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TAs in der Krise?

Ein neues Bündnis soll die Technischen Assistenten als Berufsgruppe stärken

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(31. Juli 2012) Die technischen Assistentinnen und Assistenten (TAs) gründeten im Juli ein „Bündnis zur Stärkung der technischen Assistentenberufe in Naturwissenschaft und Medizin“. Denn sie fürchten, dass ihre Berufe im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) zu niedrig eingestuft werden.

Der DQR soll alle in Deutschland möglichen Qualifikationen – von der berufsvorbereitenden Schulmaßnahme bis hin zur Promotion – in acht Niveaustufen einordnen und an den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) angleichen, damit sich ländertypische Qualifikationen besser vergleichen lassen. Damit wüsste beispielsweise ein deutscher Arbeitsgruppenleiter, welche Fähigkeiten er von einer in Dänemark ausgebildeten TA erwarten kann.

Die Einstufung nimmt der DQR-Arbeitskreis vor, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Kultusministerkonferenz der Länder 2007 gegründet haben. Für die Bewertung einer Qualifikation zählen Fachkompetenzen – Wissen und Fertigkeiten –, aber auch personale Kompetenzen – unterteilt in Sozial- und Selbstkompetenz. Die Niveaustufen sechs bis acht wurden bereits beschlossen, wobei Stufe 6 dem Bachelor- oder Meister-Niveau entspricht. Mit einem Master-Abschluss landet man auf Stufe 7 und Stufe 8 erfordert eine Promotion.

Wo gehören nun die TAs hin? In einer Pressemitteilung des BMBF vom Januar 2012 heißt es, „dass zweijährige berufliche Erstausbildungen auf Niveau 3 und drei- und dreieinhalbjährige Erstausbildungen auf Niveau 4 eingestuft werden.“ Konkret gefragt nach der Einstufung der Assistentenberufe, verriet Heiko Weber vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (fbb) in Nürnberg: „Es ist geplant, die an einer höheren Berufsfachschule ausgebildeten Assistentenberufe sowie alle vollqualifizierenden Berufsausbildungen an einer Berufsfachschule auf Niveaustufe 4 zu verorten.“ Das ist für die TAs jedoch indiskutabel. „Wir sind der Meinung, dass wir entsprechend unserer Ausbildungsinhalte in die Niveaustufe 5 gehören“, fordert Anke Ohmstede, Leiterin der MTA-Schule im Klinikum Oldenburg und Vorstand des Verbands der Medizinisch-technischen Assistenten (dvta).

Die Einstufung der Assistentenberufe ist längst noch nicht beschlossen, eine Gesamtübersicht über alle Niveaustufen existiert noch nicht. Doch was würde eine zu niedrige Einstufung überhaupt bedeuten? Der DQR hat keinerlei tarif- oder besoldungsrechtliche Auswirkungen. Dennoch befürchtet das TA-Bündnis, dass sich Arbeitgeber am DQR orientieren könnten und somit die Bezahlung nicht entsprechend der Tätigkeiten erfolgen würde. Als weitere Gefahr wird eine Abwertung der TA-Ausbildung gesehen, die einen Fachkräftemangel zur Folge haben könnte.

Insgesamt kämpfen fünf Bündnispartner für die Stärkung der technischen Assistentenberufe: „Die Gründung des Bündnisses ging vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBIO) und vom Verband Biologisch-technischer Assistenten (vbta) aus“, so Anke Ohmstede. Außerdem sind die Pharmazeutisch-technischen Assistenten (BVpta), die Arbeitsgruppe Berufliche Bildung in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Medizinisch-technischen Assistenten (dvta) dabei.

Der MTA-Berufsverband dvta geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er den Begriff „Assistent“ aus dem Verbandsnamen gestrichen hat. Künftig nennt er sich Dachverband der Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin Deutschland. „Wir sind der Meinung, dass wir nicht mehr assistieren, sondern selbstständig durchführen“, so Ohmstede. Die forschen MTA plädieren sogar für eine Änderung ihrer Berufsbezeichnung im MTA-Gesetz. So möchte sich zum Beispiel die Labor-MTA in Zukunft Biomedizinische Analytikerin in der Humanmedizin nennen; aus einem Radiologieassistenten soll der Radiologietechnologe werden. Wenn die Assistenten im Labor aussterben, dann wird sich der ein oder andere Wissenschaftler aber anstrengen müssen, um den Laden am Laufen zu halten.

 


Kai Krämer
Bild: spacejunkie / photocase.com



Letzte Änderungen: 14.08.2012
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