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Seit März gibt es die Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine nur noch online und Open Access

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(27. März 2012) „Für uns ist wesentlich, dass durch das Open Access-Modell auch Ärzte außerhalb der Universitäten und interessierte Laien Zugang zu den Artikeln haben“, erklärt die Chefredakteurin von EMBO Molecular Medicine, Stefanie Dimmeler. Das Journal, das 2009 eingeführt wurde, lag zu wenig in Bibliotheken aus und wurde nicht genug gelesen. „Durch Open Access erreichen wir eine größere Verbreitung unserer Zeitschrift und können neue Entwicklungen in der Medizin besser fördern”, so die Herzspezialistin Dimmeler.

 

Bei der Auswahl und Begutachtung der eingereichten Artikel bleibt bei EMBO Molecular Medicine alles beim Alten. Pro Heft erscheinen weiterhin etwa drei Forschungsarbeiten sowie einige Reviews und Kommentare. Mit dem Umstieg auf das Open Access-Modell ist die Zeitschrift ausschließlich online zugänglich. Auch zurückliegende Ausgaben, die noch abonniert werden mussten, sind frei verfügbar. Die Lizenzen der alten Arbeiten würden allerdings nicht geändert, so Dimmeler. EMBO hat bereits gute Erfahrungen mit Open Access gemacht: die 2005 gegründete frei zugängliche Zeitschrift Molecular Systems Biology trägt sich inzwischen. Die Herausgeber gehen davon aus, dass das auch für EMBO Molecular Medicine gelingen wird, solange die Zeitschrift hochwertige Arbeiten veröffentlichen kann. Das Journal hatte 2010 einen Impact Faktor von 8,8. Im letzten halben Jahr hat sich die Zahl der eingereichten Artikel verdreifacht.

Die Autoren müssen in Zukunft 3.000 Euro für die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit in EMBO Molecular Medicine berappen. „Der Preis mag hoch erscheinen, aber auch viele Fachzeitschriften im Abonnement verlangen beträchtliche Gebühren“, gibt Dimmeler zu bedenken. „Mein eigenes Labor zahlt für Artikel, die nicht frei zugänglich sind, etwa 1.500 Euro. Das sind Gebühren für farbige Abbildungen und zum Teil auch für zusätzliche Seiten.” Autoren aus Ländern mit niedrigem Bruttoinlandsprodukt müssen bei EMBO Molecular Medicine im Rahmen der Initiative Research4Life keine Veröffentlichungsgebühr entrichten. Sind Autoren knapp bei Kasse, kann die Zeitschrift die Publikationsgebühren erlassen. In Auftrag gegebene Übersichtsartikel sind für Autoren und Leser ohnehin kostenfrei. „Es ist uns bewusst, dass viele Forschungsförderer noch nicht genügend Geld für die Open Access-Veröffentlichung in hochkarätigen Zeitschriften zur Verfügung stellen”, räumt Bernd Pulverer ein. Er ist für die wissenschaftlichen Zeitschriften des europäischen Forschungsförderers EMBO verantwortlich. „Je selektiver eine Zeitschrift ist und je höher die Qualitätsansprüche sind, desto höher die Kosten.“ Pulverer hofft, dass sich die Fördersituation ändern wird, damit weitere Wissenschaftsjournale zu Open Access übergehen können.

In den USA sind Bestrebungen von Verlegern, Open Access durch den sogenannten Research Works Act gesetzlich zu limitieren, nach Protesten der Scientific Community kürzlich gescheitert. Chefredakteurin Dimmeler erklärt dazu: „Ich denke, diese Gesetzesvorschläge gehen zu weit. Wissenschaftliche Arbeiten, die ja überwiegend mit Steuergeldern durchgeführt werden, sollten auch der Gesellschaft insgesamt zur Verfügung stehen. Dies wird ja auch von den meisten Verlagen unterstützt, indem sie Artikel nach einer gewissen Zeit offen zugänglich machen.” Bernd Pulverer bemerkt, EMBO habe die Richtlinien zur Selbstarchivierung der National Institutes of Health (NIH) und deutscher Wissenschaftsorganisationen wie der Max Planck Gesellschaft schon immer unterstützt. „Die Arbeiten in den Zeitschriften der EMBO, die noch nicht Open Access sind, wurden auch bisher schon nach sechs Monaten öffentlich zugänglich gemacht, nach zwölf Monaten dann in der Endversion.” Man darf gespannt sein auf die zukünftige Entwicklung der anderen beiden EMBO-Zeitschriften EMBO Journal und EMBO Reports.

 


Bettina Dupont
Bild: spudnique / photocase.com



Letzte Änderungen: 05.04.2012
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