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Pharmacogenomics

von Sonja Kastilan (Laborjournal-Ausgabe 07, 1999)


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Anzüge von der Stange sitzen schlecht. Richtig gut passen nur Maßanzüge - und die werden nun durch neue Computertechniken auch für Normalverbraucher erschwinglich. Individualismus ist das Schlagwort, zunehmend auch in Medizin und Arzneimittelforschung. Statt wie üblich "Eine Pille für alle" wird es dank Pharmacogenomics bald maßgeschneiderte Medikamente geben - Wirkstoffe, die auf die Genprofile einzelner Patientengruppen oder sogar Individuen zugeschnitten sind.

Den Begriff "Pharmacogenomics" gibt es erst seit ein paar Jahren, doch das Forschungsgebiet gehört bereits jetzt zu den wichtigsten der Biotechnologie. Um bessere Wirkstoffe schneller zu finden und zu entwickeln, werden die Kenntnisse menschlicher Gen-Variationen aus Gen- und Genomforschung eingesetzt. Ziel ist unter anderem, die Behandlung dem jeweiligen Patienten individuell anzupassen - mit gezielter Wahl der Mittel und präziser Dosierung. Das soll Nebenwirkungen vermeiden, Medikamente sicherer und Behandlungen erfolgreicher machen. Selbst ein langes Ausprobieren verschiedener Mittel wird unnötig, wenn Ärzte das Genprofil ihrer Patienten bei der Diagnose berücksichtigen, so zumindest die Hoffnung.

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Bereits 1957 hatte man vermutet, daß Gene von Leberenzymen für den Erfolg, wie auch für Nebenwirkungen von Arzneimitteln verantwortlich sein könnten. Zwei Jahre später wurde der Begriff "Pharmacogenetics" geprägt, um die Rolle der Gene bei den Wirkstoff-Reaktionen zu beschreiben. Inzwischen sind Polymorphismen und Mutationen in einer Reihe von Genen bekannt, die für Stoffwechsel-Enzyme (zum Beispiel die Leberenzyme der Cytochrom P450-Familie), Transporter, Rezeptoren und anderen Effektor-Proteine kodieren.

Der Fortschritt des Pharma-Trends beruht auf verbesserten Techniken der DNA-Seqenzierung, der Genkartierung, der Diagnose per DNA-Chip und der Bioinformatik zum Aufbau von Datenbanken. Dadurch sind zum Beispiel Sequenzvergleiche möglich zwischen Patienten, die auf ein bestimmtes Medikamente ansprechen (Responder) und denen, die auf dasselbe Medikament nicht reagieren (Non-Responder). Auf diese Weise sollte man letztlich charakteristische Merkmale aufspüren können, die die unterschiedlichen Reaktionen der beiden Gruppen erklären helfen.

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Bei etwa 10 - 40 Prozent der Behandelten wirken Arzneistoffe nicht optimal. So sprechen etwa 35 Prozent der Patienten nicht auf Beta-Blocker an und bei trizyklischen Antidepressiva sind sogar die Hälfte Non-Responder. Gefährlich sind vor allem Nebeneffekte, wie im Fall eines Asthma-Medikaments, das bei 3 Prozent der Patienten Leberschäden verursacht. Der Hersteller läßt derzeit nach einem Genprofil fahnden, um Risiko-Patienten von der Behandlung ausschließen zu können.

Kleinere Zielgruppen bedeuten für die Pharmariesen kleinere Absatzmärkte - das heißt, wirkungsvolle Designer-Medikamente können erheblich teurer werden als die bisherige Massenware. Doch gleichzeitig ersparen sich Patienten und Kassen unzählige Fehlversuche mit falschen Medikamenten. Und zudem können in klinischen Studien mit wenigen gezielt ausgewählten Patienten mehr Wirkstoffe zu den gleichen Kosten getestet werden. Trotz aller Vorteile müssen zukünftig ethische Probleme beachtet werden. Pharmacogenomics kann zu Mißbrauch und Diskriminierung führen, wenn sich etwa Krankenkassen weigern, Patienten zu versichern, deren Genprofile teure Medikamente benötigen. Zudem sollte nicht vergessen werden, daß neben den Genen auch andere Faktoren die Arzneimittelwirkung beeinflussen, wie etwa Alter, Geschlecht, Ernährung und der allgemeine Gesundheitszustand,

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Letzte Änderungen: 19.10.2004


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