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Innsbrucker Intrigenstadl

Unmittelbar auf den Skandal um die Innsbrucker Inkontinenzstudie in Lancet, siehe Laborjournal online-Artikel "Inspektionsbericht inkriminiert ..." vom 13.08.2008, folgt die nächste Affäre der medizinischen Universität Innsbruck: Der Universitätsrat feuert den Rektor fristlos.

(28. August 2008) Am 21.8.2008, nachmittags um 14 Uhr 30 und nach knapp dreijähriger Amtszeit, wurde Clemens Sorg, Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI), entlassen. Über die Entlassung entschied der siebenköpfige Universitätsrat, das gesetzliche Aufsichtsorgan, unter dem Vorsitz von Gabriele Fischer, Oberärztin an der Wiener Psychiatrie, mit sechs Ja-Stimmen und einer Enthaltung. Der Rat hatte das Verfahren am 7.7.2008 eingeleitet. Als Grund war in den Medien zu lesen, es handele sich um "schwere Pflichtverletzungen" sowie "begründeten Vertrauensverlust". Der Universitätsrat präzisiert das in einem Schreiben an den Senat der MUI und den Wissenschaftsminister vom Juli 2008:

1. Sorg habe Anordungen des Universitätsrates unterlaufen. Damit ist die Anordnung einer Sonderprüfung durch den Rat gemeint. (Einzelheiten siehe unten)

2. Sorg habe seine Verschwiegenheitspflicht verletzt. Er habe im Mai 2008 einen Auszug aus dem Protokoll des Universitätsrates weitergegeben.

3. Sorg habe den Datenschutz verletzt, indem er personenbezogene Daten von Mitgliedern des Universitätsrates an den Senat weitergegeben habe. Es handelt sich um die Vergütung der Mitglieder des Universitätsrates.

4. Das Verhalten des Rektors gegenüber Mitgliedern der Universität sei unangemessen und unannehmbar.

5. Sorg pflege einen autoritären Führungsstil was die Geschäftsfähigkeit der Verwaltung gefährde.

6. Sorg verweigere sowohl dem Universitätsrat als auch dem Betriebsrat Informationen, die ihm zustünden.

Ins gleiche Horn bläst ein Brief des Vorstandes der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie Peter Fritsch vom 13.8.2008, gerichtet an Clemens Sorg, die Professoren der MUI und die Vorstandsdirektoren der Tiroler Landeskrankenanstalten. Darin wirft Fritsch Rektor Sorg unter anderem eine fragwürdige und ineffiziente Berufungspolitik, konsequente Intransparenz, Insensibilität in der Behandlung heikler Probleme und eine hochfahrende Verhaltensweise vor.

