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Aus-sourcing

Aus der Reihe "Erlebnisse einer (anderen) TA"
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(22. März 2013) „Da irrt ein Lieferant in der Chemie herum und sucht dich!“

Die Worte meiner Kollegin rissen mich unvermittelt aus der ... äh,... Kontemplation meiner Mittagspause.

Die Nachricht hatte sie von einer Sekretärin eben jenes Fachbereichs, bei welcher der Mann versucht hatte, meinen Aufenthaltsort in Erfahrung zu bringen. Da die Chemie und ich aber nicht mal annähernd im gleichen Gebäude tätig sind – leider ohne Erfolg.

Meine Kollegin wusste natürlich nichts über den weiteren Verbleib des Lieferanten; also setzte ich mich selbst auf dessen Fährte und rief die Chemie-Dame zurück.

„Er hatte eine ganze Palette mit großen Paketen dabei!“, erklärte sie mir. „Auf dem Lieferschein stand unter deinem Namen aber nur die allgemeine Campusadresse, sonst nichts. Und weil wir dich am Telefon nicht erreicht haben, habe ich ihn schließlich zum Pförtner geschickt, damit er die Sachen dort abgibt“.

„Gute Idee! Dann wird meine Lieferung wohl dort sein“.

Derart ermutigt rief ich beim Pförtner an. Glücklicherweise bremste meine in langen Jahren erworbene Vorsicht den Impuls, sofort mit einem Wagen in Richtung Empfang loszuziehen.

„Hier war kein Lieferant, und Pakete stehen auch keine herum!“, gab mir der Pförtner freundlich Auskunft. Es geht doch nichts über die richtigen Instinkte. Wäre ja auch zu einfach gewesen.

Ich spürte meine in der Mittagspause gesammelten Kräfte schon wieder dahin schwinden.

Die Spur zu den Paketen hatte sich eindeutig verloren. Also rief ich die einzige Firma an, von der ich gerade eine derart große Lieferung erwartete, und erkundigte mich nach der Ursache für die Widrigkeiten.

„Ihre Adresse ist hier vollständig hinterlegt“, wunderte sich die Dame. „Sind Sie vielleicht umgezogen?“

„Nicht seit der letzten Bestellung vor zwei Wochen!“, erklärte ich freundlich.

„Hm, muss ich mal nachfragen. Ich rufe Sie zurück“.

Was sie bald auch tatsächlich tat. Und sie hatte gar die Lösung.

Es stellte sich heraus, dass die Firma die Auslieferung der überwältigenden Menge von acht Kartons an eine Spedition abgegeben hatte, die wiederum ihrerseits eine andere Spedition beauftragte. In den Wirren des doppelten Outsourcings ist dann die eine entscheidende Zeile der Adresse, die für die erfolgreiche Zustellung an mein Institut so unerlässlich ist, schlichtweg verlorengegangen. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Ich will jetzt nicht weiter damit langweilen, wo ich die Pakete tatsächlich abholen konnte und wie viel Zeit ich dann immer noch dafür brauchte. Meine Zellen jedenfalls durften sich noch einen Tag länger im Brutschrank vergnügen.

Maike Ruprecht



Letzte Änderungen: 19.04.2013

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