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Open Access-Zeitschriften: Wissenschaftler sind lieber Leser als Autoren

Die von der Europäischen Kommission finanzierte Study of Open Access Publishing (SOAP) offenbart ein Dilemma. Während Wissenschaftler Open Access-Veröffentlichungen schätzen, publizieren sie bisher überwiegend in traditionellen Zeitschriften. SOAP ging den Ursachen dafür auf den Grund.

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(27. Januar 2011) Open Access ist der direkte und kostenfreie Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen über das Internet. Das SOAP-Projekt analysierte seit März 2009 Open Access-Zeitschriften und Verlage und fragte Wissenschaftler nach ihren Einschätzungen und Haltungen gegenüber Open Access. Die SOAP-Studie stützt sich auf das Directory of Open Access Journals, das derzeit 6.056 Zeitschriften führt, sowie auf Informationen von Verlagswebseiten oder direkte Anfragen. Außerdem beteiligten sich Bibliotheken und Forschungsförderer an der Studie.

Was sagten die Wissenschaftler in der SOAP-Studie? 89 % der Befragten hielten Open Access-Publikationen für nützlich, dennoch erscheinen nur 8-10 % der Artikel pro Jahr im Open Access-Modus. 2009 waren dies 120.000 Artikel. Ein gewisser Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten und Zeitschriften mit gutem Ruf im eigenen Fach waren Hauptgründe für Wissenschaftler, nicht in einer Open Access-Zeitschrift zu veröffentlichen. Die Mehrheit der Befragten wäre allerdings bereit, bis zu 1.000 € Publikationsgebühr zu bezahlen. Höhere Gebühren fanden wenig Akzeptanz. Die tatsächlichen Gebühren für Open Access-Artikel, von kostenlos bis zu über 3.000 €, deckten Forscher, die bereits Open Access publiziert hatten, über Förderungsgelder, die eigene Einrichtung oder sogar aus eigener Tasche ab. Immerhin 54 % der Befragten fanden es schwierig, Gelder für Open Access-Publikationen zu bekommen, 31 % dagegen leicht. Gemäß der SOAP-Studie gibt es in der Biologie und der Medizin durchaus Open Access-Zeitschriften mit hohen Impactfaktoren, die sich mit den Top-Journals messen können.

Förderung von Open Access

Laborjournal fragte bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Max Planck Gesellschaft (MPG) und der Leibniz-Gemeinschaft an, wie diese Open Access-Publikationen unterstützen. Von der DFG geförderte Wissenschaftler erhalten auf Antrag im Rahmen der Einzelförderung und Koordinierter Programme eine Publikationspauschale. Diese können sie zur Deckung der Kosten für Open Access-Publikationen nutzen. Im Rahmen des DFG-Programms Open Access Publizieren können Hochschulen seit 2010 Mittel einwerben, um Artikelgebühren für ihre Wissenschaftler zu übernehmen. Bisher haben zwölf Hochschulen diese Förderung in Anspruch genommen. Darüber hinaus fördert die DFG die Bereitstellung der Artikel in Repositorien, um sie nach den Open Access-Prinzipien frei zugänglich zu machen. Johannes Fournier, Programmdirektor in der Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme der DFG, sagte gegenüber Laborjournal, Projektnehmer der DFG würden ermutigt, ihre Forschungsergebnisse auch über Open Access zu veröffentlichen, doch sei dies nicht zwingend.

Auch die MPG fördert Open Access-Veröffentlichungen auf mehreren Wegen. Die Gesellschaft tritt dafür ein, Publikationskosten als integralen Bestandteil der Forschungskosten zu betrachten und hat einen zentralen Etat für Subskriptions- und Open Access-Publikationsgebühren. Mit einigen Wissenschaftsverlagen wie BioMed Central und PLoS hat die MPG vereinbart, dass sie die Gebühren für Open Access-Artikel, bei denen mindestens ein Autor an einem Max-Planck-Institut arbeitet, aus diesem Budget übernimmt. Zudem seien Direktoren der MPG, beispielsweise als Editor-in-Chief, an der Herausgabe einiger Open Access-Zeitschriften beteiligt, sagte Georg Botz, Open Access Policy Koordinator der MPG.

Der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Karl Ulrich Mayer, betonte: „Als eine der Erstunterzeichner der Berliner Erklärung unterstützt die Leibniz-Gemeinschaft Open Access ausdrücklich. Zusammen mit anderen Wissenschaftsorganisationen setzt sich die Leibniz-Gemeinschaft für eine Verbesserung des Urheberrechts für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein, damit diese eigenverantwortlich Ergebnisse publizieren und Zugang zu den Ergebnissen von Kollegen erhalten können. Neben Unterstützung in politischen und rechtlichen Aspekten bietet die Leibniz-Gemeinschaft aktiv ihre Unterstützung bei Open Access an. Dies geschieht beispielsweise über ein gemeinsames Repositorium, an dem sich unsere Einrichtungen beteiligen.“

Beweggründe für Open Access-Veröffentlichungen

Die in der SOAP-Studie befragten Wissenschaftler nannten als Vorteile von Open Access-Veröffentlichungen unter anderem den Nutzen für die Scientific Community, aber auch für die Allgemeinheit und den einzelnen Forscher, sowie finanzielle Gründe. Wissenschaftler, die in Open Access-Zeitschriften publiziert hatten, nannten als Triebfeder dafür die freie Verfügbarkeit der Artikel für die Leser, die Qualität der Zeitschrift und die Publikationsgeschwindigkeit. Ein großer Anteil der Befragten verneinte, dass Open Access-Publikationen von geringer Qualität seien oder den Peer Review-Prozess untergraben würden – denn Peer Review findet bei Open Access-Zeitschriften genauso statt, wie bei herkömmlichen Journals.

Die Open Access-Verlagslandschaft

Aus der SOAP-Studie geht hervor, dass 14 große Verlage die Open Access-Verlagslandschaft dominieren, darunter BioMed Central, die International Union of Crystallography und die Public Library of Science (PLoS). Sie veröffentlichen 30 % der Open Access-Artikel pro Jahr, nahezu ausschließlich in Biologie, Medizin, Chemie, Physik und Technologie. 90 % der von SOAP weltweit analysierten 1.809 Verlage führen nur eine Open Access-Zeitschrift. Die Verlage finanzieren Open Access-Artikel häufig über Artikelbearbeitungsgebühren, Werbung und Abonnements der Druckversion der Zeitschrift. Große Verlage benutzen meist eine Form der Creative Commons Lizenzierung, während mehrere kleine Verlage verlangen, dass Autoren das Copyright abtreten. Deborah Kahn von BioMed Central sagte, die SOAP-Studie zeige, dass man das Bewusstsein für die Qualität der Open Access-Zeitschriften und verfügbare Möglichkeiten zum Funding und zum Erlass von Gebühren steigern müsse. Niemand solle wegen fehlender Mittel vom Publizieren ausgeschlossen werden.

Weitreichende Informationen über die Open Access-Bewegung bietet die Internetplattform open-access.net. Hier finden begeisterte Anhänger des Open Access sogar PR-Material, um sich selbst und ihren forschenden Hund unter anderem mit einem seriös wirkenden T-Shirt auszustaffieren, auf dem ein “I ♥ oa open access” prangt.


Bettina Dupont

Bildnachweis: kallejipp / photocase.com



Letzte Änderungen: 04.03.2013

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