Schon am Tag darauf wurde Fritschs Brief vom Vorstand der Klinik für Radiologie Werner Jaschke gekontert. Seit 1993 erlebe er alle zwei bis drei Jahre einen "Megaskandal bzw. eine Megakrise", die jeweils von hässlichem publizistischen Schlagabtausch begleitet werde. Zur Rektoratswahl meint Jaschke: "Die Einführung des UG [Universitätsgesetz, Anmerkung der Redaktion] 2003 führte zu einer zunehmenden Polarisierung innerhalb der Universität. Bei der ersten Rektorswahl haben wir erlebt, dass Kandidaten bereits als gewählt in der Presse präsentiert wurden, bevor die entsprechenden Gremien eine Vorauswahl getroffen hatten. Der UR-Vorsitzende informierte damals die universitären Gremien und die Öffentlichkeit hauptsächlich über die TT [Tiroler Tageszeitung, Anmerkung der Redaktion]. Kollege Grunicke scheiterte an der unversöhnlichen Haltung der Ministerin, ihm waren zwei Jahre Amtszeit vergönnt. Die darauf folgende Rektoratswahl übertraf selbst die schlimmsten Befürchtungen. Der publizistische Kampf wurde jetzt über nationale Zughörigkeit geführt (obwohl die meisten "deutschen" Professoren die österreichische Staatsbürgerschaft haben). Verschwörung, Habgier und andere niedrige Beweggründe wurden für die Nichtberücksichtigung des "Favoriten" im Dreiervorschlag in der Presse genannt. Im Vorschlag des Senates waren zwei österreichische Kandidaten und Prof. Sorg. Dr. Sendele [Personalberater, Anmerkung der Redaktion] war in diesem Prozess beratend tätig und hat ein Persönlichkeitsprofil der drei gereihten Kandidaten erstellt, um nachträgliche Überraschungen zu vermeiden. Der UR [Universitätsrat, Anmerkung der Redaktion] hat sich für Prof. Sorg entschieden, eine Geschäftsordnung für das Rektorat festgelegt und die VR [Vizerektoren, Anmerkung der Redaktion] berufen. Der Senat und die universitäre Öffentlichkeit waren an diesem Prozess nicht beteiligt. Die Verantwortung für die jetzt beklagte Führungskrise liegt somit bei beiden Organen – UR und Rektorat. Die Zusammenarbeit zwischen Rektorat und Senat hat funktioniert. Warum ist dieses zwischen UR und Rektor nicht möglich?" und weiter: "Ihre Bilanz der Amtszeit von Rektor Sorg ist vernichtend und persönlich kränkend. Ich bitte Sie, eine Bilanz seiner Vorgänger zu erstellen und zu vergleichen. Strukturell war diese Universität für die Herausforderungen der Zukunft schlecht gerüstet. Die von ihm [Sorg, Anmerkung der Redaktion] getroffenen Maßnahmen (LOM, IFTZ, KKS) sind wichtige Grundsteine für die Weiterentwicklung der Universität. Vergleichen sie z.B. die Forschungsorganisation an der Universität Utrecht, Heidelberg o.ä. mit der unsrigen. Welche Massnahmen wurden von den Vorgängern umgesetzt, um die Defizite im Wettbewerb zu beseitigen?"

Sorg selbst hält die Vorwürfe des Universitätsrates für vorgeschoben und gegenstandslos:

Der Hauptpunkt der Vorwürfe, so die Vorsitzende des Universitätsrats Fischer in einem Interview im Standard vom 22.8., sei Sorgs Finanzgebaren, insbesondere die Verschleppung einer Sonderprüfung (Punkt 1 oben). Im Schreiben des Rates an das Ministerium wird diesbezüglich ausgeführt, es hätten sich in der Ratssitzung vom 28.5. offene Fragen ergeben, die weder der Wirtschaftsprüfer noch der Leiter der Finanzabteilung beantworten konnten. Daraufhin habe der Rat eine Sonderprüfung gefordert, die von Sorg verschleppt worden sei.

Tatsache ist, dass der Universitätsrat den Jahresabschluss am 28.5. einstimmig genehmigt hat und die diesbezügliche Nachricht des Rats an Sorg keine Sonderprüfung erwähnt. Ernsthafte Bedenken scheinen also nicht vorgelegen zu haben. Auch der Bericht der Wirtschaftsprüfer vom 22.4.2008 enthielt keinen Hinweis auf die Notwendigkeit einer Sonderprüfung und bemängelte lediglich den steuerlichen Teiler der Urlaubsrückstellung und eine irrtümliche Verbuchung von abgeschlossenen Drittmittelprojekten. Nichtsdestotrotz hat Sorg am 7.7., also vier Wochen nachdem ihn Frau Fischer erstmals zur Sonderprüfung aufgefordert hat (per E-Mail am 4.6.), die Sonderprüfung in Auftrag gegeben. Der Kostenvoranschlag belief sich auf knapp 19.000 Euro. Die vierwöchige Verzögerung erklärt Sorg damit, dass er den Rat um eine Leistungsbeschreibung, das heißt eine Spezifizierung der zu prüfenden Punkte, gebeten habe (Brief vom 11.6.), die dieser nie übermittelt habe. Zudem habe er einen externen Berater mit der Prüfung und Restrukturierung der Finanzabteilung beauftragt und es für sinnvoll gehalten, erst einmal dessen Ergebnisse abzuwarten. Sorg betont, dass er sich nie gegen die Durchführung einer Sonderprüfung gewehrt habe. Zudem sei die Finanzlage der MUI hervorragend, die MUI in allen Punkten im Plus. Die Sonderprüfung habe denn auch nichts gefunden als die üblichen in jedem größeren Betrieb vorkommenden Falschbuchungen.

