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Bewiesen: Gatte des akademischen Näh-Genies unter der Erde

Das frühere Haupthaar-Model (siehe Foto) Nicolae Ceausescu ist definitiv tot. Monatelange DNA-Analysen haben bestätigt, dass auf dem Bukarester Ghencea-Militärfriedhof vergrabene Leichenteile tatsächlich vom ehemaligen rumänischen Staatschef stammen. Seine Gattin Elena allerdings ist noch viel interessanter als der größenwahnsinnige Erfinder der „Kinder-Gulags"... - UPDATE!

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Tolle Tolle: Auch die Frisur von Nicolae Ceausescu ist seit 1989 unterirdisch

(4. November 2010) Keine Sensation, aber immerhin eine, die Verschwörungstheorien a la „Elvis lebt" im Keim erstickt: Das frühere Haupthaar-Model aus Scornicesti, der größenwahnsinnige Diktator und Erfinder der „Kinder-Gulags" – Nicolae Ceausescu – ist definitiv tot. Im Juli 2010 begonnene DNA-Analysen haben bestätigt, dass auf dem Bukarester Ghencea-Militärfriedhof vergrabene Leichenteile tatsächlich vom ehemaligen rumänischen Staatschef stammen.

 

Dies versicherte laut Neue Züricher Zeitung der Leiter des Nationalen Instituts für Rechtsmedizin, Dan Dermengiu, der Nachrichtenagentur Mediafax. Warum diese Analyse geschlagene drei Monate gedauert hat, sagte Dermengiu nicht, ebensowenig, wieso 20 Jahre nach dem Tod des rumänischen Ex-Diktators kein Erbmaterial von diesem selbst mehr verfügbar ist (etwa Haare aus seinem Kamm oder Hautschnipsel aus seiner Pomadedosen-Sammlung). Als Vergleichsstandard seien stattdessen Genproben von Ceausescus Sohn und von Ceausescus Bruder verwendet worden, so Dermengiu.

Die Kinder Ceausescus hatten seit vielen Jahren angezweifelt, dass es sich bei den im Grab liegenden Toten um den rumänischen Ex-Diktator und dessen Gattin Elena handelt, die 1989 während eines Volksaufstands gestürzt, erschossen und anonym bestattet worden waren. Das Ergebnis der Analyse allerdings hat nur eins seiner Kinder erfahren. Die anderen haben mittlerweile ebenfalls das Zeitliche gesegnet.

Wunderkind in den Disziplinen „Nähen" und „Polymerisation"

Gattin Elena Ceausescu, die bisher „mangels Vergleichsmaterial" (wie die NZZ weiter berichtet) noch nicht identifiziert werden konnte, war übrigens eine höchst begabte Person. Obgleich sie die Schule mit 14 verließ und lediglich im Fach „Nähen" glänzte, arbeitete sie sich als Präsidentengattin zur Vorsitzenden der rumänischen Akademie der Wissenschaften hoch. Das in staatlichen Verlautbarungen als „Gelehrte von Weltruhm" und als „kühne Wissenschaftlerin und Forscherin, mit internationaler Anerkennung auf dem gesamten Erdball" bezeichnete Wunderkind Elena trug beispielsweise einen Doktortitel im Fach Technische Chemie, obwohl sie keine einzige ihrer vielen erstklassigen Publikationen selbst verfasst hatte. Damit gilt Elena Ceausescu als innovative Vorreiterin wie Vorbild für so manchen Multi-Publikator an modernen Hochschulen.

Auch bezüglich der extra für sie erfundenen Doktortitel und akademischen Grade leistete Elena Ceausescu herausragende Pionierarbeiten.

 

Bundesdeutsches "Großkreuz" für das Genie der Karpaten

 

In Deutschland war der spätere Massenmörder Ceausescu, der sich als „der Auserwählte", „unser irdischer Gott" und „Genie der Karpaten" anreden ließ, übrigens hochangesehen – zumindest bis 1971. In diesem Jahr verlieh ihm Bundespräsident Gustav Heinemann die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat: die Sonderstufe des Großkreuzes (= den Verdienstorden der BRD).

Bisher war für uns nicht in Erfahrung zu bringen*, ob dieser höchste deutsche Orden dem Mann wieder aberkannt wurde, der 1989 ein Blutbad unter friedlichen Demonstranten befahl, weil diese ihn ausbuhten.


Winfried Köppelle

 

*Eine Anfrage bei der Ordenskanzlei des Bundespräsidialamtes am 5. November lieferte folgende Antwort: Man möge diese Frage doch bitte schriftlich stellen (E-Mail ginge auch), weil zu deren Beantwortung "Keller und Archive durchforstet" werden müssten. Daher würde es auch ein bis zwei Wochen dauern, bis man Auskunft geben könne. Aber man werde sich kümmern. - Haben Sie also noch ein wenig Geduld. Laborjournal wird Sie zu gegebener Zeit informieren.

 

Aktualisierung am 18. November 2010:

Die Ordenskanzlei des Bundespräsidialamtes teilte uns heute per E-Mail-Schreiben mit, dass "die Aberkennung protokollarischer Orden [der, um den es hier geht, ist ein solcher; die Red.] vom Gesetz nicht vorgesehen" sei. Daher habe Ceausescu diesen Orden - immerhin der höchste, den die Bundesrepublik zu verleihen hat, bis zu seinem Tode behalten dürfen.

 

 

 

 

 

 



Letzte Änderungen: 04.03.2013

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