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Publikations-Boykott

Elsevier betreibt unverfrorene Preispolitik und bekommt dafür jetzt die Quittung

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Auch ein Zwergenaufstand kann was bewirken

(31. Januar 2012)Won't publish, won't referee, won't do editorial work.“ Über 2.000 Wissenschaftler protestieren mit diesem Versprechen bereits gegen den niederländischen Verlag Elsevier. Dieser schröpft Bibliotheken seit Jahren mit hohen Abopreisen für wissenschaftliche Journale und hatte jetzt eine neue Geschäftsidee. Zeitschriftenabos gibt es nur noch gebündelt, das heißt man muss immer auch ein paar exotische Minijournale dazu kaufen, die eigentlich niemand lesen will.

Die Boykotteure wollen in Zukunft weder Artikel für Elsevier-Publikationen einreichen, noch Gutachten erstellen oder verlegerische Aufgaben übernehmen. Cell und The Lancet, zwei der großen biomedizinischen Titel aus dem Hause Elsevier, sind damit tabu. Insgesamt bringt der Verlag über 2.600 Publikationen quer durch alle Disziplinen heraus. Vor einigen Jahren boykottierten Uni-Bibliotheken bereits Elsevier-Zeitschriften, weil die Preise zu stark angezogen waren, mussten aber nachgeben, weil die Wissenschaftler nicht ohne Publikationen des Verlags auskamen. Jetzt protestieren die Forscher selber: Auf der eigens eingerichteten Seite thecostofknowledge.com tragen sich stündlich mehr Wissenschaftler ein, um gegen die Politik von Elsevier zu demonstrieren.

Dazu gehört nicht nur, dass Jahresabos von manchen Elsevier-Journals locker 20.000 Euro kosten können und der Verlag mit den gebündelten Abos versucht die Kunden zu zwingen teure Ladenhüter zu kaufen. Der Protest richtet sich auch dagegen, dass Elsevier US-Gesetzesinitiativen wie den Stop Online Piracy Act (SOPA), den Protect IP Act (PIPA) und den Research Works Act unterstützt. Letzterer soll unter anderem die Vorgabe der amerikanischen Förderorganisation NIH aushebeln, dass von den NIH – also öffentlich – geförderte Artikel spätestens nach 12 Monaten im Open-Access-Archiv PubMed Central hinterlegt werden müssen. SOPA und PIPA wollen die Urheberrechte von (Wissenschafts-) Verlagen gegenüber den Nutzern stärken, was letztlich dazu führt, dass Inhalte nur noch gegen Bezahlung zu haben sein werden.

„Die Verlage versuchen ihre Position auszunutzen, doch das hat Grenzen. Es tut den zahlreichen gewissenhaften Editoren, Reviewern und schlussendlich dem Steuerzahler, der die Forschung finanziert, unrecht“, erklärt Sönke Bartling, Mediziner am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, weshalb er sich am Elsevier-Boykott beteiligt. Elsevier verdient gut daran, dass der Steuerzahler Forschung, Publikation und den anschließenden Zugriff auf die Veröffentlichung finanziert. Im Jahr 2009 machte der Konzern 1,1 Milliarden US-Dollar Gewinn. Gleichzeitig schränkt der Verlag den Zugang zu öffentlich finanziertem Wissen wieder ein, indem er viel Geld für die Zeitschriftenabos verlangt.

Wenn sich jetzt genügend Forscher am Boykott beteiligen, bekommt auch Elsevier den Protest bald zu spüren.


Valérie Labonté
Bild: Miss X / photocase.com



Letzte Änderungen: 01.02.2012
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