Zum Bruch der Verschwiegenheitspflicht (Punkt 2 oben) sagt Clemens Sorg, er habe in der Tat einen achtzeiligen Auszug aus dem Protokoll des Universitätsrates an den ehemaligen Vorsitzenden des Universitätsrates übermittelt und diesen um Stellungnahme gebeten. Dazu sei er, Sorg, nach Paragraph 78 Strafprozessordnung verpflichtet gewesen: Es habe sich um den Verdacht einer Straftat gehandelt und er habe sich Klarheit über den Sachverhalt verschaffen müssen. Die durch den Universitätsrat gegenüber dem ehemaligen Vorsitzenden erhobenen Vorwürfe hätten sich als unberechtigt herausgestellt.

Zum Vorwurf des Bruchs des Datenschutzes (Punkt 3 oben): Er, Sorg, habe den Senat der Universität über die Vergütungen der Mitglieder des Universitätsrates unterrichtet. Als eines der obersten Organe der MUI habe der Senat ein Recht auf Informationen zu anstehenden Fragen. Hier habe es sich um einen Bericht über die Erhöhungen der Funktionsgebühren der Mitglieder des Universitätsrates und den daraus resultierenden erhöhten Finanzbedarf gehandelt. Um einen Bruch des Datenschutzes handele es sich schon deswegen nicht, weil die Höhe der Funktionsgebühren und Sitzungsgelder öffentlich zugänglich sei. (Die monatlichen Funktionsgebühren zum Beispiel der Vorsitzenden des Universitätsrates wurden im April 2008 vom Universitätsrat von 1.000 Euro auf 3.000 Euro aufgestockt, die Sitzungsgelder von 300 Euro auf 500 Euro, dazu kommen noch Spesen). Insgesamt habe sich der Universitätsrat sein Budget nahezu verdoppelt von 150.000 auf fast 300.000 Euro. An anderen Universitäten seien die Universitätsräte ehrenamtlich tätig und erhielten nur ihre Auslagen ersetzt.

Bei den Vorwürfen 4 und 5 (unangemessenes Verhalten, autoritärer Führungsstil) handele es sich vornehmlich um durch Fakten nicht untermauerte subjektive Bewertungen beziehungsweise Werturteile. Auch seien die Ausführungen so allgemein gehalten, dass es nicht möglich sei, dazu Stellung zu nehmen. Auch den letzten Punkt, Verweigerung von Informationen, weist Sorg zurück. Die Vorwürfe des Universitätsrates seien entweder so allgemein gehalten, dass keine Stellungnahme dazu möglich sei oder unrichtig. So habe der Betriebsrat Informationen über ein sogenanntes Geheimabkommen mit dem Krankenhausträger gefordert, das es gar nicht gäbe.

Der Senat der MUI sprach sich am 28.7.2008 einstimmig gegen eine Abberufung Sorgs aus. Unterstützt wird Sorg auch von zehn Funktionsträgern, so dem Senatsvorsitzenden, dem Vorsitzenden der Professorenversammlung, dem Vorsitzenden der Ethikkommission und so weiter. Sie schreiben in einem Brief vom 5.8.2008 an die Vorsitzende des Universitätsrates: Sie könnten den Beschluss, gegen Sorg ein Verfahren zur Amtsenthebung einzuleiten (geschah am 7.7.2008) sachlich nicht nachvollziehen. Sorg habe zwar durch die prägnante Handschrift seiner Amtsführung immer wieder Kontroversen ausgelöst, aber insgesamt entscheidende Erfolge verbucht. Unter seiner Leitung sei für die klinischen Forscher ein höchst gedeihliches Klima der Kooperation zwischen Universität und Tiroler Landeskrankenanstalten entstanden. Sorg habe die Nachwuchsförderung und die klinische Forschung gestärkt, die leistungsorientierte Mittelvergabe eingeführt und das erfolgreiche Koordinierungszentrum für klinische Studien etabliert. Die zehn Unterzeichner sehen keinerlei Fakten, die zur vorzeitigen Abberufung von Sorg berechtigen würden.

