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Intime Rituale

(27.2.2015) Zoologen schreiben hemmungslos über intime Hygiene-Rituale ihrer Versuchstiere. Was Forscher ihrerseits auf der Toilette so treiben traut sich dagegen keiner laut zu sagen. Bis jetzt. Eine Laborjournal Online-Glosse zum Wochenende.

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Was haben die Ameisen eigentlich den Forschern getan? Nestbeschmutzer sollen sie sein, behaupten Regensburger Zoologen um Tomer Czaczkes in einem Paper in PLOS ONE mit dem schönen Titel „Nest Etiquette – Where Ants Go When Nature Calls". Statt ihr Geschäft draußen zu verrichten, hinterlassen die Ameisen der Art Lasius niger ihre Ausscheidungen oft gleich im Nest. Immerhin krabbelten die Laborameisen der Regensburger Forscher in bestimmte Nischen in ihren Gips-Nestern um sich zu erleichtern.

Wieso die Zoologen in die Intimsphäre der fleißigen Insekten eindrangen, erschließt sich allerdings nicht. Da räumen die Krabbeltiere den Wald auf, quasi bienenfleißig (wenn das keine Beleidigung in Ameisenkreisen wäre). Und was ist der Dank der Wissenschaft? Übelstes Nachspionieren und öffentliche Diffamierung. Ant-Shaming sozusagen, noch dazu in einer allgemein zugänglichen Open Access-Zeitschrift.

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Bizarre Verhaltensweisen

Laborjournal setzt sich aus Prinzip für die Kleinen ein, und deshalb schlagen wir heute im Namen der Ameise zurück. Die Ergebnisse jahrelanger verdeckter Recherchen, bisher schamhaft in der untersten Redakteurs-Schublade verborgen, kommen endlich ans Licht. Denn wenn Wissenschaftler über den Stuhlgang der Ameise schreiben, ist es nur fair, wenn wir nach dem Prinzip „Auge für Auge, Zahn für Zahn“ mal nachsehen, was Forscher selbst in ihren Institutstoiletten so treiben. Bizarre Verhaltensweisen, die im Tierreich ihresgleichen suchen, gelangen hier erstmals an die Öffentlichkeit. Streng anonym und anekdotisch.

Da wäre zum Beispiel der Fall eines Pflanzenforschers an einer süddeutschen Universität. Der Professor mit offenbar ausgeprägtem Sinn für Ästhetik schlich an einem Wochenende mit einem Eimer Farbe in sein eigenes Labor, um den schon reichlich abgeblätterten Anstrich der Toilettentür eigenhändig zu übertünchen. Die Verwaltung hatte sich zum Ärger des Professors dazu nicht in der Lage gesehen. Nun waren die Klotüren, wie alle Türen des Universitätsgebäudes, nach Willen des Architekten in gedecktem Grün gehalten. Der engagierte Ordinarius hatte für seine Nacht-und-Nebel-Aktion aber ein knalliges Rot gewählt. Der neue Look verhalf einer zuvor unscheinbaren Tür in einem grauen Betonbunker zu Fachbereichs-weiter Prominenz. Auf der Suche nach der „Klotür von Professor X“ verirrten sich noch Jahre später Studenten-Grüppchen in den Fluren des Hobby-Malers mit der Gehaltsstufe C4.

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Umweltschonende Zweitverwertung für das Cell-Paper

Aber machen wir die Tür auf und sehen nach, was dahinter geschieht. Besser gesagt, wir hören etwas, aus einer der Kabinen. Das Rascheln von Papier. Klar, wo sonst hat ein gestresster Juniorprof die nötige Ruhe, ein 20-seitiges Cell-Paper in allen Details zu durchdringen? Und wenn die ehrwürdige Publikation nichts taugt, so bietet sich eine umweltschonende Zweitverwendung für die Blättchen (Impact Factor 33) an.

Zu beobachten ist der unablässige Forscher-Spirit auch am Urinal der Herrentoilette. Der  Doktorand will gerade den Liter Kaffee loswerden, den er sich zum Wachwerden nach einer durchexperimentierten Nacht eingeflößt hatte. Da schleicht sich der Chef an und ruft dem mit der Kontrolle seines Harnstrahls beschäftigten Mitarbeiter aus nächster Nähe ins Ohr: „Und, wie sehen die Daten der FACS-Analyse aus? Können wir das Paper morgen endlich einreichen?“ In der Folge solcher Verbalattacken muss man sich nicht wundern, wenn derart hinterrücks überfallene Mitarbeiter mit lebensbedrohlichem Harnstau ins Krankenhaus eingeliefert werden.

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Die Geräusch-Prinzessin

Wenn man jahrelang in engen Labors beisammensitzt und arbeitet, entwickelt sich eben eine gewisse Intimität. So versichert ein anonymer Whistleblower, er habe mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu mit anhören müssen, wie zwei in benachbarten Kabinen auf dem Pott sitzende Molekularbiologen die technischen Details einer verwickelten genetischen Kartierung besprachen, nur gelegentlich unterbrochen von auditiven Signalen der Darmtätigkeit.

Nach Auskunft eines japanischen Postdocs soll es in auf den stillen Örtchen seiner Heimat sogenannte „Geräusch-Prinzessinnen“ geben, kleine Geräte für empfindliche Gemüter, die auf Knopfdruck unerwünschte Körper-Geräusche übertönen. Aber für solche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität der Mitarbeiter hat die deutsche Universität mal wieder keine Mittel, wenn schon das Streichen der Türen so sträflich vernachlässigt wird.

Der japanischen Luxus gewohnte Postdoc war übrigens ein wenig enttäuscht von der Standard-Ausstattung der deutschen Universitäts-Toilette (kratziges Papier, versiffte Bürste, leerer Seifenspender). Wenigstens gibt es an der Wand mal mehr, mal weniger geistreiche Lektüre. „Klowände streichen ist wie Bücher verbrennen!“ schrieb ein Student auf die frisch übermalte Wand der Toilette einer physikalischen Fakultät (die offenbar im Gegensatz zu den oben erwähnten Biologen ein paar Euro für solche Maßnahmen übrig hatte). Und da hat der Schmierfink natürlich recht.

Hans Zauner

Foto: © apops  / Fotolia (Symbolbild)

 

Diese Glosse leidet unter einem beklagenswerten Gender-Bias, da wieder einmal ausschließlich über forschende Männer berichtet wird. Dem Thema „Damentoilette“ fühlte sich der Autor jedoch nicht gewachsen, mangels Erfahrung und Kompetenz. Wir bitten unsere Leserinnen um Nachsicht.



Letzte Änderungen: 28.04.2015

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