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Buchbesprechung

von Winfried Köppelle

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Olaf Fritsche:
Biologie für Einsteiger

Gebundene Ausgabe: 412 Seiten
Verlag: Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: 1., Aufl. (November 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827420962
ISBN-13: 978-3827420961
Preis: 39,95 EUR

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Glühende Ohren

Wann hatten Sie zuletzt so richtig Freude an der Biologie? Spätestens dann, wenn Sie dieses Buch gelesen haben.

Erinnern Sie sich noch, warum Sie einst Biologie studiert haben? Wieso Sie vor Jahren Medizinerin oder Technischer Assistent geworden sind? War es Zufall oder – wie wir Ihnen wünschen – Berufung? Die Wissenschaft vom Leben hat Sie damals vielleicht brennend interessiert; Sie wollten mehr über Tiere und Pflanzen erfahren, das Zellgeschehen durchschauen, physiologische Zusammenhänge verstehen und als Forscher neue Arten, Medikamente oder Reak­tionsprinzipien entdecken. Deswegen haben Sie sich für die Naturwissenschaften entschieden.

Aber heute? Sind Sie noch immer mit Enthusiasmus am Werk, beim Paper-Plausch am Freitag, außerplanmäßigen Messen der O.D. ihrer Hefezellen am Samstag und mit den Kindern beim fröhlichen Insekten sammeln am Sonntag? Nein? In diesem Fall sollten Sie sich schleunigst Biologie für Einsteiger zulegen. Es ist mit Herzblut verfasst und wird verloren gegangene Lust an der Biologie zum Leben erwecken.

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Wie gelingt das dem Autor Olaf Fritsche? Um es zu veranschaulichen, picken wir uns ein Thema heraus, das den Rezensenten schon im vierten Semester interessierte, das er später aber wegen der verwirrenden Komplexität (und vor allem wegen eines unfähigen Dozenten) jahrelang mied: das Immunsystem. Wie bringt Fritsche dem Leser in Kapitel 10 („Leben greift an und verteidigt sich“) auf nur 38 Seiten die unendliche Geschichte zwischen Komplementsystem und Histokompatibilitätskomplex nahe, ohne dass es weh tut?


Knapp, aber nie langweilig

Ganz einfach: Er wählt ein plakatives Beispiel (hier: Entstehung von AIDS), erläutert in allgemein verständlichen Sätzen, was im Laufe einer HIV-Infektion passiert (Rolle von CD4-Rezeptor und Glykoprotein gp120), bebildert dies mit aussagekräftigen Farbgrafiken, und garniert das Ganze mit einem EM-Bild, auf dem knospende HI-Viren zu sehen sind. Auf diese Weise schafft es der Autor, auf zwei Seiten alles Wichtige zum komplizierten Thema zu sagen.

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Mit ähnlichen Mitteln geht es weiter: der Entwicklungszyklus von Plasmodium falciparum wird dargestellt; es folgt ein kleiner Exkurs darüber, wie Schadpilze Nutzpflanzen kapern und diese schädigen. Ein unappetitliches Foto eines niesenden Herrn leitet dann zum menschlichen Immunsystem über. Dazwischen erläutert der Berliner MPI-Direktor Peter Seeberger in einem „Köpfe und Ideen“-Kasten, wie seine Arbeitsgruppe die Hypothese von den GPI-Glykolipiden als ursächlichen Giftstoff der schweren Malaria bewies (dass Seeberger allerdings auch recht unverblümt Schleichwerbung für eine von ihm gegründete Biotechfirma macht, ist ärgerlich).

Auf den restlichen 27 Seiten des Kapitels werden Antikörper, die Toll-artigen Rezeptoren, Lympho- und Phagozyten und der ganze komplizierte Rest abgehandelt, ferner die Immunsysteme bei Wirbellosen, die vielfältige Feindabwehr bei Pflanzen, und am Ende sogar noch Mimikry und Tarnung. Dass Fritsche hier wie auch in den restlichen 13 Kapiteln den goldenen Mittelweg zwischen „zu kompliziert“ und „zu flach“ findet, und sich das Ganze auch noch spannend liest, ist eine Meisterleistung.

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Der neuerdings in einigen Büchern des Spektrum-Verlags verwendete Kniff, einen „Promi“ als Wissensvermittler zu nutzen, funktioniert in den meisten Fällen. Zwölf Forscher bieten einen solchen „Blick ins Labor“ an; neben Seeberger sind dies zum Beispiel der Braunschweiger Biotechnologe Stefan Dübel (über rekombinante Antikörper), die Rostocker Biochemikerin Birgit Piechulla (über pflanzliche Duftstoffe), und der Stuttgarter Molekularbiologe Andreas Kuhn (über den Einbau von Proteinen in Membranen). Der zähe, sich im Detail verlierende und für Laien wohl nur schwer verständliche Gastbeitrag der Braunschweiger Actin-Expertin Brigitte Jockusch allerdings ist fehl am Platze – oder hätte zumindest einer Überarbeitung bedurft. Doch bleibt er glücklicherweise die Ausnahme.

Noch etwas hat der Rezensent an Bio­logie für Einsteiger auszusetzen: die verwirrend vielen, kunterbunten grafischen Elemente und Kästen, die es erschweren, dem Haupttext zu folgen. Aber sonst gibt‘s nichts zu meckern.


Letzte Änderungen: 07.06.2011

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