Das Niveau, auf dem die Innsbrucker Affäre inzwischen angelangt ist, zeigt ein in Innsbruck kursierender Brief in dem Sorg (und andere) angegriffen werden und der mit den Worten beginnt "Wir möchten Ihnen weitere Unterlagen und Informationen zusenden, um Sie in Ihrem erfolgreichen Kampf gegen das verheerende Kartell aus internationalen Wirtschaftskriminellen, deutscher UNI-Camorra, österreichischen Mafiosi und Pädophilen weiter zu unterstützen." Das Schreiben endet mit: "Wir haben erfahren, daß Sie sehr erfolgreich gegen diese unerträgliche Ansammlung von skrupellosen Verbrechern, größenwahnsinnigen Manikern, moralisch vollkommen enthemmten Subjekten und neidischen Idioten vorgehen. [...] Gehen Sie weiter entschlossen gegen diese Kombination von Korruption, Neid, deutschem Welteroberungswahn und Kriminalität vor! V.a. die deutsche UNI-Camorra, die die Klinik systematisch zerstört, alle Tiroler eliminieren will und glaubt, daß sie sich alles erlauben kann ..."



Kommentar und Analyse

Der Hauptvorwurf des Universitätsrates betrifft Sorgs Finanzgebaren (steuerlicher Teiler der Urlaubsrückstellung und irrtümliche Verbuchung von abgeschlossenen Drittmittelprojekten), und die Verschleppung einer diesbezüglichen Sonderprüfung. Gabriele Fischer, Vorsitzende des Universitätsrats, antwortete auf die Frage, was denn so schlimm daran sei: "Die Universitätsräte sind für das korrekte Finanzgebaren der MUI persönlich haftbar. Hier wurden Drittmittel unkorrekt verbucht, z.B. Projekt A aus den Mitteln für Projekt B bezahlt. Das ist im Blindflug abgelaufen. Nachdem der Wirtschaftsprüfer den Universitätsrat darauf aufmerksam gemacht hat, hat der unmittelbar darauf in seiner Sitzung am 28. Mai schriftlich von Rektor Sorg eine Sonderprüfung verlangt. Dem ist Herr Sorg erst im Juli, nach wiederholten Auforderungen, nachgekommen. Das nenne ich Verschleppung."

Laborjournal: Wie sehen Sie die Hierarchieverhältnisse an der MUI, betrachten Sie sich als Vorgesetzte des Rektors?

Fischer: "Der Universitätsrat hat laut Paragraph 21 Universitätsgesetz eine Kontroll- und Steuerungsfunktion. Im übrigen hat es einen professionellen Umgang zu geben."

Laborjournal: Wie stehen Sie zu dem Universitätsratsmitglied Richard Soyer?

Fischer: "Ich bin mit Herrn Soyer seit Jahren privat eng befreundet, aber das steht in keinem Zusammenhang mit der Abberufung des Rektors."

Es ist seltsam: Der Innsbrucker Urologe Georg Bartsch will jahrelang vom Treiben seines Oberarztes nichts wahrgenommen haben und ist immer noch im Amt (siehe Laborjournal online-Artikel Inspektionsbericht inkriminiert Innsbrucker Inkontinenzforscher vom 13.8.2008). Sorg dagegen soll wegen ein paar Buchhalterfehlern, von denen er nichts wissen konnte, gehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier unter fadenscheinigen Vorwänden einem Unbequemen das Handwerk gelegt wurde. Clemens Sorg ist sicher ein hartgesottener Universitätspolitiker und mag gelegentlich undiplomatisch vorgegangen sein. Doch ein Weichei hätte wohl keine drei Jahre im Innsbrucker Hexenkessel ausgehalten. Und ein Hexenkessel ist die MUI: Sorg ist schon der dritte Rektor in Folge, der vorzeitig abgesetzt wurde. Man darf gespannt sein, welcher Ritter sich als nächster bereit findet, gegen den Drachen an der Inn anzureiten.

Warum und Wem aber wurde Sorg so unbequem, dass man zum Äquivalent einer fristlosen Entlassung griff?

