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Journal gegen den Publikationshorror

Ein Top-Journal, in dem zu publizieren Wissenschaftlern wieder Spaß macht. Das wollen drei große Förderorganisationen, unter anderem die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), mit einem neuen Format für Biomedizin und Life Sciences erreichen.

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(28. Juni 2011) Dem neuen Journal fehlt zwar noch einiges – Name, Chefredakteur und Editorial Board – doch ein Konzept, Geld und drei Gründungsorganisationen gibt es schon. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der britische Wellcome Trust und das amerikanische Howard Hughes Medical Institute (HHMI) wollen ein hochrangiges Online-Magazin für Biomedizin und Life Sciences schaffen, in dem Wissenschaftler mit guten Ideen und kreativer Forschung unkompliziert veröffentlichen können. Ungeachtet dessen, ob sie bereits eine lange Liste von Papern haben oder gerade erst mit dem Publizieren beginnen.

Das neue Journal soll vor allem praktisch für Forscher und Leser sein und ihren Bedürfnissen entgegenkommen. Deshalb hat schnelles Publizieren oberste Priorität: Innerhalb eines Monats und nach einer einzigen Runde soll die Begutachtung abgeschlossen sein und eine Rückmeldung an die Autoren gehen. Dafür können die drei Organisationen auf ein dichtes Netz an Experten zurückgreifen. Ist das Manuskript gut, wird es ein paar Tage später online verfügbar sein – oder eben nicht. Langwierige, im schlimmsten Fall überflüssige Zusatzexperimente, nach deren Durchführung das Manuskript dann möglicherweise noch einmal abgelehnt wird, entfallen. Ebenso wird publizieren nach dem Motto „Wir probieren mal, ob wir das so publiziert bekommen“ schwieriger. Die Kommentare der Gutachter gibt es anonym zum Paper dazu, damit der Review-Prozess durchschaubar bleibt. Zudem ist geplant umfangreiche Zusatzmaterialien anzubieten: beispielsweise Rohdaten, Filme oder Präsentationen – die reine Online-Veröffentlichung ohne Platzbeschränkung macht's möglich.

Ganz nach den Open Acces-Richtlinien von MPG und Wellcome Trust wird das neue Journal für alle frei und kostenlos verfügbar sein. Und sogar das Publizieren soll in den ersten drei bis vier Jahren nichts kosten, da die drei Organisationen das Projekt vorerst voll finanzieren. Nach der Anfangsphase müssen sich die Autoren aber über Artikelgebühren an den Betriebskosten beteiligen.

Um die Wünsche der Forscher besser kennenzulernen steht vor dem Start des Projektes noch eine Marktanalyse an: Welche Arten von Zusatzmaterial wünschen sich die Leser oder ist das Ablehnen der Artikel nach der ersten Ansicht zu rigoros? Die Umfrage will man unter den Forschern der drei Organisationen durchführen, da unklar ist, wie die restlichen erreicht werden könnten. Das Journal steht aber, wie jedes andere auch, allen Forschern offen.

In den kommenden Wochen wird ein Chefredakteur benannt. Aus der MPG wird es wohl niemand sein, sondern jemand aus dem „angelsächsischen Raum“. Klar ist aber, dass es ein aktiver und erfahrener Wissenschaftler ist, der noch nah genug am Publizieren ist, um zu wissen, was Forscher sich wünschen. Wer ins Editorial Board kommt, steht derweil noch nicht fest.

Losgehen soll es mit den ersten Artikeln im Sommer 2012. Bis dahin müssen noch ein Titel und Manuskripte her, dann steht dem neuen Journal nichts mehr im Wege.

 

 

Valérie Labonté
Bild: Vlaminck / photocase.com



Letzte Änderungen: 04.03.2013

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