 2011
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 90 Minuten
ASIN: B004V5N9JE
Preis: 12,99 EUR

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Reißzähne in XXL

In der britischen Science-Fiction-Fernsehserie Primeval evolvieren anatomische Details von Urzeitwesen zu bizarrer Größe. Vom gleichen Filmproduzenten gibt‘s aber auch seriöse Wissenschaftskost.

Abby, die platinblonde Tierpflegerin, erfasst es mit einem Blick: „Ich kenne keine normalen Tiere, die solchen Schleim absondern können“. Natürlich nicht, denn der Schlabber stammt ja auch vom paläozoischen Panzerwurm, der seit Jahrzehnten im englischen Küstenkaff herumkriecht und gelegentlich eine Kuh oder einen Touristen verspeist. Korrekt, Abby, das kann kein 08/15-Schleimer sein.

Ist es auch nicht, sondern ein acht Meter langer Urzeit-Miesepeter mit großem Kopf, kurzen Beinen sowie einer Menge ungepflegter, ultralanger Zähne im stets weit aufgerissenen Maul. Das amphibienähnliche Vieh mit stark verknöchertem Schädeldach und manischem Beißtrieb stammt von den Quastenflossern ab und sollte seit mindestens 200 Millionen Jahren mausetot und fossiliert unter der Erde liegen. Was will es im Holozän?


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Wissenschaftler ohne Plan

Wir gucken Primeval, Staffel 4.1, und sie sind wieder da, die Monster aus der ganz fernen Erdvergangenheit – sich regelmäßig ins 21. Jahrhundert verirrend durch Löcher im Raum-Zeit-Gefüge und brave Bürger zu Tode erschreckend (und manchmal auch fressend). Damit sie das auch tadellos hinbekommen, sind die Viecher mindestens doppelt so groß und ungemütlich als sie in ihrer erdvergangenen Wirklichkeit ohnehin waren. Und wenn die ins Groteske überhöhte Gestalt der Viecher trotzdem Lächerlichkeit statt Schrecken verbreitet, klebt ihnen der Maskenbildner lange Sabberzähne ins schiefe Maul und einen Buckel auf den Monsterrücken.

Doch keine Panik: Die Regierung hat bereits eine superprofessionelle und hochgeheime Truppe von Wissenschaftlern rekrutiert, die zwar von Wissenschaft keine Ahnung haben, dafür aber schicke weiße Plastikgewehre im Spielzeugdesign. Und die schaffen es in jeweils 45 Minuten zuverlässig, die fleischfressenden Urzeitkrea­turen von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Währenddessen tragen die wackeren Monsterbuster coole Juppieklamotten und ebensolche Sprüche auf den Lippen. Auch ihr hochtechnisiertes Equipment erweist sich regelmäßig als nutzlos, wenn es hart auf hart kommt: Entweder die Knarren haben Ladehemmung beziehungsweise ihre Benutzer zielen chronisch daneben, oder irgendein Bauteil eines neuartigen Hightech-Geräts gibt den Geist auf, oder der Strom ist alle (oder alles zusammen).

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Das ist aber auch wurst, denn wenn die superblonde Abby, der verkrachte Paläontologiestudent Connor Temple und ihre Monty-Python-artige Securitytruppe aufkreuzen, wird es selbst sabbernden Urzeitviechern zu gruselig und sie verdünnisieren sich schleunigst durchs Raumzeitloch.


Monster schnappt Passant

So abwegig es sich anhört, aber es war mal höchst witzig, sich derlei TV-Trash anzuschauen. Der britische Zoologe, Drehbuchschreiber und Regisseur Tim Haines hatte 2007 mit Primeval eine TV-Science-Fiction-Serie geschaffen, die ihre Zuschauer eine zeitlang mit unkonventionellen Ideen, witzigen Dialogen, authentisch animierter Urzeitfauna und einem Teelöffel voller Selbstironie unterhielt.

Doch schon ein Jahr später fiel den Drehbuchschreibern für die zweite Staffel offensichtlich nichts mehr ein (vielleicht wurden sie auch bloß zu schlecht bezahlt). Die immergleiche Schablone jeder Folge war fortan: Ein Monster hüpft aus einem Zeitloch – warum, weiß keiner – und schnappt sich den erstbesten Passanten. Dieser lebt ab. In der Folge wird das Tierchen von den erwähnten „Wissenschaftlern“ verfolgt (oder umgekehrt), erfolglos mittels Plastikgewehren beschossen und nach 44 Minuten dilettantisch, aber erfolgreich in seine Zeit zurückbefördert. In den 17 Folgen der Staffeln drei und vier passiert siebzehnmal so ziemlich das Gleiche.