Clemens Sorg, der Laborjournal in einem längeren Gespräch zur Verfügung stand, zuckte dazu mit den Schultern: "Ich habe auch nur Vermutungen zu bieten. In Österreich beobachtet man wachsende Xenophobie, die sich vor allem gegen Deutsche richtet. Auch die Europafeindlichkeit nimmt dramatisch zu. Das konnte man schon an den Wahlen zum Universitätsrat vom April 2008 beobachten: Alle Deutschen sind wegaustrisiert worden. Stattdessen ist z.B. auf Vorschlag von Frau Fischer ihr langjähriger Freund, der Strafrechtler Soyer, gekommen. Was soll ein Strafrechtler im Rat einer medizinischen Universität? Es sind hauptsächlich vier Universitätsräte gegen mich, Frau Fischer und die Herren Soyer, Bonn und Huber. Was Frau Fischer betrifft, so bin ich ihr, der Oberärztin, gegenüber vielleicht nicht unterwürfig genug gewesen. Sie hat ständig mehr Respekt eingefordert. Vielleicht wollte sie als Chefin gelten. Der Rektor hat aber keinen Vorgesetzten. Bei den anderen kenne ich die Motivation nicht. Huber, mit dem ich schon seit fast 20 Jahren kollegial verbunden bin, verfolgt mich seit dem 7. Juli mit geradezu fanatischem Eifer."

Hängt Sorgs Entlassung mit dem Skandal um die Inkontinenzstudie von Strasser und Bartsch (siehe Laborjournal online-Artikel Inspektionsbericht inkriminiert Innsbrucker Inkontinenzforscher vom 13.8.2008) zusammen? Ist Sorg einflussreichen Beteiligten unangenehm geworden, weil er Konsequenzen für Georg Bartsch forderte? Zeitlich würde das stimmen, doch die Vorsitzende des Universitätsrats, Gabriele Fischer, verneinte im Standard einen Zusammenhang, des gleichen Christoph Huber im Laborjournal-Interview.

Huber sieht für seine Person und den gesamten Universitätsrat nicht den geringsten Zusammenhang zwischen der Amtsenthebung Sorgs und der Affäre um die Inkontinenzstudie von Strasser und Bartsch: "Der Vorwurf der einseitigen Voreingenommenheit als Universitätsrat der MUI zu Gunsten der autologen Myoblastentherapie ist absurd, da: - "zwischen den Professoren Bartsch, Strasser und mir kein Nahverhältnis oder Kooperationen bestehen", - "ich dem gegenständlichen Myoblastentherapie-Konzept als Stammzelltransplanteur mit 30-jähriger Berufserfahrung skeptisch gegenüberstehe und seine kommerzielle Anwendung selbst bei in ordnungsgemäß durchgeführten Studien bewiesenen ermutigenden frühen Testergebnissen für verfrüht halte" und - "ich der MUI wegen gravierender Nebenwirkungen der Myoblastentherapie bei einem mir Nahestehenden einen Interessenskonflikt gemeldet habe und ich an Diskussion dieses Themas im Universitätsrat nicht teilnehme".

Andere spekulieren, Sorg sei bei der Gründung einer Privatklinik in Lans Mitgliedern des Universitätsrats und Innsbrucker Urologen (Bartsch) im Wege gewesen. Auch dies wird von Frau Fischer bestritten: Niemand im Universitätsrat habe dort eine Beratungsfunktion. Es existiert jedoch ein Konzeptpapier für künftige Investoren der Klinik, auf dem die Namen der Universitätsratsmitglieder Günther Bonn, Innsbrucker Chemiker, und Christoph Huber, Mainzer Immunologe, als Forscher verzeichnet sind (Tiroler Tageszeitung vom 21.8.2008). Nach der gleichen Quelle soll es sich bei dem Initiator der Lanser Klinik (LansMed) um den pensionierten Radiologen Dieter zur Nedden handeln, dem Sorg die Emeritierung verweigert hatte (die Emeritierung ist gegenüber der Pensionierung mit bestimmten Vorteilen verbunden). Zur Neddens Name taucht beim Lanser Konzept zwar nicht auf, "wohl aber Mitarbeiter seiner damaligen Klinik Radiologie II" (Tiroler Tageszeitung).

