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Verwirrspiel Juniorprofessur

Wieder mal eine Hochschulreform gescheitert?

(27.09.2004) Das Bundesverfassungsgericht hat die von Ministerin Bulmahn durchgedrückte 5. Änderung des des HRG gekippt. Nicht wegen der Juniorprofessur, sondern weil das Gesetz in Länderrechte eingriff. Das Ergebnis ist, daß kein Mensch weiß, was aus der Institution Juniorprofessur werden wird. Wird sie im Orkus verschwinden wie ihr Vorgänger, die Assistenzprofessur?

Auch die scheiterte Ende der 70er Jahre an einem Urteilsspruch des Bundesverfassungsgerichts, der sie gar nicht betraf.

Dem Juniorprofessor könnte es ähnlich ergehen. Klar ist das noch nicht, denn noch tobt der Streit um die Änderung der 5. Änderung. Letzte Woche, am 23. September 2004, teilte das BMBF mit, wie es sich die künftige Juniorprofessur und das Zeitvertragsrecht vorstellt. Der Inhalt: Alles soll so bleiben wie es ist und das bundeseinheitlich. Juniorprofessur (Paragr. 47 HRG), tenure track (Paragr. 45 HRG), Zuordnung der Juniorprofessoren zur Gruppe der Hochschullehrer (Paragr. 37 HRG), Befristungsregeln - alles soll bleiben. Das sind die "Eckpunkte" des BMBF. Die Habilitation wird in den Eckpunkten des BMBF mit keinem Wort erwähnt. Daraus schließe ich: Das BMBF will, daß sie verschwindet.

Ob die Juniorprofessur in ihrer gegenwärtigen Form etwas Gutes ist, das ist noch nicht so sicher. Mir z.B. haben die Juniorprofessoren noch zuviel Bürokratie und Lehre am Hals. Sicher aber ist, daß die Abschaffung der Habilitation ein Segen für die deutsche Wissenschaft wäre.

Nur ist eben diese Abschaffung keineswegs sicher. In einer Pressemitteilung vom 24. September, also einen Tag nach der BMBF-Mitteilung und wohl als Antwort gedacht, teilte das Baden-Württembergische Kultusministerium mit, daß der Bundesrat die Neuregelung der Juniorprofessur auf den Weg gebracht habe. Mit der Mehrheit der unionsregierten Länder werde ein entsprechender Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht werden. Der zentrale Unterschied zu den Vorstellungen des BMBF ist, daß die Habilitation als zweiter Weg zur Professur erhalten bleibt.

Das wäre fatal.

Bei der sprichwörtlichen Anpassungsfähigkeit des deutschen Akademikers an tatsächlich oder auch nur vermeintlich gegebene Machtverhältnisse wird das darauf hinauslaufen, daß in Zukunft die Möchtegern Juniorprofessoren auch habilitieren. Erst aus Vorsicht, dann aus Gewohnheit. Der Weg zum Professor ist dann nicht leichter, sondern noch schwerer geworden; die Macht der Ordinarien nicht erodiert sondern verfestigt; die Juniorprofessur kein alternativer Weg, sondern eine weitere Schikane.

Die unionsregierten Ländern stellen sich vor - oder tun so - als wollten sie einen Wettbewerb zwischen Habilitation und Juiorprofessur. Das ist Unsinn. Zwischen Habilitation und Juniorprofessur kann es keinen Wettbewerb geben, weil es bei Berufungen keinen freien Markt mit klaren Regeln gibt, sondern Netzwerke und Verpflichtungen. Bleibt die Habilitation erhalten, bedeutet das den Untergang des Juniorprofessors und damit einen weitere gescheiterte Universitätsreform.

Siegfried Bär



Letzte Änderungen: 01.10.2004
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