Advertisement
Info

Wird der alte MDC-Vorstand zur Kasse gebeten?

Das Kuratorium des Berliner Max-Delbrück-Centrums (MDC) für Molekulare Medizin lässt eventuelle Haftungsansprüche gegenüber dem bisherigen Institutsvorstand prüfen. Es geht um Schadenersatz bezüglich eines millionenschweren Finanzlochs. Gleichzeitig wurde ein neuer Administrativer Vorstand gefunden.
editorial_bild

Neue MDC-Chefin: Heike Wolke

(16.12.2013) Das Kuratorium des Berliner Max-Delbrück-Centrums (MDC) für Molekulare Medizin hat eine externe Kanzlei beauftragt, eventuelle Haftungsansprüche gegenüber Walther Rosenthal und der freigestellten Cornelia Lanz zu prüfen. Es geht um Schadenersatz bezüglich eines millionenschweren Finanzlochs. Gleichzeitig wurde mit Heike Wolke ein neuer Administrativer Vorstand gefunden.

Das Ergebnis der externen Prüfung wird noch in diesem Jahr vorliegen, erklärte ein Sprecher des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) auf Anfrage des Laborjournals. Trotzdem überrascht das Vorgehen des Kuratoriums. Schließlich hatte MDC-Sprecher Josef Zens in der Vergangenheit mehrfach ausdrücklich versichert, im MDC sei kein Geld verbrannt worden; die Mittel seien vielmehr ordnungsgemäß in Forschungsprojekte geflossen. Die Finanzierungslücke im Haushalt, um die es geht (Laborjournal online berichtete mehrmals) sei nur entstanden, weil das MCC schneller gewachsen sei als das Finanzaufkommen.

Wer bekommt den schwarzen Peter...

Auch war bisher Cornelia Lanz allein für Finanzlücke im Haushalt (zur Erinnerung: 2012 fehlten 12,7 Millionen Euro) verantwortlich gemacht worden. Im Sommer dieses Jahres hatte das MDC-Kuratorium Frau Lanz mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben als Administrativer Vorstand entbunden. Zuvor hatte die Unternehmensberatungs-Firma Ernst & Young im Auftrag des Kuratoriums die Vorgänge geprüft. Das Ergebnis der auch nicht gerade billigen Prüfung: Strukturelle und personelle Defizite aus dem damaligen Verantwortungsbereich (z. B. fehlendes Controlling) von Frau Lanz seien für die Deckungslücke verantwortlich.

Verwunderlich ist jedoch, dass die Wirtschaftsprüfer bereits jahrelang die Jahresergebnisse des MDC prüften und testieren – offenbar ohne bisher Auffälligkeiten zu bemerken.

Mit dem Beschluss des Kuratoriums, die Vorgänge haftungsrechtlich zu prüfen, rückt überraschend auch Forschungsvorstand Walther Rosenthal ins Fadenkreuz. Dieser soll über die juristische Prüfung „ziemlich verstimmt" gewesen sein, heißt es. Direkt nach der Freistellung von Lanz hatte das Kuratorium dem Pharmakologen noch das Vertrauen ausgesprochen. Auf die Frage, ob dieser Vertrauensbeweis noch Gültigkeit habe, erklärte ein Sprecher von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU): „Ein gegenteiliger Beschluss ist nicht bekannt."

... für die fehlenden 12 Millionen Euro?

Mit der Finanzlücke des MDC musste sich bereits die Bundesregierung beschäftigen. Auslöser war auch eine Kleine Anfrage von SPD-Abgeordneten vor der Bundestagswahl. Danach geht die Bundesregierung davon aus, dass Lanz im August und Rosenthal im Dezember 2012 über die finanzielle Schieflage informiert waren. Nach eigenen Angaben wurde die Bundesregierung am 12. Februar 2013 zum ersten Mal mündlich und am 27. Februar schriftlich über die  Finanzprobleme des MDC informiert. Vom BMBF erhielt das MDC kürzlich eine zinslose Liquiditätshilfe von 12 Millionen Euro, die zurückgezahlt werden muss. Als Konsequenz der Finanzkrise hatte das MDC zuvor einen strikten Sparkurs beschlossen: Den 60 Forschergruppen wurden die Gelder gekürzt.

Mit Heike Wolke als neuem Administrativen Vorstand versucht das MDC einmal mehr einen Neuanfang. Die 61-Jährige hat seit Februar 2007 das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven geleitet. Das AWI gehört wie das MDC zu den 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft: ein Wissenschaftsverbund mit 34.000 Beschäftigten und Etats von zusammen rund drei Milliarden Euro.

Heike Wolke stammt aus Leipzig, hat Betriebswirtschaft und Verfahrenstechnik studiert und 1984 über Prozessanalyse promoviert. Danach war die dreifache Mutter wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Biotechnologie in Leipzig. Danach übte sie verschiedene Leitungspositionen (zum Beispiel Einkauf) innerhalb der Verwaltung im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig aus.

Hermann Müller

(Foto: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung)



Letzte Änderungen: 06.02.2014

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie unsere Website benutzen, stimmen Sie damit unserer Nutzung von Cookies zu. Zur ausführlichen Datenschutzinformation