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Online durch die Evolution

OneZoom Klicken und Zoomen im Baum des Lebens

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(30. Oktober 2012) Schon lange passt der Baum der Evolution nicht mehr wirklich auf ein Blatt Papier. James Rosindell vom Imperial College London und Luke Harmon von der University Idaho entwickelten daher ein faszinierendes Online-Werkzeug, mit dem sich Evolution übersichtlich darstellen und gleichzeitig interaktiv erforschen lässt: OneZoom (www.OneZoom.org).

 

Intuitiv bedienbar sowie optisch ansprechend sollte OneZoom sein – und gerade dadurch auch der breiten Öffentlichkeit leicht zugänglich. Zudem sollten „Megabäume“ verarbeitet werden können und eine Vielzahl von Metadaten integrierbar sein. Offenbar ist es Rosindell und Harmon gelungen, diese hohen Ansprüche erfüllen. Nicht umsonst konnten sie ihr „Spielzeug“ nun in PLoS Biology vorstellen (Vol. 10(10): e1001406. doi:10.1371/journal.pbio.1001406).

 

OneZoom visualisiert die Evolutionsgeschichte in Form eines spiralförmigen Baumes, der sich in immer feinere Äste aufgliedert.  Auf den ersten Blick sind einzelne Arten, als Blätter dargestellt, kaum erkennbar. Doch mit zunehmendem Zoomfaktor kommen sie nach und nach zum Vorschein. OneZoom arbeitet hierbei ähnlich wie GoogleEarth, womit man vom Globus ausgehend direkt auf das Gartenhäuschen des Nachbarn zoomen kann.

 

Im Gegensatz zu GoogleEarth ist OneZoom jedoch nicht aus einer Vielzahl von Fotos zusammengesetzt, sondern aus den kumulierten Daten jahrzehntelanger Forschung. Da diese noch längst nicht abgeschlossen ist und sich unser Wissen über heutige, aber auch ausgestorbene Arten ständig erweitert, musste OneZoom zusätzlich die Einbindung neuer Informationen erlauben. Möglich machen das die Prinzipien der fraktalen Geometrie. Der visualisierte Baum des Lebens beruht folglich darauf, dass er aus sich ähnelnden Elementen (Baum, Zweige) aufgebaut ist und diese im Verhältnis zueinander keine ganzzahligen Dimensionen aufweisen. Dadurch können immer noch kleinere Äste eingefügt werden.

 

Die phylogenetische Trennung von Arten wird durch Verzweigungen verbildlicht, deren Dicke die Anzahl der darin enthaltenen Spezies widerspiegelt. Aktuell umfasst OneZoom etwa 5.000 wildlebende Säugetierarten. Ziel ist es jedoch, alle bekannten Lebewesen der Erde nach und nach zu erfassen.

 

Ein Farbcode lässt zudem sofort erkennen, ob eine Art bereits ausgestorben oder stark gefährdet ist. Homo sapiens gibt übrigens keinen Anlass zur Sorge. Das leuchtend grüne Blatt symbolisiert, dass unsere Erhaltung momentan gesichert ist und die Population sogar zunimmt. Damit steht unsere Art allerdings innerhalb der Menschenaffen-Familie ziemlich alleine da. Alle weiteren Spezies (Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen) sind durchwegs gefährdet, was durch braune und rote Färbung direkt ersichtlich wird.

 

Theoretisch lassen sich in OneZoom unendlich viele Daten integrieren. Schon jetzt finden sich an jedem Knotenpunkt Zusammenfassungen und anschauliche Übersichtsgraphiken. In den Blättern sind zudem noch Links eingebettet, über die man direkt zur entsprechenden englischen Wikipedia-Seite der jeweiligen Art gelangt. Dort lassen sich in aller Regel noch weitere Details in Erfahrung bringen.

 

 

Das Prinzip dieser Art Visualisierung der Evolution ist nicht neu. Trotzdem blieben alle bisherigen Umsetzungsversuche weit hinter den eigentlichen Möglichkeiten zurück, meinen Rosindell und Harmon. Erst OneZoom als ein interactive fractal-inspired graph (IFIG) kann den Inhalt des gesamten phylogenetischen Baums auf einer einzigen Seite (one) komprimieren und ermöglicht trotzdem tiefgehendes Erforschen durch simples Zoomen (zoom).

 

Die beiden Wissenschaftler können sich natürlich auch vorstellen, dass OneZoom in Museen, Botanischen Gärten oder etwa für die Veranschaulichung komplexer Nahrungsnetze eingesetzt wird. Doch ihr größter Traum ist es, auf einer einfachen Webseite das gesamte Wissen über den Baum des Lebens zu vereinen, und damit die Evolution für jedermann erfahrbar und nachvollziehbar zu machen.

 

Das sollte dann auch die letzten Evolutionskritiker zum Zweifeln bringen.

 

(Ein Tutorial zu OneZoom gibt es als Video übrigens hier.)

 

Stefanie Haas



Letzte Änderungen: 19.11.2012
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