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Warum nur, Darwin?

Archiv: Schöne Biologie

Ralf Neumann


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Schöne Biologie

Warum finden wir eigentlich Darwin so toll? Warum feiern wir seine Evolutionstheorie bis heute derart ungebrochen? Klar, es war damals revolutionär, als er zeigte, dass Arten keine auf ewig festgelegten Kreationen sind, sondern sich vielmehr durch Variation samt nachfolgender Selektion über Generationen hinweg stetig verändern. Aber ist das alles? Ist es „nur“ diese Erkenntnis per se, die den großen Einfluss von Darwin auf die heutigen Biowissenschaften ausmacht?

Wohl kaum. Holen wir für die Antwort etwas weiter aus. Die meisten werden zustimmen, dass das Herzstück guter Wissenschaft weniger ist, passende Antworten zu geben – sondern vielmehr, gute Fragen zu stellen. Und welche Fragen konnten die Biologen vor Darwin stellen? Fast nur „Was“-, „Wo“-, und „Wie“-Fragen.

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Darwins Theorie änderte dies mit einem Schlag. Und zwar radikal. Seine Erkenntnis, dass Arten sich durch stetige Variation an immer neue Herausforderungen einer sich verändernden Umwelt anpassen, bedeutete unmittelbar, dass jede biologische Struktur und jedes biologische System nicht einfach nur ist, was es ist – sondern darüber hinaus vielmehr zweierlei repräsentiert: ein biologisches Problem, und einen Weg, dieses Problem zu lösen. Damit lieferte Darwin nicht weniger als die Basis, auf der Biologen überhaupt erst „Warum“-Fragen stellen können.

Und haben sich solche „Warum“-Fragen seitdem nicht als die interessantesten und fruchtbarsten erwiesen? In der Biologie und in der Medizin? Warum pflanzen wir uns sexuell fort? Warum haben wir so ein leistungsfähiges Gehirn? Warum sind wir bewusste Wesen? Warum werden Krankheitserreger resistent gegen Medikamente? Warum bekommt unser Körper Krebszellen nicht in den Griff?... Die Menge der guten Fragen, die uns prinzipiell erst durch Darwins Theorie eröffnet wurden, ist unzählbar.

Doch auch wenn wir seitdem solche Fragen stellen können – die Suche nach Antworten bleibt oftmals schwer. Selbst bei weniger „großen“ Fragen wie den obigen.

Nehmen wir ein vermeintlich einfaches Beispiel: Warum haben Zebras Streifen? Irgendeinen Vorteil müssen die Tiere von ihnen ja haben, denn ohne Fixierung dieses Merkmals durch fortlaufende Selektion hätten sich die Streifen nie in der Population durchgesetzt – oder wären schon lange wieder verschwunden. Hypothesen gab es einige dazu in der Vergangenheit. Etwa dass die Streifen dabei helfen, Raubtiere abzuschrecken oder zu verwirren. Oder dass sie das Aufheizen der Tierkörper in der afrikanischen Sonne abdämpfen, da an den Kanten zwischen schwarzen und weißen Streifen kleine Luftwirbel entstehen. Oder dass das Fellmuster eher eine soziale Signalfunktion innerhalb der Zebraherde ausübe. Man weiß es bis heute nicht wirklich.

Immerhin aber konnten Zoologen gerade Pluspunkte für eine weitere Hypothese verbuchen: Nämlich, dass die Zebrastreifen primär der Abwehr von lästigen blutsaugenden Fliegen dienen. Mit spezieller Videotechnik filmten sie, wie das Schwarz-Weißmuster der Zebras sowohl Gemeine Viehbremsen (Tabanus bromius) als auch Regenbremsen (Haematopota pluvialis) derart verwirrte, dass sie ihren Anflug auf die Tiere nicht rechtzeitig abbremsten – und somit nicht erfolgreich auf ihnen landen konnten. Bei Pferden dagegen wurden die Bremsen ihrem Namen gerecht – und die Landung gelang. Dies auch, wenn den Pferden einfarbige Decken übergeworfen waren – nicht aber, wenn die Decken ein Zebramuster hatten (PLoS ONE 14(2): e0210831).

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Interessanterweise hat sich bei solch kniffligen „Warum“-Fragen die Parasitenabwehr inzwischen oft zur plausibelsten Antwort gemausert. Bei der Frage „Warum gibt es sexuelle Fortpflanzung?“ liegt sie ebenfalls weit vorne. Aber darüber schrieben wir ja bereits an dieser Stelle (LJ 9/2011: 49)...



Letzte Änderungen: 08.05.2019

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