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Ein Klon ist nicht genug

Letzte Woche berichteten Stammzellforscher aus den USA, es sei ihnen gelungen, geklonte menschliche Blastozysten herzustellen. Es folgte ein imposanter Wirbel im Blätterwald: Die Forscher hatten nur einen einzigen Klon erzeugen können. Ein Durchbruch? Das bezweifelt Karin Hollricher.

(22.1.2008) Der Gral der Stammzellforscher ist anscheinend die Herstellung geklonter menschlicher Zelllinien durch Kerntransfer. Daran haben sich wohl viele Forscher versucht – in aller Stille und erfolglos. Lediglich der Koreaner Woo Suk Hwang entfachte kurzzeitig einen Orkan mit seinen Stammzellen aus geklonten Embryonen. Die aber stellten sich dann als gefälscht heraus.

Jetzt berichtet aber Andrew French von der Firma Stemagen in La Jolla (Kalifornien, USA) in der Zeitschrift Stem Cells, er habe mittels somatischem Kerntransfer fünf menschliche Embryonen geklont. (siehe hier)

Drei junge Frauen hatten 29 Eizellen gespendet, die French entkernte und anschließend mit den Kernen von Hautzellen zweier Männer füllte. An der Technologie ist nichts aufregend Neues zu entdecken – es waren normale Kernstransfers. In immerhin fünf Fällen wuchsen aus diesen Gebilden Blastozysten heran.

Da die Wissenschaftlergemeinde durch den Skandal um Hwang sehr skeptisch ist, ließ French die Klone von Mitarbeitern des Genesis Genetics Institute in Detroit (USA) genetisch testen. DNA Fingerprints von immerhin drei Blastozysten bewiesen, dass die Zellen dieser Embryonen DNA der männlichen Spender enthielten.

Der entscheidende Beweis dafür, dass die Zellen selber von den weiblichen Spendern stammen, lässt sich aber nur über Fingerprints der Mitochondriengenome führen. Diesen ultimativen Beweis publizierten French et al. auch – allerdings nur für einen Klon. Was viel Raum lässt für Spekulationen darüber, was wohl mit den anderen beiden Blastozysten los ist. Waren das etwa doch keine Klone? Oder wollten die Wissenschaftler mit einer schnellen Publikation die Konkurrenz ausstechen und verzichteten daher auf deren Fingerprints? Letzteres ist eher unwahrscheinlich, denn die Publikationen wurden bereits im April 2007 eingereicht. Es wäre also genug Zeit gewesen, die beiden anderen vermeintlichen Klone ebenfalls auf Herz und Nieren zu prüfen.

Macht ein Klon einen "Durchburch"? Der Stammzellexperte Miodrag Stojkovic (Centro de Investigacion Principe Felipe, Valencia, Spanien), Co-Editor von Stem Cells, meint, dass angesichts der kleinen Zahl von Blastozysten die Experimente auch hätten schiefgehen und man überhaupt keine Klone hätte erhalten können. In der Tat!

Obendrein haben die Klonierer aus La Jolla potente Konkurrenz aus dem Lager der Verfechter adulter Stammzellen. Ende letzten Jahres ist es zwei Forschergruppen unabhängig voneinander gelungen, induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) aus Hautzellen herzustellen. Der Transfer von Stammzell-spezifischen Genen wie Oct3/4, Sox2 und Nanog in ausdifferenzierte Zellen versetzte diese in einen zumindest Stammzell-ähnlichen Zustand.

Die Stemagen-Forscher sind vielleicht auf dem richtigen Weg – aber sie haben auf halber Strecke gestoppt. Die begehrten Stammzelllinien aus klonierten Blastozysten haben sie nämlich nicht kultiviert. Entweder weil sie das nicht konnten, oder weil sie das nicht wollten (wie sie behaupten). Doch gerade ein Rezept für die Herstellung solcher Zelllinien ist es, wonach die Forscher streben. Denn erst solche pluripotenten Zelllinien von einzelnen Individuen sind das Material, das nötig wäre, um als körpereigener Ersatz dem Schwund von Zellen bei Diabetes oder Parkinson therapeutisch zu begegnen.

Dieser Fortschritt ist eben aber noch nicht in Sicht – und ein Klon kein "Durchbruch".



Karin Hollricher



Letzte Änderungen: 04.02.2008
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