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Europas Spinnen

Spinnenbestimmung ganz leicht: Die Uni Bern ging dazu mit einer frei zugänglichen Online-Datenbank über europäische Spinnen ans Netz. Auf www.araneae.unibe.ch gibt es Bestimmungsschlüssel und Informationen zu knapp 4.000 Arten.

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(16. Dezember 2010) Die Suche in der Spinnendatenbank funktioniert wie mit einem klassischen Bestimmungsbuch. Ein Fragenkatalog unter dem Menüpunkt Bestimmung/Familienschlüssel bietet nacheinander Entscheidungsmerkmale an: Die erste Frage zum Erkennen der Spinnenfamilie ist immer die nach der Chelicerenstellung. Weiß man nicht, was Cheliceren sind, betrachtet man die nebenstehende Zeichnung oder konsultiert das Glossar, um zu erfahren, dass es sich um das „vorderste Extremitätenpaar des Prosoma der Arachnida“ handelt. Praktischerweise ist „Prosoma“ gleich verlinkt, es ist der „Vorderleib, aus sechs (verschmolzenen) Extremitäten tragenden Segmenten“. Stehen die Cheliceren dann parallel nach vorne, geht es weiter bei Frage 2: Hat die Spinne zwei Klauen an den Tarsen (letztes Glied der Laufbeine)? Dann gehört sie zur Familie der Theraphosidae, der Vogelspinnen. Sind es drei Klauen, geht das Procedere unter Ziffer 3 weiter. Weisen die Cheliceren aus Frage 1 übrigens nach unten, geht es von hier aus zu Punkt 7 und so weiter, bis die Zugehörigkeit zu einer der 58 europäischen Spinnenfamilien ausgemacht ist.

Nach dem gleichen Muster lassen sich anschließend Gattung oder Art finden. Hier sind die Bestimmungsschlüssel aber teilweise noch unvollständig. Zu den meisten Arten gibt es ausführliche Beschreibungen, dazu kleine interaktive Karten zum Verbreitungsgebiet, Informationen zum jahreszeitlichen Auftreten und zum Lebensraum, dazu jede Menge gezeichnete Abbildungen und Angaben zu wissenschaftlicher Literatur. Schade für Nicht-Experten ist, dass keine Trivialnamen dabei stehen, dafür gibt es die komplette Datenbank auf deutsch und englisch.

Zur Bestimmung der Linyphiidae, der Baldachinspinnen, die die gattungs- und artreichsten Spinnen Europas sind, führt separat ein interaktiver Schlüssel von Anna Stäubli. Eine Suchmaske akzeptiert Bestimmungsmerkmale in beliebiger Reihenfolge und schränkt die Auswahl immer mehr ein, bis die richtige Art gefunden ist. Vorerst ist dieser Merkmalsschlüssel noch in der Testversion, Verbesserungsvorschläge der Nutzer sind willkommen.

Der Berner Ökologe Wolfgang Nentwig und seine Autoren-Kollegen aus Bern, Basel und Frankfurt bereiteten den 1991 im Parey Verlag erschienenen Spinnenführer „Spinnen Mitteleuropas“ seit 1998 in mehreren Schritten fürs Internet auf, weil es lange Zeit kein vollständiges Bestimmungsbuch über Europas Spinnen gab. Die nun entstandene Datenbank dehnt das Verbreitungsgebiet auf das biogeographische Europa aus. Das heißt Europa mit dem Mittelmeer als südlicher und Kaukasus und Ural als östlicher Grenze, ohne die atlantischen Inseln vor Afrika, Zypern und den asiatischen Teil der Türkei. Hier leben 4.000 der weltweit bekannten 40.000 Spinnenarten.

Spinnenliebhaber können zum weiteren Ausbau der Datenbank beitragen. Es gibt eine Wiki-Funktion, durch die Benutzer Kommentare oder Verbesserungsvorschläge zu den einzelnen Artikeln abgeben können, die ein Experte vor der Freischaltung überprüft. Zudem wollen die Autoren in Zukunft noch 10.000 Fotos mit aufnehmen, die bisher bei den Artbeschreibungen leider noch fehlen. Nutzer können dazu Bildmaterial zur Verfügung stellen.

Also nichts wie raus: Spinnen suchen, bestimmen und fotografieren!


Valérie Labonté



Bildnachweis: sylvi.bechle / photocase.com




Letzte Änderungen: 04.03.2013

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