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Tour de France: Team aus Tübingen ist dabei

Neues aus der Welt des Sp(r)itzensports: Am Wochenende begann in London die 94. Tour de France. Trotz aller Dopingskandale der letzten Monate (oder vielmehr: gerade deswegen) ist auch ein Team aus Tübingen hautnah dabei – wenn auch nicht auf dem Rennsattel.

(08.07.2007) Es gibt Mediziner, die kennt inzwischen fast jeder Sportinteressierte: Etwa den spanischen Gynäkologen Eufemiano Fuentes (das ist der mit Jan Ullrichs Blutbeuteln) oder die Freiburger Unikliniker Lothar Heinrich und Andreas Schmid (das sind die EPO-spritzenden T-Mobile-Ärzte). Den Namen Perikles Simon kannte man bisher – zumindest in Sportkreisen – nicht. Das könnte sich ändern. Denn pünktlich zum Start der diesjährigen Tour de Farce – äh, France wurde bekannt, dass Simon zusammen mit seinen Tübinger Kollegen Ulrich Lauer und Michael Bitzer einen Nachweis auf Gen-Doping entwickelt. Schlechte Nachrichten also für Jan Ullrichs dopende Radelkollegen.

Gefördert von der WADA mit einer halben Million US-Dollar

Gefördert wird das Tübinger Anti-Doping-Projekt von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Weltweit 27 Vorhaben mit einem Gesamtetat von 6,3 Millionen US-Dollar sind es in diesem Jahr, mit denen die WADA die Anti-Doping-Forschung vorantreiben will. Eine halbe Million davon geht an Simons Arbeitsgruppe, der Leiter des Molekularbiologischen Labors der Tübinger Sportmedizin ist, sowie an seine Kollegen Ulrich Lauer und Michael Bitzer von der Tübinger AG Molekulare Onkologie. Das Projekt ist vorerst auf zwei Jahre angelegt.

Gendoping ist derzeit, trotz wildester Verschwörungstheorien in Sport-Foren im Internet, noch Science Fiction. Bisher kennt die Literatur keinen Fall, in dem einem Sportler erfolgreich fremde Erbanlagen (etwa das Erythropoetin- oder das IGF-1-Gen) in den Körper geschleust wurden und dadurch dessen Schnelligkeit, Kraft oder Ausdauer verbesserten. Kein Wunder, ist doch selbst die medizinische Gentherapie, trotz 25 Jahre dauernder Versuche, noch nicht aus dem Experimentierstadium heraus – und manchmal gar lebensgefährlich.

Bisher noch kein Gendoping-Fall bekannt, aber...

Trotzdem befürchten Doping-Experten, dass über kurz oder lang auch im Spitzensport genetisch manipuliert werden, sprich: die DNA von leistungsrelevanten Genen in die Körperzellen von Sportlern eingeschleust werden wird. Durch vermehrte Produktion körpereigener leistungssteigernder Stoffe (i.a. Peptide oder Proteine) würde der Sportler damit leistungsfähiger. Zwar steht Gendoping längst auf der Dopingliste, ist jedoch mit den bisherigen Nachweismethoden nicht detektierbar.

Tübinger Sportmedizin bisher unbefleckt

Bisher ist die Sportmedizin der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen ein unbeschriebenes Blatt, was (Anti-) Doping angeht. In Deutschland kennt man eher die Kölner Sporthochschule mit dem Antidoping-Fachmann Wilhelm Schänzer an der Spitze (wo im Jahr 2003 ein Zentrum für präventive Dopingforschung gegründet wurde), oder die übelst beleumundete Sportmedizin an der Uni Freiburg (die seit vielen Jahren unter dem Generalverdacht steht, Doping zu fördern – man denke nur an den "berühmtesten Anabolika-Verharmloser Deutschlands, Professor Joseph Keul" (FAZ) und an dessen ehemaligen Kumpan Armin Klümper).

Falls der neue Nachweistest funktioniert, wäre das ein Schlag ins Kontor für potenzielle Sportbetrüger – und ein Aufsehen erregender erster Erfolg für die Tübinger. Bereits jetzt kann die dortige Sportmedizin ein Verfahren vorweisen, mit dem sich geringste Spuren transgener DNA, etwa im Blut, nachweisen lassen. Entwickelt hat es Perikles Simon. Zusammen mit Ulrich Lauer und Michael Bitzer von der AG Molekulare Onkologie will Simon es nun zu einem entsprechenden Testverfahren auf Gen-Doping weiter entwickeln – und dieses auch auf seine Praxistauglichkeit abklopfen. Beispielsweise muß ein fertiger Assay zuverlässig nicht Gen-gedopte Athleten von gedopten unterscheiden können.

Bundeskripo greift der Uni unter die Arme

Dabei werden die Tübinger von unerwarteter Seite unterstützt: Spezialisten für die DNA-Probengewinnung des Bundeskriminalamtes (BKA) hätten, so die Universität Tübingen, bereits Bereitschaft zur Hilfe signalisiert.

Den vielen Unverbesserlichen im Profiradsport und ähnlich Doping-verseuchten Disziplinen wird das gar nicht schmecken.

Winfried Köppelle



Letzte Änderungen: 16.07.2007
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