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Ente à la Frankenstein

Neue Lebensformen kreieren ist ein Kinderspiel. Zumindest wenn das Ausgangsmaterial ein obskurer Lolli auf dem Mensa-Nachtisch ist. Ein Oster-Erlebnis unserer (anderen) TA.
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(15. April 2014) Seit letztem Jahr bin ich um eine Erkenntnis reicher: Ein echter Forscher braucht kein kostspieliges Labor, wenn er neues Leben schaffen will.

Folgendes trug sich damals zu:

Zu Ostern gibt es in der Mensa nicht nur Eier mit grüner Soße, sondern auch dekorative Entenlollis auf den Nachtischen. Auf einem Plastikstiel thront eine gelbe Styroporkugel, der zwei tentakelgleiche Filzarme entsprießen, von denen einer ein rosa Blümchen hält. Am zentralen Element (gelbe Kugel) sitzt ein roter Schnabel, darüber zwei überdimensionierte Kulleraugen.

Genau genommen sind es also keine Entenlollis, die Gebilde sind eher den entenartigen Kunstlollis zuzuordnen. Allerdings kann man sie weder lecken noch anderweitig konsumieren. Ein Kollege findet daraufhin eine ganz andere Verwendung dafür.

Während wir anderen unsere Mahlzeit beenden, beginnt er, das liebreizende Geschöpf nach seinen Vorstellungen umzumodellieren. Zuerst reißt er den Kopf ab. Bei diesem Anblick fällt mir ein französisches Kinderlied ein: „Alouette, gentille alouette…“. Wobei die Lerche (Alouette) im Lied zwar federlos, aber immerhin mit allen Gliedmassen vergleichsweise glimpflich davon kommt.

Nicht so unsere Lolliente, deren Verstümmelung unbarmherzig fortschreitet. Ihre Einzelteile liegen einem makaberen Bausatz gleich auf dem Tablett meines Kollegen verstreut, der nun wiederum beginnt, sie nach eigenem Gutdünken zusammenzufügen. Eine Hälfte des Schnabels befestigt er auf dem jetzt über Kopf stehenden Kopf, dessen Auswüchse in dieser Position zwei grünen Hörnern ähneln. Als Klebstoff verwendet er das restliche Ketchup von seinem Frittenteller. Mir kommt eine Strophe aus einer Hänschen-Klein-Parodie in den Sinn:

Kommt der Doktor Hampelmann, klebt die Nas´ mit Zucker an…“.

Zum Schluß zaubert der Kollege dem Ding, das ich insgeheim ´Igor´ taufe, mit dem roten Leim ein diabolisches Lächeln ins Gesicht, was gut zu den grünen Hörnern passt. Das rosa Blümchen auf dem gelben Hinterkopf konterkariert allerdings den satanischen Eindruck. Meine Frage, ob er vorhätte, seine Schöpfung oben im Labor mittels Stromstoß zum Leben zu erwecken, verneint er. Ist auch besser so. Für animierte Teufels-Enten hat das Amt noch keine GVO-Liste erstellt. „Das ist mein Ostergeschenk für die Mensabediensteten in der Küche“, erläutert unser Animist. Auf die Frage einer anderen Kollegin: „War dein Essen so schlecht?“ schweigt er pikiert.

Solchen Forscherdrang muss ich einfach bewundern. Selbst in der Mittagspause unermüdlich um die Schaffung neuen Lebens bemüht, ganz ohne Teilchenbeschleuniger oder Ursuppenersatz, da zeigt sich doch der wahre Forschergeist.

Also dann, frohe Ostern!

Maike Ruprecht

 





Letzte Änderungen: 30.09.2015

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