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Frischgeld aus Berlin!

Seit Ende Juli gibt's Bares für Wertschöpfungsketten. Biotech-Unternehmer, die sich von den üblichen Klugsprech-Floskeln aus der Schavan-Behörde nicht irremachen lassen, sollten gleich mal zur Ministeriums-Website surfen.

(20.08.2007) Es ist müßig zu spekulieren, warum deutsche Ministerien es nicht schaffen, auch nur halbwegs verständliche Pressemitteilungen rauszuschicken. Laborjournal-Kollege Rehm hat dazu eine unmissverständliche Meinung, die er im Redaktionsalltag gerne und lautstark äußert, die wir aus juristischen Gründen an dieser Stelle jedoch lieber nicht abdrucken wollen.

Lohnende Surfstation: die BMBF-Website

Dabei lohnt es sich durchaus, ab und zu auf der BMBF-Website vorbeizuschauen. Denn dort wird regelmäßig Steuergeld unters Forscher- und Biotechnologenvolk geschleudert (beziehungsweise das Schleudern dieses Geldes salbungsvoll angekündigt). Der neueste Wurf gilt der "Medizin der Zukunft", die dem Ministerium hundert Millionen, verteilt auf fünf Jahre, wert ist. Die offizielle PR-Dichtung zu dieser BMBF-Fördermaßnahme ist allerdings, nun ja, rätselhaft.

Wirklich nicht einfach, aus all den "Konzeptstrategien" und "exemplarischen Kooperationen mit kohärenter Zielsetzung" die für potenzielle Geldempfänger relevanten Informationen herauszufiltern! Oder besser: erst mal zu kapieren, dass man ein potenzieller Geldempfänger ist...

Wer's lieber ungefiltert mag: Auf der BMBF-Website sind Perlen der Satzbaukunst, etwa die folgende, im Original zu genießen:

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung richtet entsprechend der Hightech-Strategie seine Förderung u. a. an den einzelnen Gliedern der Wertschöpfungsketten von den Branchen aus, für die neue Technologien wesentlich sind.

Oder diese:

Diese sich selbst organisierenden Gruppen von Forschern, Klinikern, Unternehmern und weiteren Akteuren u. a. aus kleinen und mittleren Biotechnologie-Unternehmen, Pharmafirmen, Zulieferern, Kliniken, Forschungseinrichtungen, Kostenträgern, Regulierungsinstanzen, Investoren und möglicherweise auch Patientenorganisationen sollen in der Lage sein, wirtschaftlich relevante, pharmazeutische Innovationen unter Einsatz von Methoden der modernen Biotechnologie von der grundlagennahen Forschung bis zur Anwendung zu entwickeln.

Alles verstanden? Oder doch lieber nochmal lesen? Oder noch besser: ignorieren?

Hundert Millionen für die Maßnahme BioPharma

Lassen Sie sich nicht irremachen. Die meisten der knapp dreitausend Wörter umfassenden "Bekanntmachung der Förderrichtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Maßnahme "BioPharma – Der Strategiewettbewerb für die Medizin der Zukunft" im Programm "Biotechnologie – Chancen nutzen und gestalten" kann man getrost überlesen. Nachfolgend haben wir das wenige wirklich Wichtige in schätzungsweise drei Dutzend Wörter gepackt (ohne Gewähr!):

1. Bundesforschungsministerin Annette Schavan schüttet bis Juli 2012 hundert Millionen Euro oder mehr unters naturwissenschaftliche Forscher- und Firmenvolk. Die Aktion nennt sich "Fördermaßnahme BioPharma – Der Strategiewettbewerb für die Medizin der Zukunft" und soll – Vorsicht: Floskel! – "Anreize bieten, langfristige, strategische Konzepte für eine effiziente Gestaltung der biopharmazeutischen Wertschöpfungskette vorzuschlagen."

2. Das Geld wird als "nicht rückzahlbarer Zuschuss" gewährt.

3. Bewerben können sich "unternehmerische Konsortien", die sich zutrauen (oder dies dem BMBF glaubhaft vorgaukeln), dass sie mit biotechnologischen Methoden lukrative Produkte (sprich: Medikamente) entwickeln können. Antragsberechtigt sind "juristische Personen" sowie "Personengesellschaften".

4. Die Entwicklung dieser Medikamente muss unbedingt "reibungslos" verlaufen. Zu diesem Zweck verlangt das BMBF ein detailliertes Strategie-Plan-Konzept-Papier der höchsten Orakelstufe, damit auch nichts schiefgeht.

5. Der mit diesen neuentwickelten Medikamenten erwirtschaftete Umsatz muss vorwiegend und "dauerhaft" in Deutschland gemacht werden (zu dessen zu erwartender Mindesthöhe verlangt das BMBF überraschenderweise keine Angaben).

6. Das "BioPharma"-Bewerbungsverfahren hat zwei Stufen: Zunächst werden maximal fünfzehn "Entwicklungskonzepte" gefördert (die Bewerbungsunterlagen dafür müssen bis Anfang 2008 beim Projektträger Jülich (PTJ) eingereicht werden). Bis August 2008 werden drei davon ausgewählt, die dann in den Genuss der "mindestens" hundert Millionen Euro (ausgeschüttet in den Jahren 2008 bis 2012) kommen werden.

7. Die drei Gewinner werden im Oktober 2008 bekanntgegeben.

8. Und nun ran ans Strategie-Plan-Konzept-Papier-Schreiben!

Ein heißer Tipp zum Schluss

Wichtig: Sehen Sie sich Punkt 7.2.3 der BMBF-Bekanntmachung ("Entscheidungsverfahren für die Förderung; Kriterien zur Bewertung") besonders gut an. Wer bezüglich dieser Kriterien die glaubwürdigsten Sprechblasen absondert, steigert seine Chancen ungemein. Es werden größtenteils nicht-messbare Wischiwaschi-Eigenschaften abgefragt ("Profil und Interessenkonvergenz der Partner"; "erreichbarer Marktanteil und Ausmaß der zu erwartenden Wertschöpfung"; "Schlüssigkeit des Gesamtkonzeptes"; "strategische Fähigkeiten des Managements"). Hier können Sie dem BMBF bedenkenlos das Blaue vom Himmel versprechen und so Ihre Chancen erheblich steigern.

Die originale Dreitausend-Wörter-Langfassung zur "BioPharma-Initiative" finden Sie unter: http://www.bmbf.de/foerderungen/10516.php

Viel Erfolg!

Winfried Köppelle



Letzte Änderungen: 22.08.2007
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