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Laborgeschichten (4) - Kindische Forscher

Ist es, weil sich die Leute im Labor oftmals ziemlich konzentrieren müssen? Oder weil die Suche nach der Wahrheit häufig eine allzu ernste ist? Wie auch immer, zuweilen werden Forscher ganz schön kindisch.

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(26. Oktober 2010) Oder wie ist es zu werten, dass vor — zugegebenermaßen — einigen Jahren das gesamte Nachbar-Labor plötzlich eine geradezu wahnwitzige Sammelwut nach Kinderschokolade-Überraschungseier-Inhalten entwickelte? Das ging zur Hoch-Zeit dann so: Doktorand R. sammelte bei seinen Kollegen inklusive Gruppenleiter Geld ein, ging damit zum nächsten „Vollversorger“ — und kehrte mit einer ganzen Palette (!) Überraschungseiern (kurz „Ü-Eis“) wieder zurück. Sofort wurden alle Eier geknackt und in Nullkommanichts lagen überall Schokoladen-Eierschalenhäften herum — es ging ja nicht um den Schokoladengenuss, sondern vielmehr und vor allem um den Inhalt.

 

„Ja,“ jubelte plötzlich Doktorandin P. , „ich habe den letzten Hippo!“. Worauf Kollegin S. zerknirscht antwortete: „Und ich hab’ schon zum vierten Mal den blöden Bronto von den Drolly Dinos.“ Doktorand R. hörte gar nicht hin, der baute glücklich ein gelbes Ü-Ei-U-Boot zusammen…

 

Arbeitsgruppenleiter B. hatte derweil bereits begonnen die „Beute“ zu sortieren. Auf dem einen Regal wurden ganz oben die Ü-Ei-Hartplastikfiguren-Kollektionen komplettiert: Happy Hippos, Drolly Dinos, Peppy Pingos, Tapsy Törtels, die Zunft der Zwerge,… Auf dem anderen Regal — wieder ganz oben, über den Pufferflaschen — standen die Ü-Ei-Basteleien: U-Boote, Minikatapulte, Trickfernseher, Spionage-Equipment,… Und auf dem dritten Regal standen große Kisten mit den Aufschriften „Doppelt“, „3x“, „4x“,…

 

Wir in unserem Labor schüttelten darüber nur milde lächelnd den Kopf. Dabei waren wir nicht unbedingt weniger „kindisch“. Beispiel gefällig? Drei- oder viermal starteten wir einen „Eppi-Überfall“. Wie der geht? Nun, jeder von uns füllte so schnell er konnte so viele 1,5ml-Schnappdeckel-Gefäße („Eppis“) wie möglich mit kleinen Trockeneis-Bröckchen. Was dann mit denen passiert, ist klar — oder? Nach einer gewissen Zeit sublimiert das Trockeneis und der Druck im Eppi steigt — bis es mit einem lauten „Bäng“ aufschnappt.

 

Wir schafften zusammen etwa 40 bis 50 Stück, mit denen wir rechtzeitig vor dem „Bäng“ zur Tür des Nachbarlabors schlichen und die Eppis hinein rollten. Bei unserem letzten „Überfall“ versaute Doktorand R. vor Schreck einen seiner Drosophila-Hirnschnitte, für die er die Fliegen eine ganze Woche lang vorbehandelt und trainiert hatte. Daraufhin ließen wir schamhaft ab von solchen „Schreck-Scherzen“.

 

Dennoch entlockt die Erinnerung an solche „Kindereien“ einem auch heute noch ein verklärtes Grinsen.

Ralf Neumann

 



Letzte Änderungen: 04.03.2013

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