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Noch mehr Theater?

"Trouble in the Lab", ein satirisches Theaterstück, aufgeführt vom Derek Bok Center for Teaching and Learning an der Harvard Universität. Ziel: Diskussion über sensible Themen wie die Situation von Frauen oder Minderheiten in der Forschung. Bettina Dupont fragt nach dem Sinn eines solchen Stücks.

(20.12.2007) Wer kennt sie nicht, die stundenlangen Telefonate mit aufgebrachten Doktoranden und Postdocs, die sich, teilweise mitten in der Nacht, ausführlichst über die neuesten Ungerechtigkeiten ihres Betreuers und ihrer Laborkollegen ergehen. Meist bestehen diese Erzählungen aus einer endlosen Aneinanderreihung von "XY hat gesagt ..." und "Ich habe gesagt ...". Die derart Gestressten machen den Eindruck, als könnten sie dringend autogenes Training gebrauchen.

Das Derek Bok Center for Teaching and Learning an der Harvard Universität setzt wie bereits die Universität Michigan auf experimentelles Theater, um den Alltag im Labor darzustellen und einen besseren Umgang miteinander anzustoßen. Die Satire "Trouble in the Lab", aufgeführt von gegenwärtigen und ehemaligen Doktoranden, porträtiert den Arbeitsalltag einer gestressten Laborleiterin mit Zeitvertrag, eines zerstreuten Postdocs, eines reizbaren älteren Doktoranden und einer schüchternen Doktorandin im ersten Jahr, die sich im Chaos um sie herum nicht zurechtfindet. Ziel des Stücks ist es, Diskussionen über sensible Themen wie die Situation von Frauen oder Minderheiten in der Forschung anzustoßen. Bezeichnenderweise bestand das Publikum bei der kürzlichen Aufführung des Stücks vor allem aus Frauen.

Brauchen wir das? Wir haben das Theater doch schon live - vom dauerhustenden gestressten Doktoranden bis zum lautstark Nonsens vor sich hintrompetenden "Auserwählten" unter den wissenschaftlichen Assistenten. Wir haben Lärmterror, persönliche und intellektuelle Herabsetzung, Frauen- und Altersdiskriminierung... Wir haben alles live - von der Tragikomödie bis zum Schurkenstück! Wir wissen auch was die Gründe für Konflikte im Labor sind: Mangel an Information (teilweise beabsichtigt), an Respekt, an Fairness. Wer keine Lobby hat, wird geopfert.

Wir brauchen kein Theater. Wir brauchen auch keine Theatermoral. Im Forscherleben gilt: Gut ist wer erfolgreich ist. Erfolg setzt jedoch voraus, dass man Forschungsprojekte mit ansprechenden Ergebnissen unter den gegebenen Bedingungen durchführen kann. Ist dazu ein gutes Arbeitsklima notwendige Voraussetzung? Durchaus nicht immer. Wichtiger ist der Forscher selbst, das Heimatlabor, mögliche Kollaborationspartner, Verbindlichkeiten und Machtkonstellationen.

Fall Sie also Erfolg im Terrorlabor haben, bleiben Sie. Aber nur wenn Sie Erfolg haben: Dulden um des Duldens willen wird selten belohnt. Falls es gar zu schlimm ist und Ihre Interessen nicht berücksichtigt werden, empfehle ich Ihnen, frühzeitig eine andere Stelle mit einem besseren Arbeitsklima zu suchen. Sie sparen Telefonkosten und behalten Ihren Freundeskreis.



Bettina Dupont



Quelle:

nature network, http://network.nature.com/boston/news/articles/2007/12/14/experimental-theater-enters-the-lab




Letzte Änderungen: 09.01.2008
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