Christoph Huber erklärte gegenüber Laborjournal: "Für von mir geleitete akademische Forschungsprogramme und Firmen benötigen wir Patientenseren. Vorgespräche zur Akquisition von Proben wurden mit Krankenversorgern auf der Basis von Forschungskooperationen geführt. In Tirol wurden mit Vertretern einer öffentlichen Krankenanstalt und Protagonisten der LansMed gesprochen. Eine vertraglich geregelte oder honorierte Beratertätigkeit bestand nicht und war niemals intendiert. Ebenso wenig war ich an einer aktiven Rolle an der Krankenbetreuung in LansMed interessiert." Auch Dieter zur Nedden spricht in einem Fax vom 21.8.2008 an die Vorsitzende des Universitätsrates von "unverbindlichen Vorgesprächen" mit Huber und Bonn.

Was also soll man von der Innsbrucker Affäre halten?

Offensichtig ist nur eines: Die Angelegenheit ist undurchsichtig.

Die Gründe für Sorgs fristlose Entlassung erscheinen mir dünn; die Motivation der Universitätsratsmitglieder rätselhaft. Vielleicht lag kein besonderer Grund vor. Vielleicht hat sich die Situation an Nebensächlichkeiten und Eitelkeiten (die Offenlegung der in der Tat beachtlichen Ratseinkünfte und Spesen, die Verweigerung bisher selbstverständlicher Gefälligkeiten durch Sorg, die fehlende österreichische Verbindlichkeit im persönlichen Umgang des Ravensburger Schwaben und der am Inn anscheinend grassierende Anti-Piefkismus) hochgeschaukelt. Den letzten Anstoß dürfte ein Brief Sorgs an seine Bekannten gegeben haben, der nach Innsbruck weitergereicht wurde und der beginnt mit: "Liebe Freunde, in Innsbruck ist der Teufel los. Es entwickelt sich ein Medizinskandal von bisher nicht gekannter Größe. Die oberen Netzwerke in Österreich versuchen diesen unter dem Deckel zu halten bzw. einer "österreichischen Lösung", d.h. nichts tun, zuzuführen...."

Von der Gegenseite wird dies als Illoyalität und Österreicherhetze ausgelegt. Vielleicht ging es zuletzt nur noch darum, den vermeintlichen Gegner zu vernichten, um welchen Preis auch immer.



Hubert Rehm



Universitätsrat: Der Universitätsrat der MUI ist laut Österreichischem Universitätsgesetz 2002 ein Aufsichtsgremium mit unter anderem folgenden Aufgaben:

- Wahl des Rektors aus einem Dreiervorschlag des Senats

- Abberufung des Rektors

- Genehmigung des Entwicklungsplanes, des Organisationsplanes und des Entwurfs der Leistungsvereinbarung der Universität

- Genehmigung der Richtlinien für die Gebarung sowie Genehmigung des Rechnungsabschlusses und des Leistungsberichtes des Rektorats.

Universitätsräte dürfen weder Politiker noch Universitätsangehörige sein. Der Universitätsrat der MUI hat sieben Mitglieder. Drei werden vom Senat der Universität gewählt, drei vom Bundesminister bestellt, das siebte Mitglied wird von den sechs gewählten beziehungsweise bestellten Räten gewählt. Der zur Zeit amtierende Universitätsrat wurde im März 2008 konstituiert. Seine Mitglieder sind: Fischer (Vorsitzende), Bonn (stellvertretender Vorsitzender), Huber, Soyer, Druml, Smolle-Jüttner, Laske. Im März 2008 neu hinzu kamen Druml, Soyer und Huber.



Senat: Der Senat der MUI ist ein Selbstverwaltungsorgan und die Vertretung der Mitglieder der Universität. Er besteht aus den gewählten Delegierten der Professorenschaft, der wissenschaftlichen Mitarbeiter, der Studenten und des Personals (zur Zeit 27 Mitglieder).



Letzte Änderungen: 01.09.2008
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