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Buchbesprechung

von Christine Hassler


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Johannes C.G. Ottow:
Mikrobiologie von Böden: Biodiversität, Ökophysiologie und Metagenomik

Gebundene Ausgabe: 485 Seiten
Verlag: Springer Berlin Heidelberg; Auflage: 1st Edition. (4. März 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3642008232
ISBN-13: 978-3642008238
Preis: EUR 49,95

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Chance leider vertan

Johannes Ottow, ehemaliger Vorstand des Instituts für Angewandte Mikrobiologie der Universität Giessen, war Bodenmikrobiologe; er forschte unter anderem an der Biochemie des Eisen-, Mangan- und Stickstoffkreislaufs. Ein schlammbewohnender, Lachgas freisetzender Prokaryont wurde nach ihm benannt: Ottowia. Im August 2011 ist Ottow 75-jährig gestorben. Zuvor, nach seiner Emeritierung im Jahr 2000, verfasste er noch ein Lehrbuch: Mikrobiologie von Böden: Bio­diversität, Ökophysiologie und Metagenomik. Es will Studenten eine Einführung sein, ist aber ohne mikrobiologische und biochemische Vorkenntnisse unbrauchbar.

Das Buch basiert auf Ottows ehemaligen und – nach eigenen Angaben – umfangreich aktualisierten Lehrveranstaltungen. Doch mit Vorlesungen aus dem letzten Jahrtausend ist das so eine Sache; die Rezensentin erinnert sich noch gut an den prähistorischen Charme vieler Overhead-Folien aus ihrem eigenen Bio-Studium. Hat Ottow seinen Stoff zeitgemäß aufgearbeitet? Leider nicht. Auf 500 Seiten finden sich genau fünf farbige Abbildungen (die Fotos auf dem Einband sind zwei davon). Es wäre interessant zu erfahren, wieso ausgerechnet das Kalottenmodell von Huminsäure, ein Bakterienausstrich, ein Bohrstock, ein gelber Pilz und drei Erlenmeyerkolben die Ehre verdienen, farbig abgebildet zu werden. Wahrscheinlich hat der Verlagspraktikant auf die Schnelle keine anderen Bilder gefunden. Die restlichen Abbildungen sind schwarz bis hellgrau in allen Zwischentönen.

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Ottows Stil ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Lange, schwer verständliche Sätze, durchsetzt mit komplizierten Begriffen, und kein Glossar – da muss der Leser sehen, wo er bleibt. Wirklich bemerkenswert ist des Autors Liebe zu Klammern: Sie sind allgegenwärtig und in fast jedem Satz zu finden. Etwa auf Seite 5:

Entscheidendes Regulativ für die Abundanz und Diversität an Mikroorganismen und Tieren in Böden ist zunächst die Versorgung (Quantität und Qualität) mit organischen Substanzen (Nahrungsgrundlage), wie sie über die Primärproduktion (Pflanzen, Algen, Kieselalgen, Cyanobakterien, photosynthesetreibende Bacteria, Flechten) als postmortale organische Substanzen (POS; Bestandsabfall, Streu, Ernte- und Wurzelreste, Kompost, abgestorbene Biomasse etc.) auf und in den Boden gelangen und als Wurzelexsudate (Wurzelmetabolite) direkt in den durchwurzelten Bodenraum abgegeben werden.

– Dieser Satz ist kein Einzelfall. Immerhin enthält Ottows Buch ungemein viel Information – über Taxonomie, Physiologie und Ökologie; über den regen Informationsaustauch innerhalb dieser mikrobiellen Gemeinschaft durch horizontalen Gentransfer; über die ökologisch relevanten Kreisläufe von Kohlenstoff und Stickstoff; über die faszinierende Welt der Rhizosphäre; und über vieles, vieles mehr. Auch ist erfreulich, wie unvoreingenommen und kritisch sich Ottow zu Themen wie Genmais und Klimawandel äußert.

Wer mit der spröden Art der Wissensvermittlung klar kommt, kann sich Mikrobiologie von Böden ins Haus holen. Viele Alternativen scheint es am deutschen Lehrbuchmarkt nicht zu geben.

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Letzte Änderungen: 30.10.2011


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