Das Ambiente rettet den Zuschauer leider auch nicht vor bleierner Langeweile: die Dialoge hölzern, die Blicke unheilschwanger, die Musik schwülstig, die wissenschaftlichen Erklärungen grotesk und eine Logik nicht vorhanden. Selbst der heimliche Star der Serie, der früher so wunderbar selbstironische Sondereinheits-Chef „Sir James Peregrine Lester“ (gespielt von Ben Miller) hat längst sein komödiantisches Potential aufgebraucht. Es ist Zeit für einen Schlussstrich.

Die Macher sind anderer Ansicht. Inzwischen wurde eine fünfte Staffel gesendet, und auch ein Kinofilm soll derzeit in Entstehung sein.

Tim Haines

Der britische Biologe und Filmproduzent Tim Haines dreht alles – Hauptsache, es spielen Urzeitviecher mit. (Foto: Impossible Pictures)

Bekannt wurde Tim Haines und seine Filmproduktionsfirma „Impossible Pictures“ allerdings nicht mit TV-Trash, sondern als Mitautor einer dreiteiligen Urzeit-Serie der BBC, die zwischen 1999 und 2005 im britischen Fernsehen lief. Deren dritter Teil wurde 2011 als deutschsprachige DVD unter dem Titel Die Ahnen der Saurier – Im Reich der Urzeitmonster veröffentlicht. Wie der sensationslüsternde Titel bereits andeutet, geht es ums Erdaltertum, das Paläozoikum.


Damals im Paläozoikum

Damals, vor knapp 550 Millionen Jahren, entwickelten sich in den Ozeanen unserer Erde erstmals hartschalige Lebenwesen (die sogenannte small shelly fauna) und daraus fast alle Stämme des Tierreichs, die auch heute noch vorkommen. Im frühen Kambrium schlotzte das stieläugige Meeresmonster Anomalocaris seine Beute ins Maul; im Silur lauerten fast drei Meter lange Seeskorpione auf Beute; im Devon krabbelten urtümliche Amphibien bereits aufs Festland zu, und im Oberkarbon schwirrten und hasteten riesige Gliederfüßer wie die Riesenlibelle Meganeura und der zwei Meter lange Tausendfüßer Arthropleura durch die sauerstoffreichen Bärlapp- und Schachtelhalmwälder. Im Perm schließlich erschienen erstmals säugetierähnliche Reptilien („Therapsida“) auf der Bildfläche – fleischfressende Schreckgestalten, die mit ihren säbelzahnartig vergrößerten Eckzähnen und bis zu einer halben Tonne Gewicht kaum weniger furchteinflößend daherkamen als ein paar dutzend Millio­nen Jahre später die Raubdinosaurier.

Auf der DVD werden exemplarisch Geschichten von Spezies und Gattungen erzählt, die für das jeweilige Zeitalter typisch sind. Diese Geschichten sind inhaltlich packend und visuell ein Hochgenuss. Als Kulisse dienen die Filmaufnahmen echter Über- und Unterwasserlandschaften, über die dann im Schneideraum die computeranimierten Sequenzen prähistorischer Flora und Fauna gelegt wurden. In 90 Minuten überbrückt die DVD die 300 Millionen Jahre vor dem großen Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze – ehe Dinosaurier die Bildfläche betraten. Die Urzeit-Doku hat laut BBC-Angaben mehrere Jahre gedauert und drei Millionen Pfund gekostet.


Wissenschaftlich solide

Trotz des sich übertrieben dramatisch gebenden Sprechers und der inflationär häufigen Verwendung des Wortes „Monster“ steht der Film auf solidem paläontologischem Fundament. Tim Haines hat, so beteuerte er zumindest in einem Stern-Interview, „sämtliche wissenschaftliche Information benutzt, die es momentan gibt“ – dies gelte sogar für die Hautstruktur der urzeitlichen Wesen, denn davon seien fossilierte Abdrücke erhalten. Doch selbst Paläontologen können natürlich nicht sicher wissen, wie die Tiere damals aussahen oder sich bewegten. Daher sei, so Haines, sein Film eine Interpretation, die sich so eng wie möglich an den Fakten orientiere.

Pterygotus
Vor 410 Millionen Jahren stakste der gut zwei Meter lange Pterygotus (ganz rechts in der Bildmitte) durchs Urmeer und verspeiste den auch nicht gerade schmächtigen Brontoscorpio (im Vordergrund) zum Frühstück. (Foto: Impossible Pictures)



Ein schlichtes Detail mag verdeutlichen, wie Haines in Primeval die Fakten ignoriert und sie in Die Ahnen der Saurier penibel beachtet: Während die Eckzähne des „Gorgonopsiden“ (es handelt sich vermutlich um ein Inostrancevia-Exemplar) in der TV-Serie gut dreimal so lang sind wie einst im Perm, erreichen sie in Haines BBC-Dokumentation lediglich ihre arttypische (und trotzdem durchaus beeindruckende) Länge.


Letzte Änderungen: 27.03.2012


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