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Selbsterklärend? Eher nicht!

Aus der Reihe „Erlebnisse einer (anderen) TA“

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(22. Oktober 20912) Viele Berufsbezeichnungen sind selbsterklärend. Ich glaube beispielsweise nicht, dass ein Kindergärtner, Pilot oder Zugbegleiter jemals einem Mitmenschen seine Tätigkeit näher erläutern muss. Meine Berufsbezeichnung fällt leider nicht in diese Kategorie: CBTA – sich darunter etwas vorzustellen, ist auch wirklich nicht leicht. Auch der volle Begriff „Chemisch-Biologisch-Technische Assistentin” hilft in der Regel nicht weiter.

 

Das kann mitunter anstrengende Folgen haben – zum Beispiel, wenn ich bei einem geselligen Beisammensein mehrere Leute nacheinander aufklären muss.

 

Ein typisches Gespräch dieser Art sieht etwa so aus:

 

„Und was bist du von Beruf?“

 

„Ich bin Technische Assistentin!“ (Die Abkürzung “TA” zu benutzen, habe ich längst aufgegeben. Kennen eh nur die wenigsten.)

 

„Was ist DAS denn?“

 

„Etwas ähnliches wie Laborantin!“ (Das Gesicht gegenüber hellt sich auf. Damit kann er schon eher was anfangen. Ist ja wiederum eine selbsterklärende Berufsbezeichnung.)

 

„Ach so! Und woran arbeitest du?“

 

„An Ribosomenbiogenese und Chloroplastenimportsystemen!“ (OHA! Na ja, zugegeben – das ist harter Stoff und war pure Absicht.)

 

„HÄ?“ (Typischer Fall von Sprache verschlagen.)

 

Da diese Begriffe nun aber nicht gerade immer und überall verwendet werden, habe ich inzwischen eine gewisse Übung darin, sie Nichtnaturwissenschaftlern zu erklären.

 

„Ribosomen sind die Teile, die in deinen Körperzellen die Proteine produzieren, und die Biogenese meint den Prozess, wie sie entstehen.“

 

„Aha! Und was war das mit dem Chlor?“

 

„Die Chloroplasten in den Zellen machen die Pflanzen grün. So ein Chloroplast lässt seine Proteine allerdings außerhalb in der Zelle herstellen – und wir erforschen, auf welchen Wegen die fertigen Proteine oder ihre Einzelteile schließlich in ihn hinein gelangen.“

 

Die meisten Gesprächspartner lassen es an dieser Stelle gut sein und wenden sich anderen Small Talk-Themen zu. Gelegentlich folgt aber doch die Frage, die ich mir selbst höchstens an grauen, kalten Regentagen stelle.

 

„Und wozu muss man das wissen?“

 

Darauf antworte ich stets nur: „Grundlagenforschung!“ – und versuche schnell meinerseits auf andere Small Talk-Themen umzuschwenken.

 

Warum aber stelle ich mich nicht der Einfachheit halber sofort als Laborantin vor?

 

Aus drei Gründen: Erstens, weil ich keine bin; zweitens hätte ich weniger Gesprächsstoff; und drittens hätte ich dann diesen Text nicht schreiben können.

 

Maike Ruprecht



Letzte Änderungen: 12.11.2012
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