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Wirbel um einen „Mäusebunker“ der Charité

Bleibt das "Forschungsinstitut für Experimentielle Medizin" nur eine Fiktion? Der Berliner Senat hatte 2010 dessen Bau nur unter bestimmten Voraussetzungen zugestimmt - und genau die scheinen derzeit nicht erfüllt.
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Niedrigpreis-Variante eines Mäusebunkers

(5. November 2013) Das Berliner Universitätsklinkum Charité und die Senatsverwaltung für Wissenschaft versichern, der im Berliner Ortsteil Buch geplante Bau des „Forschungsinstituts für Experimentielle Medizin" (FEM) werde errichtet. Dagegen hatte die Dekanin der Charité, Annette Grüters-Kieslich, noch kürzlich auf einen Senatsbeschluss verwiesen und erklärt, die Finanzierung sei gefährdet. Der Senat hatte 2010 dem 20 Millionen Euro teuren Bau des „Mäusebunkers" nur unter der Voraussetzung zugestimmt, dass die Sanierung des Bettenhochhauses in Berlin-Mitte nicht mehr als 185 Millionen Euro kostet. Doch Aufsichtsrat der Charité und Berliner Senat haben jetzt einer Kostensteigerung auf 202,5 Millionen Euro zugestimmt.

Szenen einer merkwürdigen Debatte

Ein Vertreter der Wissenschaftssenatorin versichert felsenfest: Der geplante Neubau des FEM – im Volksmund „Mäusebunker" – werde errichtet: „Das Land Berlin hat dem Bund im Rahmen der Gespräche über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (kurz BIG) zugesagt, dass es das FEM bauen wird. Diese Zusage steht", erklärte die Wissenschaftsverwaltung auf Anfrage und wies Spekulationen zurück, hinter dem Neubau stehe ein Fragezeichen.

Konkret wird Uwe Dolderer, der Sprecher der Charité. Das FEM in Buch werde aus Mitteln des Masterplans finanziert, den der Berliner Senat vor drei Jahren zur Weiterentwicklung der Charité beschlossen hatte. Der Uniklinik stehen für Baumaßnahmen 330 Millionen Euro zur Verfügung. Gleichzeitig knüpfte der Senat damals die Errichtung des FEM an die Vorgabe, dass die Sanierung des maroden Bettenhauses nicht mehr als die festgeschriebenen 185 Millionen Euro koste. Jetzt steigen die Kosten, das FEM soll trotzdem gebaut werden.

Die Skepsis der Dekanin

Genau das hatte Dekanin Grüters-Kieslich vor wenigen Wochen bezweifelt und ein Rätselraten ausgelöst. Im Fakultätsrat der Charité erklärte sie am 9. September 2013 unter dem Hinweis auf das Junktim des Senats aus dem Jahr 2010, die „Kostenrisiken" in Berlin-Mitte (gemeint war eine Überschreitung der 185 Millionen Euro für die Sanierung des Bettenhochhauses) könnten die „Finanzierung des FEM" in Buch (Baukosten: rund 20 Millionen Euro) gefährden. Auch andere Mitglieder des Gremiums machten sich Sorgen.

Als Dekanin ist Güters-Kieslich für Forschung und Lehre zuständig; sie sitzt im Vorstand der Charité und im Aufsichtsrat des BIG. Die Dekanin muss an Verhandlungen über die Errichtung des BIG beteiligt gewesen sein und somit alle Pläne und Zusagen kennen – auch die Zusage des Landes Berlin gegenüber dem Bund, das FEM in Buch zu errichten. Diese Zusage sei im Rahmen der Gespräche über das BIG bereits im Januar dieses Jahres erfolgt, erfuhr Laborjournal auf Nachfrage aus der Wissenschaftsverwaltung. Warum hatte die Dekanin im September plötzlich Zweifel an der Finanzierung des FEM?

Sind jetzt andere Projekte gefährdet?

Auf Nachfrage von Laborjournal, ob sie nach der Kostensteigerung auf 202,5 Millionen Euro die Pläne zur Errichtung des FEM gefährdet sehe, reagierte die Dekanin nicht. Auch Sprecher Dolderer ging auf die Frage nicht ein, betonte aber, das FEM werde aus den Mitteln des Masterplanes errichtet. Doch Geld kann nur einmal ausgegeben werden. Daher stellt sich die Frage, ob jetzt andere Projekte, die aus den Masterplan-Mitteln finanziert werden sollen, gestrichen werden müssen. Dazu ist bisher nichts bekannt. Auch gibt es im Senat keine Anzeichen, dass die Mittel von 330 Millionen Euro aufgestockt würden.

Von den Bauplänen betroffen ist auch das Max-Delbrück-Centrum (MDC) für Molekulare Medizin in Berlin-Buch. Die Charité will das FEM zusammen mit dem „In-Vivo-Pathophysiologielabor" (IPL) des MDC errichten. Das MDC benötigt den Neubau als Ersatz für zwei alte Tierhäuser in Buch. Charité und MDC wollen ihre Forschungsgebäude durch einen „Infrastrukturtrakt" verbinden, ihn gemeinsam finanzieren und nutzen. Im Infrastrukturgebäude sollen unter anderem Geräte zur Be- und Entlüftung, Kühlung, Wasserversorgung und eine Spüleinrichtung zur Reinigung der Tierboxen sowie zur Fütterung und Entsorgung von Streu untergebracht werden.

Am Max-Delbrück-Centrum ist man zuversichtlich

Im MDC geht man fest von der Umsetzung der Pläne aus. Das MDC habe von der Charité keine Mitteilung erhalten, dass es Probleme mit dem Bau des FEM geben könnte, erklärte ein Sprecher und verwies auf „normale Planungs- und Baufortschritte". Baubeginn soll Ende 2014, die Fertigstellung 2016 sein.

Hermann Müller



Letzte Änderungen: 27.12.2013

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