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Lepidocephalichthys zeppelini in Concert

Singen können sie nicht, aber sie heißen fast wie eine große Band. L. zeppelini, kleine Knochenfische, benannt nach Led Zeppelin.

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(7. Januar 2011) Weil die lamina circularis am Schwanz des Fisches sie an die Form der Gibson-Doppelhalsgitarre von Jimmy Page, dem Gitarristen der Band Led Zeppelin, erinnerte, dachten sich Justin Havird et al. diesen Artnamen aus (Zootaxa 2010, 2557:1-18). Es gibt aber bei weitem noch mehr Forscher, die den Ruhm für ihre Entdeckungen nicht sich selber, sondern ihren Lieblingskünstlern zukommen ließen. Hier eine Auswahl an Gattungs- und Artnamen, die von Musikern stammen.

Beim Anblick einer Echten Radnetzspinne dachten zwei Forscher an den Schnauzbart des US-Rockers Frank Zappa und verpassten ihr den Namen Pachygnatha zappa (Robert Bosmans und Jan Bosselaers, Zool. Scr. 1994, 23(4):325-52). Offenbar gibt es aber noch mehr Zappa-Fans unter den Zoologen (oder noch mehr Tiere, die ihm ähnlich sehen?). Die fossile Schnecke Amaurotoma zappa (Leo Plas, J. Paleo. 1972, 46: 249-60), den fossilen Polychaeten (Vielborster) Oenonites zappae (Mats Eriksson, GFF 1997, 119(3): 213-30) und eine rezente Qualle Phialella zappai (Ferdinando Boero, J. Nat. Hist. 1987, 21(2):465-80).

Ganz ohne lateinisierende Endungen kommen die malaischen Riesenkrabbenspinnen Heteropoda ninahagen und H. davidbowie aus (Peter Jäger, Senckenb. biol. 2008, 88(2):239-310). Doch wollte der Namensgeber nicht auf die Ähnlichkeit der Spinnen mit den Künstlern hindeuten, sondern an deren Engagement für bedrohte Arten erinnern. Die nach Freddie Mercury, dem Sänger von Queen, benannte Assel Cirolana mercuryi (Niel Bruce, Crustaceana 2004, 76(9):1071-81) bekam für ihre eigene Identität wenigstens noch ein „i“ an die Artbezeichnung mit angehängt, genauso wie die die Falltürspinne Myrmekiaphila neilyoungi (Jason Bond und Norman Platnick, Am. Mus. Novitates 2007, 3596:1-30), nach dem kanadischen Gitarristen und Sänger Neil Young.

Kreativer war Christopher Boyko 2009. Er bastelte die Gattung Vunicothoe für einen Ruderfußkrebs (Copepoda) zusammen. Dazu nahm er den bereits existierenden Gattungsnamen Nicothe und setzte Vu für Velvet Underground davor. Schon war seine Hommage an das Album „The Velvet Underground and Nico“ fertig (Proc. Biol. Soc. Washington 2009, 122(2):206-11). Karen Sime und David Wahl übersetzten 2002 den Titel des Metallica-Albums „Master of puppets“ ins  Griechische: „Neurospastarchus“. Ihrer Schlupfwespe gaben sie dann den Namen Metallichneumon neurospastarchus (Zool. J. Linn. Soc. 2002, 134(1):1-56).


Die Raubmilbe Funkotriplogynium iagobadius benannten Owen Seemann und David  Walter 1997 nach James („iago“) Brown („badius“), dem King of Soul. Der funky Gattungsname stand allerdings schon vorher fest (Int. J. Acarol. 1997, 23(1):49-59). Auch der King of Rock 'n Roll bekam einen tierischen Vertreter, wenn auch nur inoffiziell, dafür aber einen richtig großen: Elvisaurus, ein Echsenbeckensaurier, heißt inzwischen eigentlich Cryolophosaurus, hat aber eine Tolle (fast) wie Elvis Presley auf dem Kopf (William Hammer und William Hickerson, Science 1994, 264(5160): 828-30).

Jonathan Adrain und Gregory Edgecombe huldigten 1997 den Sex Pistols und den Ramones. Die Punk-Opas waren Namensgeber für ihre fossilen Trilobiten: Arcticalymene viciousi, A. rotteni, A. jonesi, A. cooki und A. matlocki nach Sid Vicious, Steve Jones, Paul Cook und Glen Matlock von den Sex Pistols. Aus den Namen der Ramones-"Brüder" Johnny, Joey, Dee Dee und C.J. (, die gar keine leiblichen Brüder waren) wurden Mackenziurus johnnyi, M. joeyi, M. deedeei und M. ceejayi (J. Paleo. 1997, 71(4):657-82).

Die Rock-Urgesteine Simon und Garfunkel bekamen auch ein Trilobiten-Denkmal: Avalanchurus simoni und A. garfunkeli (Adrain und Edgecombe, J. Paleo. 1997, 71(4):657-82). Ebenso waren John Lennon und Ringo Starr von den Beatles dran: Avalanchurus lennoni und A. Starri (Gregory Edgecombe und Brian Chatterton, Palaeontographica (A) 1993, 229:75-112). Der kompletten Band ist der Nematode Greeffiella beatlei gewidmet, der Legende nach wegen gewisser Ähnlichkeiten zu den Haarschnitten der Beatles (S. Lorenzen, Veröff. Inst. Meeresforsch. Bremerh. 1969, 12(2): 231-65).

Ob alle Namenspaten sich geehrt fühlten oder sich doch lieber ein anderes Tier ausgesucht hätten, ist fraglich. Immerhin Frank Zappa soll gesagt haben: „there is nothing I would like better than having a jellyfish with my name“.


Valérie Labonté

Bildnachweis: codswollop / photocase.com



Letzte Änderungen: 04.03.2013

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