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Buchbesprechung

von Sarah Schwitalla


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Donald Voet, Judith Voet & Charlotte Pratt:
Lehrbuch der Biochemie

Gebundene Ausgabe: 397 Seiten
Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA; Auflage: 2. aktualis. u. erw. Auflage (21. Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3527326677
ISBN-13: 978-3527326679
Preis: EUR 75,00

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Tipps zur Lösung der häufigsten Probleme bei der Fehlersuche in der LC, um Ausfallzeiten zu minimieren. mehr

Leicht verdauliches Schwergewicht

Der „Voet“ ist in die Champions-League der Biochemie-Lehrbücher zurückgekehrt. Hat er eine Chance auf den Titel?

„Biochemie? Ist das nicht total schwierig?!“ Ja, klar. Für Angehörige gewisser Studiengänge vielleicht. Oder wenn man beharrlich die Vorlesung geschwänzt hat und nächsten Monat die entscheidende Prüfung ansteht. Oder wenn man mit Formeln und Reaktionswegen einfach nichts am Hut hat. In solch prekärer Lage könnte ein massiver, unlängst runderneuerter Wälzer namens Lehrbuch der Biochemie Wunder wirken. Könnte er, oder kann er es?

Die erste Auflage des Biochemie-Klassikers aus dem Hause Wiley-VCH, erschienen 2002, stammt aus der Feder des Ehepaars Voet. Herr Voet heißt Daniel mit Vornamen, ist passionierter Wanderer und Skifahrer, und dazu Chemieprofessor an der University of Pennsylvania; seine Frau Judith lehrt Biochemie am nahe gelegenen Swarthmore College. Nachdem in den USA mittlerweile vier Auflagen erschienen sind, hat sich der hiesige Verlagsableger dazu durchgerungen, auch eine runderneuerte deutschsprachige Version zu veröffentlichen. Als Coautorin haben sich die Voets ihre Kollegin Charlotte Pratt von der Seattle Pacific University ins Boot geholt.

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Produktives Pipettieren von 1 bis 384 Kanälen mehr

Mit der 2010 erschienenen zweiten Auflage haben die drei das Kunststück vollbracht, die weithin als kompliziert verkannte Biochemie leicht verdaulich zu machen. Der Voet be­ginnt behutsam und allgemein verständlich, angefangen bei der biochemischen Genesis (Was ist eigentlich Wasser?) hin zu detailliert-anspruchsvollen Tiefen in den genau durchleuchteten Prozessen des zellulären Stoffwechsels (Was passiert in meinem Körper, wenn ich eine Semmel esse?). Auf diese Weise verinnerlichen selbst Studenten, die der Biochemie widerwillig gegenüberstehen, beinahe spielerisch eine solide fachliche Grundlage. Die Formulierungen sind klar und verständlich. Langeweile kommt nur selten auf, wenn die Autoren den Leser beinahe unbemerkt in den Dschungel der Stoffwechselwege und thermodynamischen Wirkungsgrade entführen:

Ein menschlicher Körper verbraucht im Ruhezustand ungefähr 420 kJ pro Stunde, nur wenig mehr als der Energieverbrauch einer 100-Watt-Glühbirne. Diese Energie wird auf elektrochemischem Wege in den Mitochondrien erzeugt...


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Zuckerbrot und Peitsche

Dank ihrer 1281 Seiten bringt die unerträgliche Leichtigkeit der Biochemie stolze vier Kilogramm auf die Waage. Damit ist sie nicht nur vom Umfang und der Detailverliebtheit her gesehen ein echtes Schwergewicht, das problemlos zu etablierten Biochemie-Klassikern wie Lehninger oder Stryer in den Ring steigen kann.

Dass die Autoren gerne nach dem „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Prinzip vorgehen, wird nicht jedem gefallen. Zunächst wird der Leser durch harmlose Textpassagen bezirzt (Der Kamelhöcker ist ein bekanntes Beispiel für einen Fettspeicher, der [...] sowohl Energie als auch Stoffwechselwasser liefert...), und bekommt dann unverhofft knallharte Strukturbiochemie und jedes noch so abseitige Proteinstruktur-Detail um die Ohren gehauen (... der größte Teil dieses monomeren, 131 Aminosäuren umfassenden Proteins wird von zehn antiparallelen β-Strängen gebildet, die zu zwei annähernd orthogonalen β-Faltblättern gestapelt sind...). Gelegentlich wirkt der Text daher spröde. Zudem sollte man beim Betrachten der Illustrationen mit Phantasie und einem Sinn für abstrakte Kunst gesegnet sein.

Dennoch gelingt den Autoren zumeist der Drahtseilakt zwischen der nüchternen Beschreibung komplexer Strukturen und einem eher erzählerischen Vorlesungs-Stil. Die Mischung von einprägsamen Schemata für Enzymreaktionen, Stoffwechselvorgängen und Proteinstrukturen und verständlichem, fundiertem Text ist ausgewogen – gerade für Leser, die mit neumodischen, mit Comic-Bildchen überfrachteten Lehrbüchern nicht klarkommen.


Kurzweilige Exkurse

Was ist neu gegenüber der ersten Auflage? Ein Kapitel über Signaltransduktion, das Lesenswertes über Hormone, Rezeptortyrosinkinasen, G-Proteine und den Phosphatidylinositolweg enthält. An vielen weiteren Stellen wurden Aktualisierungen und Ergänzungen vorgenommen, beispielsweise noch mehr Molekülstrukturen und aktuelle Forschungsschwerpunkte wie Genomsequenzierung, Epigenetik, pharmazeutische Wirkstoffe, RNA-Interferenz und Riboswitches aufgenommen. Dazu kommen online zugängliche Animationen von Stoffwechselvorgängen, Enzymkatalysereaktionen und Molekülstrukturen. Auch geschichtlich Interessierte kommen auf ihre Kosten. In zahlreichen Exkursen werden berühmte Biochemiker und ihre Entdeckungen vorgestellt, darunter Otto Warburg, Linus Pauling und Hans Krebs. Dass Biochemie durchaus alltagstauglich ist, erfährt man bei der Lektüre vieler Exkurse über Krebs, Milzbrand, Toxine, Tumortherapeutika, Lactoseintoleranz und Fructoseunverträglichkeit. Und dass es „mehr Aminosäuresequenzen als Sterne im All“ gibt, ist ebenfalls eine Information, die sich auf Anhieb im Leserhirn festsetzt.

Fazit: Der „Voet“ ist trotz übertriebener Strukturverliebtheit ein weitgehend gelungenes Lehrbuch, das zumindest ein hartnäckiges Vorurteil ausräumt: „Biochemie ist doch total schwierig...“


Letzte Änderungen: 07.06.2011


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